Urlaub

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Urlaub

Beitrag #1 von pilwo » 18 Jul 2004 23:10


Hallo
Ich bin Bettnässer und das seit 47 Jahren.. Erst in den letzten Jahren konnte ich mich mit meinem Leiden arrangieren, bin zur Ruhe gekommen und führe ein ausgeglichenes Leben.
Nun aber ist etwas passiert was alte Wunden in mir aufreißt. Meine Frau und ich haben heuer vor mit meinem Bruder und seiner Frau gemeinsam in einem Wohnmobil durch die Schweiz, Südtirol und Frankreich zu fahren. Soweit ist das kein Problem für mich, natürlich wissen mein Bruder und meine Schwägerin von meinem Leiden und wir waren früher auch schon öfters gemeinsam auf Urlaub. Nun aber fährt ungeplant auch ihr 3 jähriger Sohn, ein Nachzügler, mit auf die Tour, da die Tante die für die Betreuung des Jungen vorgesehen war kurzfristig absagen musste.
Die Anwesenheit eines Kindes auf dieser Reise löst bei mir Albträume aus. Ich erinnere mich noch genau wie es mir bei unseren Kinder erging. Obwohl die ersten Jahre gemeinsam mit den Kindern eine schöne Zeit war, löste sie in mir wegen meines Bettnässens eine große seelische Krise aus, die diese ersten Jahre mit meinen Kindern auch zu meinen schlimmsten machte. Es nagte zwar schon immer an meinem männliche Selbstbewustsein das ich Abends wie ein Baby gewickelt zu Bett gehen musste, aber ich konnte damit leben. Nun aber mit den Kindern im Haus wurde es mit täglich vor Augen geführt das ich in diesem Punkt eigentlich noch wie ein Kleinkind war und nicht wie ein erwachsener Mann . Besonders schlimm war dann die Zeit in der die Kinder sauber wurden und sie voller Stolz morgens von einer trockenen Windel berichteten oder davon das sie schon ohne Windel schlafen konnten und ich nach wie vor mit einer Windel zu Bett gehen musste und morgens meist mit eine nassen Windel um den Po im Bett lag.
Ich weis aus Erfahrung das es sich in dem Urlaub im Wohnmobil nicht verbergen lässt das ich Nachts noch Windeln brauche und es mein Neffe wohl schnell bemerken wird. Da ich aus Erzählungen meiner Schwägerin weis das er gerade dabei ist auch Nachts sauber zu werden sehe ich mich in einem Wettkampf mit einem dreijährigen darin wer morgens seine Windel noch trocken hat und bin mir leider sicher das der dreijährige gewinnen wird. Abgesehen davon das so ein Urlaub für mich dann kein Urlaub mehr ist, will ich es mir auch ersparen das ich nachher vorrausichtlich Monate brauchen werde um wieder mein seelisches Geichgewicht zu finden, Ganz zu schweigen von der Aussicht das es der Junge vielleicht auch noch jedem erzählen wird das der Onkel noch Windeln braucht.
Ich bin nun ziemlich verzweifelt und weis nicht wie ich aus dieser Situation raus komme. Hat vielleicht jemand schon ähnliches durchgemacht und kann mir einen Ratschlag geben

Pilwo
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Beitrag #2 von mehlbox2001 » 19 Jul 2004 01:09


Hallo Pilwo,

ich fürchte fast, es fehlt dir ein bisschen an Fantasie ... Ich weiß noch, ich war zwölf, als mir mein Großvater nach der Prostata-OP von seinem "Büdel am Bein" erzählt hat (so sagt man in Hamburg), und dass er nachts diese Hosen hat -- ich war glaub ich sein wichtigster Gesprächpartner noch vor meiner Oma, wenn's um solche Sachen geht ... Ich glaub meine Mutter und ihre Schwester wissen bis heute nichts davon ...

