Tena - "Freundschaft ist"

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Tena - "Freundschaft ist"

Beitrag #1 von frosch » 31 Okt 2004 20:14


Hallo liebe Mitglieder!

Heute bin ich auf N24 auf eine neue Kampagne die da heißt: "Freundschaft ist" aufmerksam geworden. (www.freundschaftist.de)
Nein dabei handelt es sich nicht um eine neue Partnerbörse im Internet. Nein, es geht um Frauen, die unter Blasenschwäche leidend, sich über dieses intime Thema unterhalten. Ich bin kein Werbefachmann aber der Sinn scheint zu sein, die gut positionierte Marke Tena-Lady nun auch in sehr persönlichen Gesprächen unter besten Freundinnen zu empfehlen. So etwa: Ich möchte Dir da mal was erzählen. Bei mir tröpfelt es ab und zu etwas und schon ist mit der unter einem Zentimeter dünnen Damenbinde alles geregelt. Danke für das Gespräch!

Doch wie sieht es denn für andere aus? Kann man wirklich so einfach sagen, dass man stuhlinkontinent oder etwa starker Bettnässer ist? Ist da das Verständnis der besten Freundin immer noch da? Wenn eine Miniatur-Vorlage eben nicht mehr reicht, sondern der Betroffene Windelhosen tragen muss?

Da wird dann auch eine Lösung angeboten, leider aber nicht von der besten Freundin. Auf der Internetseite gelangt man bei schwerer Inkontinenz auf eine Seite mit der Abbildung nicht zweier lebenslustiger Frauen, sondern einer Oma. Vielleicht soll man ihr von dem eigenen Problem erzählen?

Ich würde mir wünschen, dass wir alle Freunde und – innen hätten, die das einfach so verstehen würden. Doch meine Erfahrungen waren anders. Ich habe den Spott und die Lachsalven wegen meines Bettnässens als Kind erlebt. Habe mich vor lauter Scham selbst entwertet, war so wütend auf mich, als meine Geschwister schon alle trocken waren, nur ich nicht und habe sehr unter dem psychischen Druck gelitten.

Hier in diesem tollen Forum haben wir die wirklich gute Gelegenheit uns auszutauschen, Verständnis zu entwickeln und die psychischen Wunden hilfreich zu beleuchten. Wenn wir uns selbst klar werden, wie wir am besten mit dem Problem fertigwerden können, dann ist es wahrer Fortschritt. Sowohl im Forum als auch im Chat möchte ich mich dieser Aufgabe weiter widmen und danke an dieser Stelle allen, die hier durch ihre Beiträge auch starke Inkontinenz wirklich immer weiter aus der Tabu-Zone holen. Auch dann, wenns eben nicht nur tröpfelt...
und ganz nebenbei, ich werde gleich schlafen und mich in meine Tena werfen, die ist allerdings etwas dicker...

Habt Euch wohl, Ihr Lieben, Euer René
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frosch
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brrrrrr.....

Beitrag #2 von papa0861 » 01 Nov 2004 23:49


hallo rene,

melde mich aus dem urlaub zurück.

ich hab mir die seite mal angeschaut. mein fazit: hoch lebe der svi. auf der seite geht es doch lediglich um produktwerbung. ne.... die hab ich schon vergessen.

viele grüße
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
©2007
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papa0861
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Typisch Werbung

