Enuresis nocturna bei 10-jährigem Mädchen

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Enuresis nocturna bei 10-jährigem Mädchen

Beitrag #1 von kruemelkater » 12 Jul 2005 19:44


Hallo zusammen,

eigentlich habe ich gerade im Netz bzgl. ADH gesurft und bin auf diese Seite gestossen. Aus aktuellem Anlaß (der schon viele Jahre so geht) habe ich beschlossen, mal hier zu posten. Vielleicht kann mir jemand ein paar Infos in meiner Situation (bzw. der meiner Tochter) geben.

Meine Tochter ist ein fröhliches, lebenslustiges Kind im Alter von 10 Jahren. Sie hat noch einer Schwester (13 Jahre, keine Bettnässerin) mit der sie sich gut versteht (von normalen Geschwisterquerelereien mal abgesehen). Mein Mann und ich führen eine liebevolle, harmonische Ehe und das schon seit 18 Jahren. So viel zur Vorabinfo.

Sie war nachts noch nie trocken. Ich habe sie selbst tagsüber trocken werden lassen. D.h., ich habe sie nie gezwungen. Sie hat es sich einfach bei ihrer großen Schwester abgeschaut. Kurz bevor sie 3 wurde, war sie tagsüber trocken. Nur nachts nie.
Unsere Kinderärztin sagte damals, ich solle ihr Zeit geben. Manche Kinder brauchen halt länger um trocken zu werden. Auch als sie 5 war sagte sie das noch. Da es genau mit meiner Meinung zusammenpaßte, war ich auch dementsprechend beruhigt. Ich wollte keine Panik machen. Wenn Kinder heutzutage nicht in ein bestimmtes Raster passen, werden sie schnell übertherapiert, obwohl sie sich vielleicht mit mehr Zeit normal entwickelt hätten. Ich wollte meiner Tochter die Zeit geben, die sie braucht.

Ich habe vergangenen Jahren alles Mögliche versucht: Homöopathie, Akupunktur, Kalender über vergangene führen, spezielle Märchen, die Kindern helfen sollen, Bett von einer Wasserader wegstellen, autogenes Training, viele Rituale und Gespräche mit meiner Tochter geführt, u.v.m., aber meist hat alles nur kurzzeitig geholfen. Es kamen und kommen immer ein paar trockene Nächte vor (das längste war mal 3 Wochen am Stück), aber nichts half dauerhaft.

Wir haben das Bettnässen nie tabuisiert. Im Kindergarten wussten alle Bescheid, ebenso in der Schule. Eltern ihrer Freunde und andere, wo sie mal nachts übernachtet. Wir haben es zwar nicht per Schild um den Hals überall bekannt gemacht, aber alle wichtigen Personen wurden in Kenntnis gesetzt und haben alle ausnahmslos (!) sehr verständnisvoll reagiert. Im Moment befindet sie sich auf einer Ferienfreizeit (zum 3. Mal), wo es auch kein Problem ist.

Tagsüber ist sie seit sie 3 ist IMMER trocken, nur halt nachts nicht. Aus diesem Grund hat die Kinderärztin auch eine organische Ursache ausgeschlossen.

Auch eine Ursache im psychischen Bereich zu finden ist sehr schwer. Mit der o.g. Beschreibung von uns wollte ich nicht auf den Busch klopfen, wie toll wir doch sind, sondern nur zu Bedenken geben, dass keine zerrüttete Familie, Alkohol oder sonst etwas die Ursache sein könnte.

Die Ursache könnte ich mir schon denken: ihr fehlt ADH.

