Bettnässen und Öffentlichkeit

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Bettnässen und Öffentlichkeit

Beitrag #1 von pilwo » 05 Okt 2004 21:13


Hallo
Ich weis nicht wie es euch geht, aber dank der in den letzten Jahren stark verbesserten Inko-Produkte und der doch reichlichen Auswahl verspüre ich kaum noch ein körperliches unbehagen durch das tragen einer Windel. Ich merke kaum noch das ich eine Windel trage und selbst am morgen habe ich, so wie schon einmal die Werbung sagte, trotz nasser Windel einen trockenen Po und habe die ganze Nacht ruhig durchgeschlafen.

Wenn ich da an früher denke... schauderrr....

Also eigentlich gibt es für mich keinen Grund unbeschwert jede Nacht eine Windel zu tragen.
So gesehen ist mein Bettnässen kein Problem für mich, abends Windel um –schlafen - morgens Windel ab. Außer das es ein Wunsch von mir ist einmal ohne Verpackung zu schlafen(und in einem trockenen Bett aufwachen), einfach um auch das Gefühl zu kennen.

Wenn da nicht meine Umwelt wäre, die mir wegen der immer noch benötigten Windel jegliche Männlichkeit und das erwachsen sein abspricht und ich deswegen in vielen sofort mit einem Kleinkind gleichgestellt und nicht als vollwertiger erwachsener Mann gelte.

Meine Probleme habe ich also eigentlich nicht durch mein Bettnässen, sondern vielmehr durch meine lieben Mitmenschen und die Einstellung der Öffentlichkeit zu Erwachsenen die noch Windeln brauchen.

Oder wie seht ihr das ?

Pilwo
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Beitrag #2 von eckhard11 » 05 Okt 2004 22:31


Hallo pilwo,

Du schreibst nicht, ob Du auch tagsüber eine Windel brauchst oder mit einer Vorlage auskommst oder sogar gar keinen Schutz nötig hast.....

Nachts eine Windel oder ähnliches zu tragen, ist doch eh´ nur der Partnerin/Partner und sich selbst bekannt.
Da sollte es auf gar keinen Fall zu irgendwelchen psychischen Problemen kommen.

Tagsüber sehe ich das aber auch ganz locker. Ich kann nichts dafür. Punktum.

Wenn sich ein Motorradfreak beide Beine abreißt, heult die ganze Umwelt vor Mitleid auf : “Was für ein armer Junge. Jetzt muß er mit Holzbeinen.... Und das in so jungen Jahren.....“ usw.usw.

Gleiches gilt für “Arm ab” und Querschnittgelähmte oder andere.

Da sehen die Mitmenschen ganz einfach, welches Problem derjenige hat.

Bei uns sehen sie es nicht, sondern können es ggfls. mal riechen ( :D :D )

Und so ein richtiger deutscher Mann pinkelt mit starkem Strahl ins Becken und kackt ungewöhnlich große Haufen. Sonst isser kein richtiger Mann ( ?? ) Und ein richtiger Mann pinkelt doch auch nicht in die Hose.....

Doch nicht mit mir !
Ich bin nämlich nicht verblödet, nur weil ich ins Bett pinkle. Aber das scheinen die meisten zu glauben : Jemand, der sich in die Hose pinkelt, kann ja geistig nicht auf der Höhe sein.

Dem verschandelten Motorradfahrer wird dies nicht unterstellt, obwohl seine Behinderung ganz sicher schlimmer ist als unsere. Und wenn er unfallbedingt auch noch inkontinent wird, dann heißt es: “Na ja, so etwas kann passieren”
Nix von “Bettpisser” oder so..... Eben weil die Leute seine Behinderung s e h e n !!

Meine Freunde und Bekannten, meine Kunden und Lieferanten wissen über meine Behinderung, alle anderen sind mir so etwas von egal.

Ich habe auch keinerlei Probleme, mich mit völlig Fremden über meine Inko zu unterhalten.
Und glaube mir, pilwo :

Es ist erstaunlich, was bei derartigen Gesprächen manchmal zutage tritt.
Viele, sehr viele Gesprächspartner/innen haben Blasenschwäche und gehen nicht zum Arzt, weil sie Schiss haben. Teilweise pinkeln sie Blut und gehen trotzdem nicht.
Noch nicht einmal dazu können sie sich durchringen. Vor lauter Schiss....

Dagegen sind wir betroffenen “Windelträger” doch richtige, mutdurchdrungene Helden.

Genau so und nicht anders sehe ich meine Situation.

So, jetzt könnt ihr wieder auf mir herumhacken.

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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Beitrag #3 von mehlbox2001 » 06 Okt 2004 03:44


Hallo Pilwo,

ich muss sagen, dass ich mir da immer weniger draus mache, was Leute sagen oder denken könnten. Heutzutage kann man sich, wie du auch sagst, so prima selbst versorgen, dass niemand was sieht oder riecht. Das war früher wirklich mal anders. Und wenn du nur nachts Windeln trägst, sieht das ja eh kaum jemand. Und tagsüber sind die heutigen Hilfsmittel auch "unsichtbar" geworden.

Wenn dir da jemand Männlichkeit und Erwachsensein abspricht, dann frag ich mich, auf welchem Planeten solche Leute leben. Natürlich hat Echkard völlig Recht (wieso soll jemand auf dir rumhacken?), es gibt heute sehr viele Leute mit sehr viel schwereren Behinderungen, wo alle Verständnis haben ...