Ich denk mal, wenn du dem Jungen einfach erzählst, dass es bei Männern ab 40 einfach manchmal Probleme gibt ... Du weißt vielleicht, dass es in den Zehn Geboten heißt, man soll "nicht falsch Zeugnis reden wider seinen Nächsten", aber so ein kleines bisschen Schummeln fällt nun wirklich nicht runter das Verbot der Verleumdung ;-)

Schonen Urlaub wünscht
Andreas
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Beitrag #3 von eckhard11 » 19 Jul 2004 13:26


Pilwo schreibt :

sehe ich mich in einem Wettkampf mit einem Dreijährigen darin, wer morgens seine Windel noch trocken hat und bin mir leider sicher, daß der Dreijährige gewinnen wird.

Natürlich wird Dein Neffe diesen "Wettkampf" gewinnen.
( Der Junge hat ganz sicher nicht Deine Probleme. )

Aber was soll überhaupt heißen "Wettkampf" ???????
Mann, mit einem Dreijährigen kann man nicht in einem Wettkampf liegen, es sei denn eine Kissenschlacht oder ähnliches.
Weißt Du, was ein Wettkampf ist ?
Ich habe im Wettkampf mit einem verdammten Krebs gelegen und habe diesen Kampf - wenn auch auf Kosten einer Inkontinenz - gewonnen.
Das war ein Wettkampf....
Und Du kannst absolut sicher sein : Ich habe mich danach keineswegs als Kleinkind gefühlt, nur weil ich nachts überlaufe.

Wie Andreas schon ausführte : Du solltest dem Jungen sagen, daß Du Probleme hast.
Erfahren wird er es eh´ irgendwann, und wenn Du es ihm jetzt als "Geheimnis" mitteilst, bei einem Gespräch "unter uns Männern", wird er dies wohl auch kaum anderen gegenüber weitererzählen.

Viel erstaunlicher finde ich, daß Du mit 47 Jahren und einer 47-jährigen Behinderung überhaupt noch derartige Probleme mit Deiner Behinderung hast.

Die einzige Möglichkeit, die Dir bleibt, um Dich nicht vor einem Dreijährigen (!!) bloßzustellen, sehe ich nur darin :
Urlaub absagen. Sofort. Nie wieder mit anderen Leuten in Urlaub fahren.

Es tut mir nicht leid, wenn ich so drastisch bin, denn ein derartiger Selbstzweifel ist mir selten untergekommen.

Ich leg mich wieder hin. .sleep:
Eckhard
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Beitrag #4 von pilwo » 19 Jul 2004 22:54


Hallo
Vorerst Danke für die Antworten
Aber mein Problem ist auch nicht der Junge. Ich weis schon das da ein vertrauliches Gespräch viel bewirken kann, denn das habe ich in meinen 47 Jahren schon oft geführt, bin fast ausschließlich auf Verständnis gestoßen und wurde eigentlich nie enttäuscht. Schließlich habe ich es ja auch bei meinen Kindern geschafft. Mein Problem bin vielmehr ich selbst. Eigentlich habe ich mein ganzes Leben hauptsächlich darunter gelitten, daß es nie einen Grund für mein Bettnässen gab, ich konnte nie eine Krankheit, eine schwere Kindheit oder sonst irgendetwas für mein Bettnässen verantwortlich machen, Ich hatte immer das Gefühl in diesem Punkt einfach in der Entwicklung stehen geblieben zu sein und etwas was normalerweise jedes Kleinkind fast von alleine lernt, beherrsche ich bis heute nicht. Leider ist es bei mir nicht so wie bei einem "normalen" Bettnässer das sich nasse und trockene Nächte abwechseln, viel mehr ist es so das ich eigentlich jede Nacht einnässe - wie ein kleines Kind eben. Ich glaubte eigentlich die Zeit, die ich mit meinen Kindern durchlebt hatte und in der ich täglich mein Unvermögen und mein "nicht Erwachsen sein"vor Augen hatte und die dann darin ihren Höhepunkt fand das ich schließlich als einziges "Wickelkind"in der Familie übrig blieb, überwunden zu haben. Heute weis ich zwar, daß ich vieles damals auch nur deshalb so schrecklich empfand weil ich noch jung war und es im Zusammenhang mit dem Bettnässen noch viel mehr Probleme gab als heute. Aber trotzdem bereitet mir der Gedanke die selben Szenen wie früher nochmals durchleben zu müssen schreckliches Unbehagen.
Letztendlich haben mir die doch etwas drastischen Worte von Eckhard geholfen die Situation wieder klarer zu sehen und wieder zu mir zu finden. Ich werde versuchen mich nicht von der Vergangenheit einholen zu lassen und trotz allem meinen Mann zu stehen, auch wenn es vermutlich schwer wird und der Urlaub wahrscheinlich weniger ein Urlaub als eine Bewährungsprobe für mich werden wird.