Der Gedanke, sie medizinisch untersuchen zu lassen, widerstrebt mir zutriefst. Ich selbst habe mal eine urologische Untersuchung mitgemacht, die mir alles vergehen ließ. Außerdem wäre die Konsequenz, dass ich sie dann schulmedizinisch behandeln lassen müsste. Das würde heissen, dass sie ADH bekommen würde. Mal davon abgesehen, dass es keine Garantie gibt, dass sie hinterher dann nicht mehr einnässt, möchte ich das Kind nicht mit Hormonen vollpumpen. Es gibt noch keine Langzeitstudien darüber, was ADH, extern zugeführt, auf Dauer bewirkt. Ich selbst habe in meinem Leben NUR Probleme mit Hormonen gehabt und weiss, was sie im negativen Sinne bewirken können.

Was mache ich also? Sie vergräbt sich nicht bzgl. ihres Bettnässens, aber toll findet sie es auch nicht.

Vielleicht hat hier jemand entsprechende Erfahrungen gehabt und es wäre toll, wenn er/sie mir mitteilen würde. Vielen Dank!

Schönen Abend noch!
Kruemelkater
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Beitrag #2 von frosch » 13 Jul 2005 21:38


Hallo Krümel!

So seltsam es auch ersteinmal klingen mag. Deine Zeilen stimmen mich zunächst sehr froh, denn ich finde es ganz großartig wie alle Beteiligten sehr verantwortungsbewußt mit dem Thema umgehen.
Ich sehe Anzeichen, dass das Thema Bettnässen -wie in anderen Ländern zum Glück schon lange- immer mehr versachlicht wird. Besonders erwähnenswert finde ich das Verhalten von Kindergarten und Schule.
Ich hätte mir gerade in meiner Kindheit und Jugend ein unverkrampteren Umgang mit dem Thema gewünscht, aber sagen wir mal so: Die Zeiten waren halt anders.
Therapeutisch wurde mir alles (angetan), was damals so im Angebot war. Das reichte über Kalender führen, nachts duschen über Klingelhose bis zum Einsatz von Psychopharmaka (Tofranil). Leider ohne dauerhaften Erfolg. Die eine medizinische Fachrichtung schob den Grund immer zur anderen. Nieren, Blase, Psyche etc. !Hormone gab es noch nicht!
Vielleicht solltet ihr einfach noch etwas abwarten, die Spontanremission ist bei dieser "Krankheit" recht hoch und gerade bis zum Einsetzen der Pupertät kann noch viel in dieser Hinsicht passieren.
Ich glaube das Beste ist, das Ziel "Trockenes Bett" nicht aus den Augen zu verlieren, aber mit dem Einsatz pharmazeutischer Mittel sehr vorsichtig zu sein.
Beim Heilpraktiker könntet ihr mal den Einsatz von Bachblüten ausprobieren.
Manchmal bringt es auch was, Kinderzimmermöbel umzustellen und den Schlafplatz zu variieren.
Unter wikipedia.de (freie Enzyklopädie) gibt es auch einen interessanten Artikel zum Bettnässen.
Ich halte euch die Daumen und bitte behaltet euren Mut.
Das Problem wird bestimmt bald der Vergangenheit angehören- wie bei 98% all der Kinder, die betroffen waren.

Euer René!
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Beitrag #3 von kruemelkater » 14 Jul 2005 09:08


