Tofranil, Trimipramin und co.

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Tofranil, Trimipramin und co.

Beitrag #1 von frosch » 01 Feb 2005 20:53


Hallo liebe User!

Heute wird es nun ernst. Ich habe meine Medis seit längerem so weit reduzieren dürfen, dass nun auch mein auf niedrigster Schwelle dosiertes Antidepressivum vollständig ausgeschlichen wird.
Trimipramin, bekannt unter dem Handelsnamen "Stangyl" wirkt auch gegen nächtliches Bettnässen. Es ist stoffverwandt mit dem damals häufig gegen Einnässen eingesesetzten "Tofranil".
Einerseits ist es ein ganz großer Schritt für mich, meine Depressionserkrankung soweit überwunden zu haben, dass ich überhaupt mit dem Arzt das Absetzen verwirklichen konnte, auf der anderen Seite ist damit zu rechnen, dass das nasse Windeln oder Laken wieder häufigere Begleiter werden könnten.
Mein Arzt meinte, ich sollte das Einnässen nicht zu hoch aufhängen und Hauptaugenmerk auf einen tiefen erholsamen Schlaf legen, eben auch auf die Gefahr hin, dass es wieder häufiger passiert.
Mein Einnässen hat eben gewiß neben der nachgewiesenen körperlichen auch eine psychische Komponente, doch sollte man der Psyche vielleicht auch einfach diese Art der Kompensation erlauben.

Wollt ich mal loswerden, Euer René
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tiefer schlaf

Beitrag #2 von papa0861 » 01 Feb 2005 23:48


hallo rene,

da wir ja (leider) seelenverwandt sind könnte ich dir folgende kombination empfehlen, die ich selbst zur zeit einnehme.
morgens gibt es eine zoloft, abends unmittelbar voe dem einschlafen eine mirtazapin.
du schläfst wie ein murmeltier. nachteil allerdings ist, daß du auch vom einnässen nichts mitbekommst. die zoloft bewirkt zudem eine abstellung des lustverhaltens. vorteil dabei ist aber, daß dich so schnell nichts aus dem gleichgeicht wirft.

liebe grüße
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #3 von frosch » 05 Feb 2005 11:06


Hallo lieber Jürgen!

Es freut mich, dass es Dir mit der Ergänzung medikamentöser Hilfe gut geht. Diese Erfahrung durfte ich auch machen.
Was den psychischen Teil des Einnässens angeht, möchte ich noch auf einen besonderen Umstand hinweisen. Es zeigt sich nämlich mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite ist die mit dem Einnässen verbundene Nestwärme zu nennen, auf der anderen Seite das Einnässen mit seiner behafteten Scham. Kein Wunder also, dass diese beiden Kontrahenten durch den Kampf einen psychisch belasten können.
Mir wird hier im Forum eigentlich noch viel zu wenig über psychische Einflüsse gesprochen. Vielleicht liegt es ja daran, dass das Öffentlichmachen von Inkontinenz zwar schon schwer fällt, aber die Kombination mit seelischen Schwächen fast ein Tabu darstellt.
Als Anregung: Kann nicht vielleicht sogar ein eigener Bereich für das Thema "Psyche" eingerichtet werden?

Die besten Grüße von René
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Beitrag #4 von eckhard11 » 05 Feb 2005 11:58


Mahlzeit, René,

ich kann Dich in Deinem Vorschlag hinsichtlich eines Bereiches "Psyche" nur unterstützen.

Ich selbst kann mir nämlich - zu meiner Schande ( oder zu meinem Glück ) - gar nicht vorstellen, daß jemand psychisch so sehr belastet ist, daß sie/er inkontinent wird oder daß jemand durch die Inkontinenz so sehr leidet, daß sie/er ein ernsthaftes psychisches oder psychologisches Problem bekommt.

Ich bin halt eine "Naturgewalt" und möchte verstehen lernen.

Foren - Admin, was hältst Du von René´s Anregung ?

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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Beitrag #5 von Helmut » 05 Feb 2005 14:12


Hallo Rene, Eckhard,

wir werden den Vorschlag mal prüfen und dann vielleicht ein eigenes Forum dafür einrichten. Wobei ich finde, daß das Thema Psyche auch zum Forum "Ängste, Sorgen und Nöte" passen würde. Aber trotzdem Danke für die Anregung.

