Das Schämen, die Angst, die Wut, das ständige Versagen

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Das Schämen, die Angst, die Wut, das ständige Versagen

Beitrag #1 von frosch » 25 Jan 2005 19:39


Hallo Ihr Lieben!

Ich möchte mal wieder ein neues Thema in die Runde werfen:
Es geht mir darum, welche Auswirkungen das Schämen, die Wut, die Angst, eben alle negativen Gefühle rund ums Bettnässen auf Eure seelische Entwicklung genommen hat.
Habt Ihr auch heute noch mit Zurückhaltung, sozialen Ängsten, Erröten oder eigener Abwertung zu tun?
Ich halte es für sinnvoll die Dinge an der Wurzel zu packen und bei mir haben viele Probleme erst Ihre Herkunft durch das Bettnässen erhalten.
Klingelhose, Tofranil, Wecken, Getränkestop, Bett selbst beziehen müssen, Windeln usw. Diese Tortour hat mich ganz schön mitgenommen. Und die Fallstricke sind zum Teil immer noch ausgelegt, das bemerke ich durch meine noch nicht entkrampfte Einstellung zum Bettnässen.

Liebe Grüße, René
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frosch
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Re: Das Schämen, die Angst, die Wut, das ständige Versagen

Beitrag #2 von papa0861 » 25 Jan 2005 23:28


frosch hat geschrieben:Es geht mir darum, welche Auswirkungen das Schämen, die Wut, die Angst, eben alle negativen Gefühle rund ums Bettnässen auf Eure seelische Entwicklung genommen hat.


hallo rené,

dazu kann ich kurz sagen, daß ich auf grund dieser belastungen derzeit nicht in der lage bin, meinem job nachzugehen. dank meiner psychaterin bin ich nicht bis zum abgrund gesunken. ich habe von ihr noch zwei wochen "gnadenfrist" bekommen. dann gehe ich in eine tagesklinik. die können mir dort bestimmt nicht die elende pullerei abnehmen, aber vielleicht lerne ich noch was dazu, um mein selbstbewustsein wieder aufzubauen.

viele grüße
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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papa0861
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Beitrag #3 von eckhard11 » 26 Jan 2005 09:34


Guten Morgen,

eigentlich kann ich von mir sagen, daß ich ein pragmatischer und in sich selbst ruhender Mensch bin.
Als ich vor Jahresfrist von meinem Blasenkrebs und der erforderlichen, schweren Operation erfuhr, war ich nur kurzzeitig wie betäubt, dann habe ich mir gesagt : Verdammter Krebs, Du kriegst mich nicht!

Man hatte mir in Vorgesprächen zwar mitgeteilt, daß möglicherweise meine Libido in Mitleidenschaft gezogen werden und ich wahrscheinlich keinen Sexualverkehr mehr haben könnte, aber dies hat mich - in meinem Alter auch verständlich - nicht sonderlich berührt.

Worauf man mich nicht vorbereitet hatte, war eben die Inkontinenz als Folge der radikalen Zystektomie.
Ich, nie krank gewesen, ( von Unfällen abgesehen ), ein Ausbund an Gesundheit, ein Bär von einem Mann und ein recht erfolgreicher Unternehmer, pinkelte mir plötzlich in die Hose und ins Bett.
Hier kam mir dann mein recht großes Selbstvertrauen und mein Wille zum Überleben zugute.
Das Beckenbodentraining und die Inko - Hilfsmittel haben mich wieder hochgebracht.
Heute, vierzehn Monate nach der Operation, stehe ich wieder mitten im Leben.
Tagsüber habe ich keine Probleme mehr mit der Inko, nur noch des Nachts
Ich sehe die Hilfsmittel nicht als Feinde, sondern als daß, was sie sind, nämlich als begleitende Unterstützungen.
Ich sehe auch meine Behinderung nicht als grundsätzliches Übel an, sondern als Folgeerscheinung einer Krankheit, auf welche ich keinen Einfluss habe und die ich niemals wieder loswerde.
Also habe ich mich weitestgehend mit der Inkontinenz arrangiert. Es geht ja nicht anders, wenn man "Mensch bleiben will"

Aber trotzdem, ( so wie heute morgen ) :

Wenn man die Bettdecke zurückschlägt und bemerkt, daß wieder einmal die Hilfsmittel nicht dicht waren....
wenn die Unterlage nass ist.....
wenn einem dann, während man auf der Bettkante sitzt, der Gestank des warmen Urines in die Nase steigt.....
wenn man weiss: Jetzt mußt Du ins Bad und Dich auspellen, die vollgesogenen Vorlagen runterziehen und entsorgen.....
wenn man die Urintropfen auf die Fliesen fallen und zerplatzen siehst, während man den Slip ausziehst....
und wenn man dann daran denkst, daß dies jetzt, solange man lebt, egal, wo man ist, jeden Morgen so sein wird.....
und wenn man sich fragt: Wie wird es sein, wenn Du mal wirklich alt und gebrechlich bist und Du auf fremde Hilfe angewiesen sein wirst.....
dann ist das schon eine Scheißaussicht.