Hallo René,

vielen lieben Dank für Deine Worte.
Genau solche Worte sind es, die mich in den letzten Jahren mit dem Thema Bettnässen haben umgehen lassen. Die Kinderärztin meiner Tochter (leider jetzt im Ruhestand) hat ähnliche Worte benutzt.
Du schriebst, dass Dir therapeutisch alles angetan wurde. Genau das möchte ich meiner Tochter ersparen. Psychopharmaka sind absolut tabu für mich (glücklicherweise für meinen Mann auch) bzw. für meine Tochter.
Auf eine Spontanremission warte ich nun schon so lange. Ich werde zwar nicht ungeduldig, aber von Zeit zu Zeit merke ich, dass ich das Ziel "trockenes Bett" für meine Tochter schon ganz gerne hätte. Bitte verstehe mich nicht falsch! Mir ist es egal wieviel Bettzeug und Nachthemden ich waschen muss (besser gesagt die Waschmaschine :wink: ). Nur meiner Tochter geht es langsam auf den Keks.
Auch die Bachblüten haben wir schon ausprobiert. Auch hierbei war ein kurzer Erfolg zu verzeichnen, aber halt nur kurz - nicht dauerhaft. Alles, was die Naturheilkunde zu bieten hat, haben wir schon ausprobiert. Ich selbst befinde mich in der Ausbildung zur Heilpraktikerin (nur durch meine Tochter bin ich an dieses Thema herangeführt worden) und habe, wie gesagt, noch nichts unversucht gelassen. Auch das Thema Schlafplatz verändern haben wir hinter uns, welches auch nur kurzfristig half (wie bei allem), jedoch sie dort wesentlich besser schlafen läßt.
Meinen Mut werde ich, schon für mein Kind, behalten und die Hoffnung, dass die Pubertät das Bettnässen "von selbst erledigt" auch.

Du hast geschrieben, dass Du Dir früher einen solchen unverkrampften Umgang mit diesem Thema gewünscht hättest. Ich gehe also davon aus, dass bei Dir die gleiche Problematik war. Hast Du heute noch die Probleme oder ist es bei Dir in der Pubertät von selbst "verschwunden"? Falls Dir die Fragen zu persönlich sind, brauchst Du selbstverständlich nicht zu antworten!
Ich habe schon mit vielen Müttern gesprochen, deren Kinder auch Bettnässer sind. Es ist schon komisch: keiner erzählt von sich aus, dass sein Kind Bettnässer ist. Fange ich aber aus einer bestimmte Situation heruas davon an, erfahre ich, dass meine Tochter kein Paradiesvogel ist. Es sind immer Kinder dabei, die auch Bettnässer sind. Auf Anhieb fallen mir 7 weitere Kinder ein, von denen nur eins mittlerweile trocken ist.

Jedenfalls nochmals danke für Deine Worte! Hoffentlich antworten mir noch andere mit ihrer Sichtweise!

Viele Grüße
Heike
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Beitrag #4 von eckhard11 » 14 Jul 2005 10:52


Guten Morgen, Heike,

mit erheblichem Interesse habe ich die Beiträge von Dir und René gelesen.

Neugierig geworden, was ADH bedeutet, habe ich gerade versucht, mich schlauer zu machen.

Sehr kompliziert :
ADH
antidiuretisches Hormon
Das ADH, Adiuretin oder Vasopressin ist ein Peptidhormon, das im Hypothalamus gebildet und über die Hypophyse ausgeschüttet wird.

Das Hormon hat zwei Wirkungen. Zum einen bewirkt es einen vermehrten Einbau von Wasserporen in den Sammelrohren der Niere und damit eine erhöhte Wasserrückresorbtion Zum anderen ist es vasokonstriktorisch wirksam (gefäßverengend). Daher auch die beiden unterschiedlichen, historisch bedingten Benennungen.

Es scheint sich um ein Hormon zu handeln, welches sich entweder gegenseitig verstärkt oder gegenseitig in der Wirkung aufhebt.....

Noch merkwürdiger wird es beim Aufruf von Adiuretin ( Google ):
www.lexikon.freenet.de/Antidiuretisches_Hormon:

Pathophysiologie

Bei ADH - Mangel kommt es zu einem starken Wasserverlust, dem Diabetes insipidus centralis. Bei Mangel oder Mutation des V2-Rezeptors an der Niere enstehen die gleichen Symptome, jedoch spricht man dann vom Diapetes insipidus renalis. Beides kann zu einem unkontrolliertem Wasserverlust von bis zu 20 Litern pro Tag führen


Wie dem auch sei:

Aufgrund der Beschreibung ( sehr hoher Wasserverlust ) kann ich mir nicht vorstellen, dass bei Deiner Tochter dieser Hormonmangel vorhanden ist.
Es ist in den Beschreibungen zwar nicht erwähnt, ob dieser Wasserverlust tageszeitabhängig ist, aber wenn Deine Tochter tagsüber trocken ist und es nur des Nachts zu Urinverlusten kommt, wird ein Mangel an dem sog. Peptidhormon nicht die Ursache sein.
Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass dieser Hormonmangel nur des Nachts wirksam ist.......