Beitrag #3 von Schmetterling » 02 Nov 2004 15:37


Hey Rene,
leider habe ich die Sendung auf N24 nicht gesehen. Aber mir ging es als Kind genau so. Ich war immer Außenseiter und wurde gehänselt. Es war oft eine psychische Belastung für mich. Doch was mich jetzt wütend macht ist, dass es schon seit einigen Jahren einen Blasenschrittmacher gibt. Darüber wurde ich von keinem Urologen aufgeklärt. Immer nur Medikamente, Hilfsmittel usw. Aber über Alternativen wurde ich nie richtig informiert. Am besten man informiert sich selbst. Erst wenn ich die richtigen Informationen beisammen habe, konfrontiere ich meinen Arzt. Wenn er sich allerdings dagegen sträuben sollte suche ich mir einen anderen Urologen. Die Selbsthilfegruppe auf dieser Site haben mir echt wieder neuen Mut gegeben. Ich habe schon langsam resigniert und meine Inkontinenz einfach hingenommen. Es gibt mir jetzt wieder einen mächtigen Auftrieb. DANKE!!! :lach:
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Beitrag #4 von frosch » 02 Nov 2004 19:17


Hallo liebe Andrea!

Ich kann Deine Wut so gut verstehen. Inkontinenz wird zu oft nur als Problem von Alten gewertet und lange Zeit waren die Ärzte bei Inkontinenz oder Bettnässerei in unserem Alter überfordert. Wie Du schon sagtest, ein paar Medikamente, Windeln und dann gut.
Hoffentlich wirst Du wieder vollständig kontinent. Ich wünsche es Dir so. Aber wenn es nicht klappt, hoffe ich, dass Du hier Deinen Selbstwert stärken kannst und das Einnässen nicht mehr als Kathastrophe erleben musst. Aber klar, die Vergangenheit auch Spuren hinterlassen. Ich würde gerne mit Dir über die Scham und Erniedrigung sprechen, die wir immer wieder erlebt haben.
Ich setzte mich immer häufiger mit den Schwierigkeiten meiner Kinder-, Jugend und auch Erwachsenenzeit in Bezug auf das Bettnässen auseinander. Es hilft mir. Damals war ich so hilflos, heute spüre ich Kraft. Und all das wegen der vielen verständnisvollen Menschen hier.

Alles Gute, René
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Beitrag #5 von mehlbox2001 » 06 Nov 2004 05:49


Hallo zusammen,

ich find, wir sollten allen Mut zusammen nehmen, dass das Bild von der "Oma" langsam verblasst. Richtig, hier ist ein Ort, wo sich auch jüngere Leute austauschen können.

Ich für meinen Teil hab's endgültig satt, mich mit meiner leichten Muskelschwäche neurotisieren zu lassen. Wenn ich die Dinge les, die man Kindern und Jugendlichen antut, kommt mir manchmal der kalte Kaffee hoch! Zum Glück hat's bei mir bis Mitte 20 dichtgehalten, ich glaub, sonst hätte ich heute noch nicht den Optimismus, Lebensmut und meinen Job. Ich vergleiche mal grad, und bitte gleich die "medizinorientierten Gemüter" um Milde.

Mit Mitte zwanzig, als Student in Berlin, war alles im Leben halb so schlimm. Wenn da mal ein größeres Malheur am Tag passiert ist, hab ich einfach selbstbewusst etwas von dem Kaffee drüber geschüttet, den wir alle in den Seminaren vor uns stehen hatten. In Styroporbechern, pfuih! Und wenn nachts bei den damaligen Hilfsmitteln was daneben ging, hat das bei den starken filterlosen Zigaretten, die wir hatten, keiner gerochen, der mal zu Besuch kam. Als jemand, der gelernt hat, sich auszudrücken, hab ich vor den Ärzten nie gezittert, sondern sie gefordert -- mit dem Ergebnis einer Diagnose, die zumindest Sinn macht: Keine MS (puuh), aber eine bemerkbare Muskelschwäche. Als Referendar konnte ich nicht mehr so einfach Kaffee verschütten, außerdem war die Situation sehr anspannend, vor dreißig Jugendlichen zu stehen. Na, zum Glück haben die primitivsten Demara-Hosen der Epoche die Probleme erflogreich kaschiert.