Nun ja, "einfaches Bettnässen" mag für die Umwelt ein bisschen schwerer zu verstehen sein, als wenn jemand zum Beispiel nach einer Unterleibs-OP inkontinent ist -- da gibt es schließlich einen genau definierbaren medizinischen Grund, der einfach verständlich dargestellt werden kann. Oder man kann durch ein "furchterregendes" Stichwort, das beim Zuhörer allein schon allerlei Ängste und Halbwissen anregt (zum Beispiel "Karzinom"), jegliche Argumentationen umgehen.

Ich persönlich hab keine Lust, Hinz und Kunz Erklärungen abzugeben, es sei denn, mein Gegenüber ist sehr offen. Und Eckhard hat auch recht damit, dass andere Leute, wenn man sie nur gut kennt, oft mit ihren persönlichen Geschichten rausrücken. Mir sind dabei zwar noch nie Menschen mit so schwerwiegenden Harnwegserkrankungen begegnet, aber allein in diesem Jahr zwei Männer um die 30, die schon langwierige (und erfolgreiche) Chemotherapien hinter sich hatten -- denen würde man's heute nicht ansehen.

Die meisten Menschen erzählen halt nicht gern und auf Anhieb von ihren gesundheitlichen Malaisen, und ich denk mal, man sollte sie auch nicht damit überfallen, wenn sie nicht darauf vorbereitet sind ... Wenn der Eckhard sogar seinen Geschäftspartnern was erzählt, ist das bestimmt auf die Frage "Ich hoffe, Sie sind nach der Klinik wieder OK?" (stimmt', Eckhard?), während bei dir wahrscheinlich das mit den nächlichen Windeln eher auf unvorbereitete Zuhörer treffen könnte ... Ist da vielleicht der Unterschied?

Viele Grüße aus Nürnberg
Andreas
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Beitrag #4 von eckhard11 » 06 Okt 2004 10:04


Hast Recht, Mehlbox,

meine Geschäftspartner waren natürlich darüber informiert, daß ich an Krebs erkrankt war und operiert werden mußte.
Schon aus Eigeninteresse heraus haben die sich erkundigt, da ich momentan der Einzige bin, welcher mein Federsystem berechnen und konstruieren kann...... ( So soll es auch - vorerst - bleiben )
Aber ich unterhalte mich nicht nur mit Partnern, sondern auch mit fremden Menschen, wenn ich beim Italiener einen Espresso trinke oder ähnlich ( was ich im Sommer jeden Tag nach getaner Arbeit tue )

Viel mehr Sorgen als meine Inko bereitet mir Dein Hinweis auf Google. :aerger: :aerger:
Ich bin dem nachgegangen.
Ich werde mich daher mit Beiträgen, welche persönliche Hinweise enthalten, ab sofort sehr, sehr zurückhalten.

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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Beitrag #5 von Heinrich » 06 Okt 2004 22:22


Hallo Pilwo,

auch ich trage wegen meiner Inko seit mehreren Jahren rund um die Uhr Windeln. Anfangs hatte ich damit ebenso enorme psychische Probleme und mein Selbstvertrauen, besonders in der Öffentlichkeit und im Beruf, war dadurch erheblich angeschlagen.

Heute dagegen gehört das ständige Tragen von Windeln mit allen Nebenerscheinungen (Anpassung der Kleidung, Windelwechsel, häufiges Waschen, raschelnde Windeln oder Gummihosen, Hautreizungen, usw., usw.) zu meinem ganz normalen Alltag. Ich bin leitender Angestellter und bin täglich mit vielen Menschen zusammen. Im Laufe der Zeit haben meine Familie und Freunde, meine Kolleginnen und Kollegen, meine Nachbarn und alle die mich in meinem Leben begleiten von meinem Problem erfahren. Noch nie bin ich als sog. Windelträger von meinen Mitmenschen "schräg angesehen" oder belächelt worden. Ebensowenig ist mir jemals meine "Männlichkeit" aberkannt worden.

Ich denke wir sollten über die Tatsache, Windeln tragen zu müssen, nicht zuviel grübeln. Vielmehr sollten wir dankbar sein, dass es für unser Problem heutzutage so hervorragende Hilfsmittelprodukte gibt, wie noch nie.

Heinrich
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Windeln tragen und Windeln wechseln

Beitrag #6 von denny16 » 12 Okt 2004 01:51


Hallo ihr lieben,

dass Problem ist bei mir nicht so sehr das Windeln tragen, sondern jedem erstmal erklären zu müssen, dass ich nicht zu blöd bin aufs Klo zu gehen und auch nicht falsch erzogen wurde und auch nicht meine Eltern keine Ahnung bei der Kindererziehung hatten. Ich hab halt ne Windel dran und damit basta. Nur wenn sie voll ist, muss sie auch mal wieder runter. Und da fangen bei mir die wirklichen Probleme an. Auch wenn ich schon einige Jahre Erfahrungen habe Windeln zu wechseln :lol: , ich brauche halt den richtigen Ort dazu. Und wenn man jedesmal mit einer Tasche aufs Klo geht(wenn man schon mal geht), dann kommen schon mal seltsame Fragen. Aber mit Windeln hatten die nie was zu tun. Eher mit Drogen, Make Up, etc.
Naja wenn ich mit dem Zug fahre geht es ja noch, aber in einem Reisebus auf so nem mini Klo ist dass wirklich grausam. Und wenn dass dann noch kaput ist und der Busfahrer nur an einem Parkplatz ohne Klo anhält (waren halt nur Jungs on Board). Ich habs aber überlebt. mein Sitz war dann halt ein bissle nass und die anderen waren der Meinung ich wäre zu blöd meine Wasserflasche fest zu halten. Aber so ne Windel hält nun mal nicht ewig.

Und ewig bleib ich jetzt auch nicht vorm PC, sonst bekomm ich wieder Ärger.

Also dann mal bis bald.
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