Danke
Pilwo
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Beitrag #5 von eckhard11 » 20 Jul 2004 00:05


Guten Abend, Pilwo,

damit wir uns richtig verstehen :

Ich wollte Dich keineswegs angreifen oder gar beleidigen, sondern nur kundtun, welchen Eindruck ich hinsichtlich Deines Beitrages hatte.

Du schreibst, Du hättest nie einen Grund für das Bettnässen gefunden und hättest das Gefühl, in dieser Hinsicht auf der Entwicklungsstufe eines Dreijährigen stehengeblieben zu sein.
Ich bin weder qualifiziert noch in einer anderen Hinsicht medizinisch gebildet, aber Eines ist mir klar : So etwas gibt es nicht !!!
Da Du sogar scheust, mit Deinem dreijährigen Neffen in Urlaub zu fahren, ( da dieser ja etwas bemerken könnte.... ), gehe ich davon aus, daß Du bisher den Gang zu einem Spezialisten ( Urologen, wenn der nichts findet, ggfls. einen Psychater ) ebenfalls gescheut hast.
Vielleicht bin ich im Unrecht, aber ich kann mir Deine Begründungen einfach nicht vorstellen.
Irgendetwas hat Deine Behinderung ausgelöst. Und das muß zu finden sein.
Du mußt Dich dem aber stellen und entsprechende Hilfe in Anspruch nehmen.
Und Du hast doch die besten Gründe dafür.
Wie alt bist Du ? 47 Jahre ! Dann werden deine Kinder in dem Alter sein, in dem sie Dich in absehbarer Zeit zum Großvater machen werden. Und dann ?? Wieder keinen Urlaub mit den Enkeln ? Willst Du nochmal 40 Jahre Deine Kraft vergeuden ?

Also hin zum Arzt. Einen besseren Rat ( wenn´s denn einer ist ) kann ich Dir nicht geben.

Ich leg mich wieder hin.
Eckhard .sleep:
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Beitrag #6 von Helmut » 20 Jul 2004 22:02


Hallo Pilwo,

in dem was Eckhard gesagt hat, muß ich ihm zustimmen. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß bei dir keine Ursache für dein Bettnässen nach so langer Zeit gefunden werden konnte. Du solltest dringend einen Spezialisten aufsuchen, denn heute gibt es wesendlich mehr Möglichlkeiten, die Ursache des Bettnässens zu finden.

Wenn du Nachts noch nie trocken warst und auch jede Nacht einnässt, dann liegt sehr warscheinlich eine körperliche bzw. pysische Ursache zugrunde. Das kann zum einen sein, daß bei dir das körpereigene Hormon Vasopressin, das den Wasserhaushalt im Körper steuert und so auf die Blasenfüllung wirkt, zuwenig produziert wird. Normalerweise wird dieses Hormon von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) in einem tageszeitlich abhängigen Rhythmus ausgeschieden, der dafür sorgt, dass nachts die Blase sich weniger füllt.

Weiterhin könnte es sich tatsächlich um eine Entwicklungsverzögerung handeln, die aber selten so lange anhält. Normalerweise sind Kinder mit verschiedenen Behinderungen wie Autismus davon betroffen und sehr selten auch Erwachsene. Ob es eine psychologische Ursache gibt, das kann nur ein Facharzt herausfinden.