Gruß Helmut :wink:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Beitrag #6 von Peter P. » 06 Feb 2005 13:53


Hallo,

auch ich bin jetzt bei einem Psychologen seit einem Monat in Behandlung. Ich habe jetzt meine alten Medis stufenweise abgesetzt und nehme jetzt ebenfalls Zoloft, allerdings 2 Tabletten und komme damit eigentlich ganz gut klar, wobei die Normoc doch schon stärker waren, ich aber auch wirklich teilweise nur noch ruhig gestellt war und sehr viel geschlafen habe. Mit den Zoloft nehme ich alles viel bewuster wahr als unter den alten Medis, fühle mich aber doch sehr unsicher. Ich hoffe, das diese Unsicherheit jetzt durch die zur Zeit ambulante Behandlung bei meinem Psychologen besser wird, aber er meint, wir sind da noch ganz am Anfang.
Er versucht mich wohl erst einmal dazu zu bringen, mich so zu akzeptieren, wie ich bin, mein Selbstvertrauen, das durch dei Ereignisse in den letzten Jahren total zusamengebrochen ist wieder aufzubauen. Da meine Angststörung sehr mit der Inko verbunden ist, ich habe einfach Sorge das Haus zu verlassen, und dass dann jemand etwas merkt von der Inko, sei es durch auslaufende Windeln, oder entecken überhaupt der Tatsache, das ich Inko bin und eine Windel trage, hoffe ich irgendwie auf Abhilfe.
Allerdings ist mein Fall für ihn auch etwas Neuland, obwohl er sich mit psychosomatischen Erkrankungen gut auskennt, hat er mit psychosomatischer Inko noch keine Erfahrungen.
Nun ja, er ist mir auf jeden Fall recht sympatisch und ich habe doch denn Eindruck, das er mir helfen will und um mich als Patient bemüht ist. Ausserdem habs ich doch große Angst aus meiner gewohnten Umgebung herausgerissen zu werden und in eine Klinik zu müssen und so möchte ich erst mal alles probieren um meinen Zustand zu bessern. Seine Therapie wird allerdings erst mal darauf hinzielen, das ich meine Inko akzeptiere, weil er der Meinung ist, die Inko selbst könnte man nicht behandeln, wenn sie wirklich psychosomatisch bedingt ist, würde sie verschwinden, wenn die Psyche wieder OK ist.

Ich hoffe er hat Recht.

Gruß Peter
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Beitrag #7 von frosch » 06 Feb 2005 18:25


Hallo Peter!

Es freut mich total, dass Du mit Deinen Ärzten und Psychologen in besten Händen bist. Bestimmt ist es sehr schwer die Inkontinenz am Anfang zu akzeptieren. Selbst bei mir mit fast durchgestandener psychischer Erkrankung macht mir das Nässen noch sehr zu schaffen. Wie ich in einigen Beiträgen schrieb, reibe ich mich zwischen Nachgeben und Verbieten auf.
Mir hat die Angsterkrankung allerdings durch die wechselnde Einstellung zu meinen Windeln eine deutliche Rückmeldung zu ihrer Krankheitsintensität gegeben.
Heute kann ich mich glücklich schätzen, nach Angst- und Depressionserkrankung, wieder ein normales Leben zu führen.

Alles Gute, all denen, die unter Ihrer psychischen Inkontinenz leiden.

Euer René
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Beitrag #8 von mehlbox2001 » 07 Feb 2005 04:49


Hallo Peter,

die Erfahrung sagt, dass Ärzte, die durch einen Patienten Neuland betreten, manchmal besser sind als die alten Hasen, die glauben, alles schonmal gesehen zu haben und gar nicht mehr zuhören.

Was die Prognose, dass die Inkontinenz verschwindet, wenn Psyche, Geist, Seele, Umgebung und der Rest der Welt mehr miteinander in Einklang sind -- da ist wohl zumindest teilweise was dran. Die Angst vor der eigenen Erkrankung macht nahezu jede Krankeit schlimmer, Stress in jeglicher übermäßiger Form verstärkt bei vielen Leuten die Symptome der Inkontinenz, und ich kenn's auch, dass ich im Urlaub weniger Probleme hab als im Alltag.

Schau, dass du dich im Alltag so gut wie möglich "einpackst", wenn du aus dem Haus gehst. Im Winter sieht unter dem Mantel sowieso niemand was. Das könntest du sogar zu einem gezielten "Anti-Angst-Training" ausbauen. Und wenn wirklich mal was daneben geht und jemand in der Straßenbahn oder im Supermarkt dumm kuckt: Sprich ihn oder sie ruhig an und sag, dass du eine Krankheit hast -- deswegen werden Windeln nämlich in Apotheken verkauft! Was hast du zu verlieren? Siehst du den- oder diejenige jemals wieder?