Mir kommt es eher so vor, als wenn Deine Tochter Probleme mit dem inneren Schließmuskel hat.
Am Austritt der Harnröhre aus der Blase sind einige Muskelfasern spiralig angeordnet, sie bilden eine Schlinge und verschließen die Blase. Diese Muskelzüge am Blasenhals werden als innerer Schließmuskel bezeichnet und arbeiten automatisch (reflexgesteuert).

Im weiteren Verlauf tritt die Harnröhre durch die Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskulatur ist wie ein umgedrehter Regenschirm zwischen den Beckenknochen aufgespannt und trägt die Blase und andere Organe des unteren Bauchraums. Die Beckenbodenmuskulatur formt mit mehreren Muskelbündeln den äußeren Schließmuskel für die Blase, der bewusst kontrollierbar ist. Der innere Muskel am Blasenhals und der äußere Schließmuskel der Blase gewährleisten zusammen den Verschluss der Harnblase: Zum Wasserlassen müssen sie erschlaffen, dann kann der Urin ausfließen.

Für ein intaktes Funktionieren der Blase müssen nicht nur die Muskeln der Blase und des Verschlusssystems gesund sein. Auch ihre Nervenversorgung spielt eine wichtige Rolle, weil Nervenimpulse die Muskeltätigkeit steuern.

Inkontinenz kann durch eine mangelhafte Funktion des Schließmuskelsystems (passive Inkontinenz) oder durch eine Störung der Blasenmuskulatur (aktive Inkontinenz) verursacht sein. Störungen der Nervenversorgung ziehen aktive sowie passive und auch Mischformen der Harninkontinenz nach sich.

Quelle: www.pflegeheim.de/DE/Themen/article_33972

Vielleicht würde ein adäquates Beckenbodentraining helfen.....

Eventuell wäre es ratsam, einen Urologen hinsichtlich des Hormones ADH um Auskunft zu bitten.
Du kannst Deine Fragen aber auch an die Fachärzte in medicine-worldwide stellen :
www.onmeda.de/foren/index.html?s=l&fid=41

Diese Ärzte ( Dr. Dill und Dr. Hollberg ) haben natürlich ebenfalls viel mit Inkontinenz und deren Ursachen zu tun und können sicherlich einen kompetenten Rat erteilen.

Also, ich würde bei Medikamenten, welche direkt irgendwelche Nerven beeinflussen, ( seien es willkürliche oder reflexgesteuerte Muskeln, welche dann angesprochen werden ), immer etwas vorsichtig sein.


Ich leg mich jetzt wieder hin .sleep:
Eckhard
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Beitrag #5 von frosch » 14 Jul 2005 22:10


Hallo Heike (krümel)!

Die Fragen sind gewiß nicht zu persönlich. Eine Selbsthilfegruppe kann nur so gut sein wie die Offenheit seiner Mitglieder!
Bei mir ist das Einnässen bestimmt teilweise körperlich bedingt gewesen. Ich hatte Nieren- (Abgangsstenose) und Blasenoperationen (Harnleiter) vor der Pupertät. Meine Hoffnung war, dass es dadurch verschwinden würde. Tat es aber nicht. Dann hat meine Depressions- und Angsterkrankung das Nässen begünstigt. Ich habe bis vor noch kurzer Zeit immer wieder mal Probleme mit dem Einnässen gehabt. Jetzt geht es seit längerer Zeit jedoch gut.
Bestimmt hat mir die Psychotherapie auch gut geholfen. Aber wie gesagt, es sind ganz andere Voraussetzungen.
Ich bleibe dabei, ganz plötzlich wird Deine Tochter trocken sein und ich wünsche Euch dazu allen möglichen Erfolg.
Und nicht vergessen: Ich glaube es ist weniger das Bettnässen selbst als der oft falsche Umgang damit, der die Seele des Kindes angreift.