Trotzdem darf man sich auf keinen Fall unterkriegen lassen.
Das Leben ist schön.


Ich leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
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Beitrag #4 von klaro (+16.05.2008) » 27 Jan 2005 20:00


hallo Frosch

mir gehts im Moment gar arg mit dem Zeug!
WErde hin und hergerissen von Frust und akzeptanz, von Resignaation über Hoffnung und wieder runter.

Ich sitze grad eben im Pyjama vor PC, Bettfertig und da hats grad geklingelt an Tür. Einer vom Vorstand wegen einem Vertrag!! Der hat mich grad so gesehen, so jemadnen hätte ich nicht erwartet!!
Jetzt bin ich nebst knallrot, feuerheisser Kopf. Denn, das war jetzt echt ein überfall für mich!!

Das hat mich jetzt frustriert, blossgestellt und beschämt!!

jetzt hasse ich grad alle und ales, wegen diesem Vorfall, das wirft mcih weider weit zurück!!

ach ja, was solls! aber das paasste nun grad zu deiner Frage

klaro :oops: :oops: :oops:
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Beitrag #5 von muki » 28 Jan 2005 12:36


hallo Rene,
ich finde auch die Bettnässerei wirkt sich psychisch bei mir aus und machmal werde ich ziemlich hart. Dazu möchte ich mal eine Begebenheit von meiner Arbeitsstelle berichten und wäre ganz dankbar für eine Stellungnahme, weil ich mich danach echt für mies und unproffessionel gehalten habe.
Eines morgens gehe ich zu einer 80 jährigen Bewohnerin, die ins Bett gemacht hatte. Sie war völlig aufgelöst und meinte das wäre ihr das ganze Leben noch nie passiert und fing fürchterlich an zu weinen. Ich wurde innerlich echt wüttend und dachte: "Wie kann man sich so anstellen, ich mache schon seit ein paar jahren jede nacht ins Bett und bin erst 35." Gesagt habe ich das natürlich nicht. Ich sagte nur, das sowas irgendwann halt mal passiert. Einen Tag später konnte ich auf sie eingehen. Aber an dem tag habe ich einfach nur meinen eigenen Frust gesehen.

Alles liebe auch an die anderen
Stefanie
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Beitrag #6 von frosch » 30 Jan 2005 17:05


Hallo Stefanie, genau das ist es doch!

Wir haben uns mit der Nässerei ständig so abgewertet, dass unsere psychische Toleranzschwelle niedriger angestezt ist bei diesem Thema!
Ich glaube die alte Dame war in dem Moment von einer ähnlichen Scham wie wir gepackt. Verübeln kann man es nicht. Wir haben ja ca. 35 Jahre Erfahrungsvorsprung!!!

Lieber Gruß, René
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frosch
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Die Seele spielt mit...

Beitrag #7 von Regenmacher » 02 Mär 2005 22:46


Mir geht es ähnlich wie Eckhard. Ich bin zwar noch nie gesund gewesen, habe aber gelernt, Krankheit nicht so wichtig zu nehmen. Ich lebe mein leben, wenn auch mit Einschränkungen, sehr glücklich.

Trotzdem kenne ich den Frust, könnte manchmal die Hilfsmittel in die Ecke schmeißen. Ich werde sauer, wenn ich wieder mal das Bett beziehen muß, hasse es, wenn die Inkontinenzhilfe schon bei geringen Mengen den Dienst quittiert. Ich hasse es, wenn ich mit nassen Hosen in der Öffentlichkeit stehe oder auf einem Stuhl mal wieder ein verräterischer nasser Fleck ist.

Gegen die Scham, die dann in mir aufsteigt, habe ich noch kein Mittel gefunden. Ich schäme mich nicht mehr der Windeln - kann auch in Unterwäsche ohne rot zu werden die Tür aufmachen. Aber das Gefühl, etwas in meinem Leben zu haben, was sich meiner Kontrolle entzieht, das bleibt. Und so fühle ich mich hin und wider schwach und zerbrechlich.