Du solltest auf alle Fälle zum Arzt gehen und das abklären lassen. Denn selbst wenn du das Bettnässen nicht los wirst, fühlst du dich besser, wenn du die Ursache dafür kennst. Die Ungewissheit macht dir das Leben bestimmt nicht leichter.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Beitrag #7 von pilwo » 24 Jul 2004 01:13


Hallo
Ich habe ca. dreißig Jahre hindurch alles mögliche und unmögliche versucht von meinem Bettnässen loszukommen und unzählige Therapien, Untersuchungen und Behandlungen hinter mir. Außer Qualen, Leid und falscher Hoffnung hat das alles nichts gebracht. Am meisten hat es mich zermürbt das es bei jedem neuen Anlauf doch etwas daran zu ändern mit der selben Routine wieder von vorne begann. Die selben Untersuchungen, die selben Vermutungen, die selben Behandlungen und - oh welch Wunder- das selbe Ergebnis, nämlich kein Erfolg. Als einziger Ansatzpunkt für eine mögliche Ursache blieb mir der verdacht eines Arztes das bei mir eine Missbildung oder Störung der Nerven vorliegt die dafür verantwortlich sind das Nachts die Schließmuskeln dicht halten. Ich war nun schon über Zehn Jahre wegen meinem Bettnässen bei keinem Arzt mehr, in dieser Zeit ist zwar mein Bettnässen nicht besser geworden, aber ich bin viel ruhiger und ausgeglichener geworden, ohne der ständigen Hoffnung und Anstrengung etwas daran zu ändern. Nicht nur das man sich durch die Arztbesuche selbst unter Druck setzt erwarten ja dann auch die nächsten Angehörigen endlich ein Ergebnis von einem, besonders meine Frau. Jedes mal endeten die Versuche mit einer Enttäuschung für alle, und für mich mit dem Gefühl wieder einmal versagt zu haben. Jetzt wo ich aber wieder anfange darüber nachzudenken, glaube ich das ich es mir und meiner Familie schuldig bin es wieder einmal zu versuchen, vielleicht hat die Medizin in den letzten zehn Jahren doch neu Erkenntnisse gefunden. Ich weis zwar noch nicht wie ich den richtigen Arzt finde den die meisten wissen mit einem Erwachsenen Bettnässer nichts anzufangen und die die sich mit Bettnässen auskenne sind ausschließlich auf Kinder spezialisiert. Aber vielleicht bin ich da auch nicht auf dem letzten Stand - man wird sehen.
Ich habe aber gerade in der Zeit in der ich keine Arztbesuche gemacht hatte und ich mich eigentlich mit meinem Bettnässen abgefunden habe sehr viel Selbstsicherheit aufgebaut und mir ein normales Leben eingerichtet. Es war zwar meine Selbstsicherheit nicht immer echt sondern oft auch vorgetauscht aber auch das half mir mit peinlichen und unangenehmen Situationen besser fertig zu werden. Die auf mich zukommende Situation mit meinem Neffen hat mir aber gezeigt das mein Leben momentan wohl nur auf verdrängen und überspielen aufgebaut ist und mich mein Bettnässen im innersten doch mehr belastet als ich zugeben will.

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Beitrag #8 von mehlbox2001 » 25 Jul 2004 02:14


Hallo Pilwo,

das, was du in einer kleinen Bemerkung schreibst, hört sich zunächst mal für mich am plausibelsten an:

pilwo hat geschrieben:Als einziger Ansatzpunkt für eine mögliche Ursache blieb mir der Verdacht eines Arztes das bei mir eine Missbildung oder Störung der Nerven vorliegt die dafür verantwortlich sind das Nachts die Schließmuskeln dicht halten.


