Bettnässen was kann ich tun

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Bettnässen was kann ich tun

Beitrag #1 von muki » 14 Okt 2004 13:11


Hallo, ich bin Stefanie, 35, Altenpflegerin und neu hier und möchte erst mal danke sagen, dass es das forum hier gibt.
Ich habe seit jahren Probleme mit der Blase, tagsüber. Muss sehr häufig Wasser lassen. Wenn nicht direkt Toilette zur Stelle. Na ja! Bei einer Untersuchung wurde ein Blasenfüllvolumen von ca. 150 ml festgestellt bei Harndrang bei 80 ml. Es wurde auch eine interstitielle Cystitis festgestellt, woran ich aber zweifele, da ich tagsüber auch Intervalle von 3-4 Stunden habe an denen ich nicht muss.
Zu allem Übel habe ich auch noch ein Lipödem incl. Wassereinlagerungen in den Beinen (Konfessionsgrösse oben 38 und Hose 44) werden mit Lymphdrainage und Kompressionsstrümpfen behandelt.
Durch diese beiden Faktoren musste ich Nachts immer so 8-10 mal raus, wenn ich mich mal Mittags hingelegt habe auch ein paar mal.
Irgendwann vor 2 1/2 Jahren fing es an dass mir das Wasser schon auf dem Weg zu Toilette einen Teil abging. Später wurde ich garnicht mehr wach trotz Diverser Wecker. Mein Mann versucht mich noch zu wecken aber teilweise auch ohne Erfolg. Meistens bin ich sowieso schon um 23.30 nass wenn ich um 22.30 ins Bett gehe. Ich trage jetzt Inkovorlagen, die ich auch verschieben bekomme. Ich weiß nur nicht ob das die enggültige Lösung ist. (Ach ja, ich habe eine Zeitlang Nocutil Nasenspray bekommen, habe dann auch nicht ins Bett gemacht,aber kann man nicht ewig nehmen und zweitens wurden meine Beine noch dicker, was sehr weh tut)

Habt ihr vielleicht ne Idee
Viele liebe Grüße Stefanie
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Beitrag #2 von Helmut » 14 Okt 2004 13:49


Hallo Stefanie,

nun so wie es aussieht, hat dein Arzt schon alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten nahezu ausgeschöpft. Da deine Blase nach den Messungen zu urteilen 150ml doch sehr klein ist, würde eine medikamentöse Behandlung mit Anticholinergika oder mit Botulinumtoxin A (Botox) keine wesentliche Verbesserung deiner Situation bringen. Einzig das Dranggefühl würde dadurch etwas gemindert werden, aber auf Hilfsmittel wie Einlagen und Windeln könntest du dabei nicht verzichten.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, bei Dranginkontinenz und instabiler Blase eine Linderung der Beschwerden zu verschaffen, ist die Ileozystoplastik oder auch Blasenaugmentation. Sie ist das häufigste angewandte operative Verfahren, hier ist ein ausreichender Harnröhrenverschlussdruck unabdingbar. Die Blase wird mit Dünndarm oder in Kombination mit Dickdarm erweitert, mögliche erhöhte Resturinmengen werden mittels eines Einmalkatheterismus beseitigt.

Du siehst also, daß du außer einer operativen Behandlung kaum eine andere Möglichkeit gibt, um dir zu helfen. Ich rate dir dazu, daß du diese oder auch andere operative Möglichkeiten mit deinem Urologen besprichst und er dich ausführlich über die Vor- und Nachteile der Methoden umfassend aufklärt.

Gruß Helmut
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Beitrag #3 von muki » 17 Okt 2004 13:06


Hallo Helmut,
vielen dank für deine Antwort, aber das mit der OP scheint mir doch recht krass. Ich habe mich mit dem Problem tagsüber soweit es geht arangiert. Nur was ich nicht verstehe ist das ich nachts halt einfach nicht mehr aufwache. Ich nehme an ich war eines Tages über die häufige Lauferei des Nachts so frustriert, dass ich den Drang einfach ignoriere. Wie gesagt nur ne Annahme.

Wie kann ich es schaffen wieder aufzuwachen? Das mit den Weckern oder von meinem Mann wecken lassen klappt einfach nicht.