Gerade für Kinder finde ich es schlimm. Sie lernen, stark zu sein, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und werden dann doch immer wieder hinter andere Kinder gestellt. Dabei gibt es gute Hilfmittel, die werden aber von den Erwachsenen falsch bewertet. Eine Windel für mein Kind - lieber wacht es im total nassen Bett auf. Was die Kinder dort ertragen müssen, finde ich schlimm - ich kann mich selbst daran erinnern, wenn in meiner Kindheit die Blase mal ein Eigenleben hatte - ich hätte im Boden versinken können. Wenn mir damals jemand erklärt hätte, was ich heute weiß. dann wäre es bei weitem nicht so schlimm für mich gewesen.

Ich kann nur um mehr Aufklärung für Kinder bitten - die haben es doppelt schwer...

Marco
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Beitrag #8 von Sternschnuppe83 » 23 Apr 2005 21:32


Hallo Rene,

ich finde, dass mich das Bettnässen sehr geprägt hat. Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich - mal mehr, mal weniger - eingenässt. In schlimmen Phasen jede Nacht. Dann hatte ich eigentlich 3 Jahre "Trockenzeit", aber jetzt ist es wieder passiert. Auch ich habe alles durch, was es an Untersuchungen, Hilfsmitteln (Windeln, Klingelmatte, Nasenspray) und "Tipps" (ab 18 Uhr nichts mehr trinken, nachts wecken bzw. Wecker stellen) gibt und war sogar zur Kur. Immer wieder hatte ich neue Hoffnung geschöpft, wenn ich einen neuen Arzt bekommen habe. Besonders schlimm war die Erfahrung, dass mir (ich war da 15) eine Urologin zu Beginn der Behandlung versprochen hatte, mir zu helfen und dann nach einem halben Jahr aufgegeben hat. Damals war ich völlig verzweifelt. Es hieß wieder mal, es wären "psychische Ursachen" für mein Problem verantwortlich. Ich habe das immer so verstanden, dass ich daran schuld bin und es nur nicht schaffe, nicht stark genug bin. Ich hatte auch sehr oft das Gefühl, dass ich meinen Eltern eine Last bin und habe mich als Versager gefühlt. Jedesmal, wenn ich das Bett abziehen musste, habe ich mich so geschämt und habe sehr oft deswegen geweint. Bei Freunden übernachten, Klassenfahrten, Partys - alles war für mich unmöglich, weil ich so unsicher war und nachdem ich einmal zum Gespött der ganzen Party geworden bin, weil man in meinem Rucksack die Windel gefunden hat, habe ich mich völlig isoliert. An Partnerschaft war überhaupt nicht zu denken. Als ich dann die "Trockenphase" hatte, wurde ich viel selbstbewusster und dachte, ich hätte es endlich geschafft. Als es jetzt wieder losging, war ich am Boden zerstört. Wieder dieses Gefühl, versagt zu haben und ich dachte, dass mir mein Körper wieder gezeigt hat, dass er stärker ist als ich.

Ich wollte dir mit meiner Geschichte zeigen, dass das Einnässen meiner Meinung nach, sehr großen Einfluss auf das Selbstbewusstsein und die seelische Entwicklung hat. Ich glaube, dass ich selbstbewusster geworden wäre und mich heute auch eher akzeptieren könnte, wenn ich mich nicht durch das Einnässen ständig als Versager gefühlt hätte.

Liebe Grüße,

Sternschnuppe83
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Beitrag #9 von der Blinki » 24 Apr 2005 13:00


Wenn ich mir die Beiträge so durchlese, kann ich mich in allen Situationen wieder finden.

Egal ob körperliche Ursachen oder "psychische Ursachen, es ist doch immer wieder wichtig eine ganzheitliche Behandlung und Ursachenforschung der Symptomatik machen zu lassen.

Ich kann im Moment aus eigener Erfahrungen sprechen , denn ich bin im Moment in einen Sellischen Tief, und kann auf alles und allen nur schimpfen.
Aber der eigentliche Grund liegt doch bei mir, denn ich komme nicht mehr mit der Situation zurecht.
Es ist doch nicht einfach mit den Unannehmlichkeiten die die Inkontinenz mit sich bringt.
Ich in meinen Fall habe mich nun beschlossen einen Psychologen aufzusuchen, und mit den mal meine Situation und meine selische Verfassung mal zu durchleuchten, so das ich wieder "NORMAL" wie ein 37-jähriger Mann leben kann.

Marco
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Beitrag #10 von Matthias » 30 Apr 2005 02:35


Hallo,

mein erster Beitrag hier zu einem Thema, dass mich ein leben lang begleitet hat.

Angst, dass jemand es mirkriegt, Hänsleien in der Kindheit, peinliche Gespräche mir Ärzten, Psychologen, zu denen man mich als Kind geschleppt hat, Stress in Beziehungen, alles was jeder hier kennt!

Wenn das nicht Einfluss auf die Seele hat, was dann?

Gruß
Matthias
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