Mir fällt dazu ein flüchtiger Bekannter von vor über zehn Jahren ein, dem im Magender Nerv zum Hunger-Haben und Satt-Sein fehlt. Er muss sich halt ständig relativ kopfgesteuert ernähren, sonst hat er Probleme mit Unterzuckerung und klappt um. Wenn er brav seine 2000 Kalorien oder mal mehr isst, ist alles OK, nur bei guten Sachen muss er sich nach dem zweiten Teller bewusst bremsen. Äußerlich war Willi nie was anzusehen, außer, dass er nie Probleme mit Übergewicht hatte ;-)

Wenn du also sonst keine Probleme hast und die Ärzte nichts finden, kann sowas eine Ursache sein. Vielleicht weiß jemand hier, wie weit die Forschung auf dem Gebiet der Nervenfunktionen in dieser Hinsicht ist? Das Dumme ist ja, dass jemand, der nie Hunger hat, sowas arktikulieren kann (sobald man ihm erklärt, was Hunger ist), du merkst immer bloß die Folgen ...

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Beitrag #9 von Jonas » 17 Aug 2004 21:00


Hi!
Ich bin, wie man hier sieht auch 47, ich bin auch des Nächtens undicht, mit viereinhalb wieder geworden. Als das los ging, folgte eine Zeit, die mich bis heute verfolgt. Das Theater mit Eltern, Ärzten uns sogenannten Spezialisten. Wie Du sicher weißt, waren die diagnostischen Möglichkeiten damals noch begrenzt. Gefunden haben sie nix. Aber ich wurde ewig mit allen möglichen Flüssigkeitsentziehungen, den ersten(?) Klingelmonstern und weiß ich was alles gequält. Bei einem Krankenhausaufenthalt mit fünf, ich hatte mir bei einem Unfall das halbe "Ohrwaschl" abgerissen (ist wieder prima drangenäht worden), wurde ich dann das erste Mal wieder gewickelt. Gott sei Dank! Bett trocken, ich trocken. Weitere Untersuchungen habe ich zunächst verweigert. Später haben sie mich dann immer wieder, wenn was neues bekannt wurde, zu Spezialisten geschleift. Mal gabs das Medikament, mal die Therapie. Das Bieseln ist geblieben. Inzwischen weiß ich zwar, worans liegt, aber deswegen ist es noch lange nicht weg und wirds auch nie sein.

Du hast mir einiges voraus: Du hast eine Frau gefunden (habe ich auch, aber sie ist verunglückt), du hast Kinder (ich nicht) Du wirst wohl bald mal Enkel haben und du kannst mit Deiner Familie im Wohnmobil wegfahren. Ist doch cool.

Aber in einem Punkt glaube ich, bin ich weiter. Ich kann über mein Problem reden. So schlimm finde ich es nämlich gar nicht. Wenn ich da an andere denke... Nicht dass ich es allen auf die Nase binde. Aber manchmal ist es halt notwendig, sich zu erklären. Und ich hatte noch nie echte Probleme mit meinen Gesprächspartnern. Die meisten Menschen akzeptieren mich so, wie ich bin, und die wenigen anderen können von mir aus bleiben, wo der Pfeffer wächst. Dein Neffe wird mit Sicherheit das allergeringste Problem damit haben. wenn er selber noch Windeln anhat, dann könnt ihr doch buchstäblich ein Gespräch von Fachmann zu Fachmann führen. Das hatte ich mal und es war sehr amüsant und lustig.
Der Junge war schon fast vier und nervte seine ganze Verwandtschaft, weil er immer noch seine Windeln brauchte. Eines Abends hatte er mich gesehen, wie ich mich gerade wickelte und war sofort zur Mama geeilt, um sich zu beschweren, dass ich noch Windeln tragen dürfe und sie bei ihm so ein Theater machte. Klar, dass da ein klärendes Gespräch nötig wurde. Ist gar nicht so einfach , so einem kleinen Stopsel mit den richtigen Argumenten zu kommen. Leider kann ich den Dialog hier nicht wiedergeben, weil zu lange. Aber eins war mit spätestens da klar: ich muss mir um so ein Kind keine Gedanken machen. Nicht was meine Windeln betrifft. Höchsten, wie erkläre ich ihm, warum er seine los werden soll.
Wettkampf, wer trocken bleibt? Lass den Kleinen doch gewinnen!
Ich stelle mir vor, ich bin Du. Dann zeige ich mich gleich am ersten Abend in vollformatiger Schönheit mit meinen "Pampers", erkläre ihm, was Sache ist und schlafe danach gut.