Ich stell mir jetzt mal grade vor, das wär mir mit zwölf oder fünfzehn passiert: Das Ergebnis wäre eine endlose Ärzte-Odyssee gewesen. Von Klingelhosen über Medikamenten zu Psychopharmaka -- und alles nur, weil ich mich nicht hätte gut ausdrücken können. Und noch zu Hause Druck gekommen wäre. Womöglich hätte ich immer wieder das stimmungsmäßige Auf und Ab von "dieses Mittel hilft aber bestimmt" erlebt... Ich find die Vorstellung widerlich und unwürdig.

Heute sind wir alle klüger und wissen mehr. Und ich denk manchmal, hätte ich das Internet doch schon mit 25 gehabt -- dann wären mir manche schlimmen Gedanken erspart geblieben. Ein bisschen schockiert hat mich übrigens in den Teilnahmebedingungen von www.freundschaftist.de der Text "Teilnehmen kann jede Frau über 18 Jahre, ausgenommen Mitarbeiterinnen ..." -- ja ist das denn die Möglichkeit? Da muss wohl nachgearbeitet werden ... Auch die "Jungs" sind Tena-Kunden ...

Ich danke allen, die dieses emotionale Posting ertragen haben, gleichzeitig freue ich mich trotz aller schiefgegangener Frauen-PR von Tena, dank passender Hilfsmittel ein sogenanntes "normales Leben" hinbekommenn zu haben. Ich find, wir sollten Leute ermutigen, ihr Leben so zu leben, wie es ist, anstatt ihnen Jahrzehnte lang ein schlechtes Gewissen zu machen. Zum Glück (!) unterstützt uns dabei übrigens Tena in Konkurrenz zu den Pharma-Konzernen, und das aus eigenem wirtschaftlichen Interesse -- schließlich wollen die ihre Slips und Pants verkaufen anstatt Tabletten ...

Andreas
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Beitrag #6 von Tom » 06 Nov 2004 13:58


Hallo Andreas,
Ich bin mit Deinen Beobachtungen total einverstanden und kann an und fuer sich nicht viel beifuegen.
Ich befinde mich ja am anderen Ende des Lebenslaufes und die Inko. ist bei mir ja erst ca. 4 Jahre alt. Als dies bei mir begann, hatte ich auch die Trauma die Du da beschreibst, doch trinke ich sehr wenig Kaffee und rauche nicht und konnte somit meine "Unfaelle" nicht so gut verdecken. Die groesste Reaktion kam von meiem Familienarzt. Ich hatte das gefuehl, dass er meinte das sei nun das Ende der Welt fuer mich. Dazu kam, dass alle Medikamente die mir verschrieben wurden entweder nichts nuetzten oder ich eine heftige Reaktion darauf hatte. Bis ich mich entschlossen hatte dass dieses Problem mich nicht runter kriegen sollte hatte ich schlaflose Naechte und war sehr depressiv. Heute ist meine Inko. immer noch eine unangenehme Nebenerscheinung, aber sie belastet mich und meine Lebensweise nicht mehr.
Natuerlich ist da auch die Notwendigkeit, dass man lernt damit umzugehen und findet, welche Produkte einem am besten schuetzen.

Einen grossen Teil meiner Berufsarbeit war mit der Jungend verbunden. Dort begegnete ich andauernd junge Leute die Inko. waren. Damals war nicht viel vorhanden, womit man ihnen helfen konnte. Das Einzige das ich machen konnte, ist viel Verstaendnis zu zeigen und sie von ihrer Umgebung und anderen jungen Leuten zu schuetzen. So fanden sie in mir wenigstens Jemanden in dem sie Vertrauen haben konnten. Ich glaube auch Heute ist dies immer noch sehr wichtig. Junge Leute haben nicht die Kapazitaet diese Probleme auszuarbeiten und es ist deshalb wichtig dass die Eltern, Lehrer etc. viel Verstandnis und Geduld zeigen und ihnen nicht Loesungen aufzwingen die sie nicht selber ausarbeiten koennen.
Gruss, Tom
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