Noch mal zu der Botox-Geschichte. Wäre ja vieleicht trotz des kleinen Blasenvolumens mal ein versuch, weil ich oft auch ein Krampfgefühl habe. Mein Arzt sprach mal davon, sagte aber das würde wohl nur von Privatkassen übernommen. Außerdem habe ich Angst, dass ich für die Wirkdauer komplett harninkontinent werde. Ist ja immerhin eine künstliche Lähmung.

Vieleicht weißt du darüber etwas? Oder jemand anders.

Vielen Dank und schöne Grüsse
Stefanie

PS: Ich bin froh dass ihr hier so offen redet und das es das Forum hier gibt. Ich dachte schon ich stehe allein auf weiter Flur.
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Beitrag #4 von Helmut » 17 Okt 2004 17:20


Hallo Stefanie,

sicher mag der Gedanke an eine derartige Operation für dich krass erscheinen, aber du solltest dich trotzdem mit dieser Möglichkeit befassen und dich auch von deinem Urologen in dieser Richtung beraten lassen.

Aber tagsüber alle halbe Stunde zur Toilette rennen, das ist auf Dauer auch keine Lösung und in deinem späteren Berufsleben nicht tragbar. Du könntest es zuerst mit einem Blasentraining versuchen, bei dem mit Hilfe von Anticholinergika wie zum Beispiel Oxybutynin, das die Aktivität des Blasenschließmuskels dämpft, und dem gezielten Toilettengang versuchen, das Blasenvolumen zu erhöhen. Dabei wird die Zeit bis zum nächsten Toilettengang immer weiter erhöht, bis ein Zeitraum von 2 bis 3 Stunden bis zum nächsten Toilettengang verstreichen kann. Da deine Blase aber recht klein ist, könnte das Toilettentraining vielleicht nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Daß du Nachts nichtmehr aufwachst, das kann unterschiedliche Gründe haben, aber warscheinlich ist die Reizschwelle soweit herabgesetzt, daß der Harndrang und die reflektorische Blasenentleerung sich zeitlich fast decken. Weckgeräte bringen in diesem Fall nichtsmehr, da hilft nur am Abend weniger trinken und entsprechende Hilfsmittel zu verwenden. Es macht auch keinen Sinn, daß du Nachts alle Stunde aufstehst und zur Toilette gehst. Dadurch bekommst du nicht den nötigen Schlaf und auf Dauer lässt deine Leistungsfähigkeit tagsüber deutlich nach.

Die Botoxbehandlung wird übrigens schon von den Krankenkassen bezahlt. Da dieses Verfahren inzwischen schon in der Inkontinenzbehandlung weit verbreitet ist und es auch gute Ergebnisse gibt, dürfte es da keine Probleme geben. Der einzige Nachteil ist halt der, daß du dann deine Blase dadurch regelmäßig mittels ISK (ntermittierender Selbstkatheterismus) entleeren mußt. Die Wirkung hält im Durchschnitt so etwa 6 bis 9 Monate an und muß dann wiederholt werden.

Gruß Helmut
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Beitrag #5 von frosch » 20 Okt 2004 20:36


Hallo Stefanie!

Meine Vorredner haben eigentlich schon alles sehr detailliert, besser als ich es wüßte, dargestellt. Aus eigener Erfahrung betrachte ich immer die psychische Seite etwas intensiver.
Es ist bestimmt sehr schwer in Deinem Alter mit Blasenproblemen fertig zu werden. Wie ausgeprägt sie auch sein mögen und für welche Hilfsmittel Du Dich entscheidest. Betrachte Dich selbst immer als achtenswerten Menschen. Ich glaube, so ist Deine Einstellung den alten pflegebedürftigen Menschen gegenüber ja auch. Meine Partnerin hat mir immer wieder viel Mut gemacht und nur deshalb kann ich heute damit umgehen und die Enttäuschungen - wenn es mal keine trockene Nacht war- ertragen. Ich war wohl etwas voreilig, als ich in mein Profil schrieb: überwundenes Bettnässen. Sie will wohl doch noch etwas bleiben - Die Windel in der Nacht!

Alles Gute, René
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