Lass s Dir gut gehen und verbring eine schöne Reise
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Beitrag #10 von pilwo » 01 Sep 2004 21:16


Hallo

Also bei einem Fachgespräch mit einem vierjährigem über die Windeln die wir tragen, käme ich mir schön ziemlich blöd vor. Mir ist es schon peinlich im Sanitätsgeschäft über die Vor und Nachteile der einzelnen Windeln zu reden und ich komme mir wahrlich nicht wie ein erwachsener Mann vor wenn ich der Verkäuferin über meine Erfahrung mit den einzelnen Windeln berichte. Es läst sich aber nicht vermeiden wenn man bessere Produkte will. Aber mit einem kleinen Kind gegenseitig über seine Erfahrungen als Windelträger Fachzusimpeln – nein wirklich nicht.

Über mein Bettnässen reden kann ich schon, ich habe aber die Erfahrung gemacht das es den meisten peinlich ist mit mir darüber zu reden und daher werden solche Gespräche meist vermieden oder sind schnell zu Ende.
Das ich offen darüber reden kann war aber nicht immer so, früher versuchte ich es so lange als möglich zu verheimlichen und schränkte mich in vielem ein nur damit es nicht auffällt oder ich daraufhin angesprochen werde. Meistens kam es aber dann doch irgendwie auf das ich Nachts noch Windeln brauchte. Schon vor Jahren habe ich damit angefangen, wenn eine Situation bevor stand in der mein Leiden auffallen könnte, das ich den beteiligten einfach sagte wie es um mich stand. Meist genügte ein kurzer Hinweis das ich Bettnässer bin und nachts Windeln trage und die Sache war damit erledigt. Es gab selten Rückfragen oder Gespräche darüber (siehe oben).
Da es inzwischen eigentlich schon alle wissen mit denen ich näheren Kontakt habe kommt es nur mehr sehr selten vor das ich mein Leiden jemanden eingestehen muss. Seit dem ich Erwachsen bin habe ich auch noch nie eine schlechte Erfahrung mit meiner Offenheit gemacht und auch wenn ich so zusagen erwischt worden bin gab es keine negativen Reaktionen.

Mit meiner Umwelt habe ich also schon seit Jahren keine Probleme wegen meines Bettnässens. Die Probleme habe ich vielmehr mit mir selbst.
Während ich nach außen recht selbstsicher (glaube ich) mit meinem Problem umgehe und auch einen relativ offenen Umgang praktiziere, steckt tief in mir eine Menge Unsicherheit und Selbstzweifel. Immer wieder vergleiche ich mich mit einem kleinem Kind und habe das Gefühl das andere in mir keinen vollwertigen erwachsenen Mann sehen, weil ich nachts eben noch Windeln brauche. Das alles hatte sich nach einem Mega-peinlichen Erlebnis vor einigen Jahren noch massiv verstärkt.

Einerseits ist es gut wenn man nie von jemanden darauf angesprochen wird. Andererseits kommt man sich irgendwie komisch vor wenn das Leiden das man hat von allen totgeschwiegen wird und - wenn überhaupt- nur hinter vorgehaltener Hand darüber geredet wird.
Ich glaube uns allen würde es besser gehen wenn die Inkontinenz von der Öffentlichkeit als ganz normale Krankheit gesehen wird und nicht mehr jeder der Windeln braucht automatisch mit einem Baby oder Kleinkind gleichgestellt wird, sondern trotzdem als vollwertiger Erwachsener gilt.

Eine Bekannte von mir sitzt im Rollstuhl und sie erzählte mir einmal das es ihr eigentlich am wichtigsten wäre auf die Windeln verzichten zu können.!!!
Also lieber im Rollstuhl ohne Windel als laufen mit Windel – wenn das nicht schrecklich ist.

PS -inzwischen sehe ich den kommenden Urlaub schon viel gelassener.

Pilwo
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