Lieber Gruß!

René
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Beitrag #6 von Helmut » 15 Jul 2005 21:29


Hallo Heike,

jetzt muß ich mich auch einmal kurz zu Wort melden. Du schreibst, daß deine Tochter Nachts noch nie trocken war und genau das deutet doch sehr auf eine körperliche Ursache hin. Es ist heute zum Beispiel auch bekannt, daß die Schlaftiefe und das Blasenvolumen eine entscheidente Rolle spielen können. So kann es bei deiner Tochter sein, daß auf Grund einer Entwicklungsstörung das Blasenvolumen im Verhältnis zu ihrem Alter zu gering ist und sie auch einen sehr tiefen Schlaf hat. Beide Faktoren zusammen können dazu führen, daß sie die volle Blase in der Nacht einfach nicht merkt und die Blase dann "überläuft".

Eine andere Ursache könnte eine Entwicklungsverzögerung sein, so daß die Wahrnehmung für die Blasenfüllung in der Nacht nicht oder nur unzureichend erkannt wird und das Gehirm nicht auf die volle Blase entsprechend reagiert. In diesem Fall erledigt sich das Problem mit hoher wahrscheinlichkeit von selber, so wie es Frosch auch gesagt hat.

Die Sache mit dem ADH Hormon, das direkt auf den Wasserhaushalt im Körper einwirkt und für eine absenkung der Urinproduktion in der Nacht sorgt, könnte auch eine der Ursachen sein, das lässt sich aber in wenigen Tagen durch einen einfachen Test ermitteln. Während ein paar Tagen wird dann am Abend das Hormon in einer relativ hohen Dosierung gegeben, so daß sicher ein gewisser Hormonspiegel im Blut nachweisbar ist. Wenn sie dann nicht in den folgenden Nächten darauf anspricht und trotzden einnässt, dann ist ein Hormonmangel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Ursache für das Einnässen.

Gruß Helmut :wink:
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Beitrag #7 von Winne » 23 Jul 2005 11:54


Hallo Krümel

Wenn ich das alles so lese verlief meine Bettnässer Karriere für die damalige Zeit ziemlich gut. Weitgehend wurde ich in Ruhe gelassen, ausser den immer wieder versuchten Klingeltherapien die zwar nichts nützten, aber auch nicht geschadet haben. Die Zeit (war mit 14 dann trocken) war für mich eigentlich nerviger als für meine Eltern. Im Nachhinein sehe ich alles anders. Offen wurde damit nicht umgegangen. Es wusste niemand und hat damals auch keiner erfahren. Ich hätte das auch gar nicht gewollt. Übernachtungen bei Bekannten/Verwandten waren mir immer ein Greul. Es war ein Tabuthema wenn ein Schulkind nachts noch einnässt. Schön das ihr damit offener umgehen könnt. Das ist mit Sicherheit eine Erleichterung für Eure Tochter.

Viele Grüsse

Winne
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Beitrag #8 von kruemelkater » 13 Sep 2005 08:56


An alle, die interessiert sind!

So, jetzt ist eine Weile seit meinem Posting vergangen und ich möchte kurz mitteilen, was sich in der Zwischenzeit so getan hat.

Nach langen Überlegen und auch wegen der Meinungen hier, habe ich einen Urologen für meine Tochter gesucht. Es war eine etwas schwierige Angelegenheit, da in unseren näheren Umgebung nur Urologen jenseits der 55 Jahre praktizieren. Aber ich bin durch Empfehlung auf einen Urologen gestoßen, der ungefähr so alt sein muß wie ich und selbst kleine Kinder hat.