René, Recht hast du, wir betten unsere körperlichen Probleme immer irgendwie in die psychische Umgebung ein, so sind wir halt gemacht. Am besten, wir machen daraus das beste, was wir können. Scham ist sicher das schlimmste, was man haben kann, und bedenk vielleicht mal, wie unzureichend Inkontinenz-Hilfsmittel vor 20 Jahren waren.

Eckhard, du bist sicher hier vielen ein Vorbild, sehr offen mit deiner Inkontinenz im Alltag umzugehen, aber du hast auch gegenüber vielen hier einen entscheidenden "Vorteil": Du bist nach einer OP inkontinent geworden, von der deine Umgebung wusste, weil du in der Klinik und Reha und so warst -- warst also einfach eine Zeit "weg", Leute haben nach dir gefragt, und du hast eine plausible biologische Erklärung für deine Inkontinenz. Das mag auch der Grund sein, warum hier so wenige Post-OP-Leute mitdiskutieren, da gibt's eben ein klares Bild von dem, was ist und kommt. Viele andere haben eine lange Karriere mit vielen peinlichen Situationen, Ärztekarrieren, Fragen und Unsicherheiten hinter sich. Du hast dich nie für ein nasses Bett oder nasse Hosen schämen müssen, weil du weißt, wo's her kommt -- sei froh darüber! Du kennst das nicht, in der Schule geschnitten zu werden, weil da was riecht, oder wie ich damals als Referendar vor 30 Schülern in halbnassen Windeln zu stehen und die Stunde zuende zu bringen, ohne dass einer von denen was mitbekommt. Zum Glück bin ich heute auch sehr viel stabiler -- aber das Zutrauen kommt auch mit daher, dass wir heute bessere Hilfsmittel haben, auf die man sich verlassen kann.

Deswegen, Peter, verlass dich lieber auf gute Windeln, wenn du rausgehst -- und heutzutage sind die billigsten Sorten tausend Mal besser als in den frühen Neunzigerjahren, wo ich auch die blödesten Situationen vor Schülern überlebt hab. Das stabilisiert Psyche, Geist und Seele ungemein, und glaub mir eins: Bei gutem Schutz merkt keiner was, und ich hab demnächst wieder ein paar Tage mit vielen öffentlichen Auftritten vor mir ...

Viele Grüße
Andreas
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Beitrag #9 von eckhard11 » 07 Feb 2005 09:27


Morgen, Andreas,

es ehrt mich, wenn Du mich - ob meines Umganges mit meiner Inko - als eine Art Vorbild hinstellst.

Aber trotzdem : Ganz so einfach war und ist meine Situation nun auch wieder nicht.

Zwar rührt meine Harninko aus den postoperativen Folgen einer Krebsoperation und ist daher erklärbar und nachvollziehbar, aber dies ändert doch nichts an den psychischen und physischen Belastungen, denen ich danach plötzlich und unerwartet ausgesetzt wurde.
Mir wurde keinesfalls vor der OP in den Vorgesprächen mitgeteilt, daß ich mit einer Harninkontinenz rechnen müßte.
Ich war völlig unvorbereitet!

Ja glaubst Du etwa, ich, ( ein Bär von Mann, immer kerngesund, ein recht erfolgreicher Geschäftsmann und im Ort bekannt wie ein "bunter Hund", der sich plötzlich in die Hose pinkelt und nichts, aber auch gar nichts dagegen ausrichten konnte ), hätte mir die Inkontinenz einfach weggeputzt wie Rotz von der Backe ?

Nee, nee, die psychische Belastung war da schon vorhanden......

Aber ich bin Pragmatiker und habe schnell eingesehen, daß ich nichts dafür kann und daß ich meine Inko eh´ nicht mehr loswerde.
Also habe ich mich mit ihr arrangiert: Sie meldet sich nur noch des Nachts, ( Erfolg des Beckenbodentrainings, dessen Anhänger ich bin, wie Du weisst ), und ich gebe ihr dafür reichlich Gelegenheit, indem ich viel trinke und ihr eine feuchtwarme Geborgenheit biete :lol: :lol:

Viel unangenehmer als das nächtliche Pinkeln an sich ist der Schleim, welcher sich - in erheblichen Mengen - in meiner "neuen" Blase bildet und ebenfalls austritt. Da dieser nicht von der Vorlage aufgesaugt wird, habe ich ihn des Morgens am Unterleib kleben. Sehr unangenehm und erst einmal zu verdauen..... :oops: :oops:

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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Beitrag #10 von Peter P. » 07 Feb 2005 22:12


Danke euch allen, besonders auch an Rene und Andreas!

Ich freue mich immer über eure Aufmunterung, das hilft mir.

Gruß Peter
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