Nach verschiedenen Untersuchungen (Urinprobe, Ultraschall, Harnflußmessung, Miktionsprotokoll, etc.) hat sich schon jetzt herausgestellt, dass eine Funktionsstörung bei ihr vorliegt. Sie kann die Blase nicht auf einmal (in einem Strahl) entleeren, sondern nur schwallweise. Außerdem entleert die Blase nicht komplett. Welche Ursache die Funktionsstörung hat, ist leider erst nach einer Blasenspiegelung und weiteren Untersuchungen möglich. Der Urologe meinte aber, dass solche Untersuchungen beim Erwachsenen so vorgenommen werden, bei Kindern aber unter Vollnarkose. Erst dann lasse sich eine klare Diagnose stellen.
Auf meine Frage, was es denn evtl. sein könnte bzw. wie therapiert werden könnte, meinte er, dass man nicht spekulieren sollte. Es gibt noch so viele Möglichkeiten und somit auch Therapien, dass man es so nicht beantworten könnte. Recht hat er, aber langsam möchte ich es schon wissen.

Na, mal schauen, was es noch so gibt...

Schönen Tag noch!
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Beitrag #9 von Helmut » 14 Sep 2005 12:25


Hallo Heike,

na, es war doch gut, dass ihr zum Urologen gegangen seid. Die Untersuchungen sind zwar nicht alle so angenehm, aber damit können die wahren Ursachen für das Bettnässen. Da sich nach den ersten Untersuchungen gezeigt hat, dass es sich um eine körperliche Ursache handelt, wäre sie von selbst nie trocken geworden und auch das ADH hätte nichts oder nur wenig gebracht.

Nach deiner Beschreibung zu urteilen, handelt es sich vielleicht um eine neurologische Störung im Ablauf der Blasenentleerung, sprich im Zusammenspiel zwischen Blase und Schließmuskel. Es könnte sich um eine Syringomyelie, eine Zyste im Rückenmark handeln, welche die Probleme verursachen. Diese Erkrankung ist sehr schwer zu diagnostizieren, da die Symptome eigentlich eine psychische Ursache vermuten lassen. Es kann aber auch eine andere Ursache für die Blasenentleerungsstörungen sein. Ich drücke euch für die weiteren Untersuchungen die Daumen dass alles glatt läuft und die Ursache sich leicht behandeln lässt.

Gruß Helmut :wink:
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Mal wieder was neues...

Beitrag #10 von kruemelkater » 26 Sep 2005 08:43


So, jetzt haben wir wieder einige Tage und Untersuchungen später und ich bin fix und foxi.

Meine Tochter hat in der letzten Woche die Blasenspiegelung bekommen.
Als ich mit ihr im Krankenhaus war, wurde mir mitgeteilt, dass sie zunächst Urin direkt von der Blase abgenommen bekommen muß. Sollte eine Infektion vorliegen, würde der Eingriff nicht vorgenommen werden. Dafür ist nur der Urin aus der Blase aussagekräftig.
Da ich meiner Tochter schon zu Beginn der urologischen Untersuchungen versprochen hatte, dass man ihr nicht wehtun wird, war ich zunächst dagegen. Der Arzt (sehr einfühlsam und nett) sprach mit meiner Tochter und sie stimmte zu. Auch bei der Entnahme waren Arzt und Schwester sehr einfühlsam und erklärten ihr jeden Schritt, den sie machten. Auch erkundigten sie sich immer nach ihrem Befinden.
Als der Arzt mir dann noch eröffnete, dass neben der Blasenspiegelung auch eine Ausscheidungsurographie und eine Miktionszysturethrographie gemacht werden müssten, war ich kurz davor aufzustehen und zu gehen. Genau DAS wollte ich meinem Kind nicht antun. Mir standen die Tränen in den Augen und ich mußte mich echt zusammenreissen. Einerseits sagte mir mein Verstand, dass diese Untersuchungen notwendig sind, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Andererseits wollte ich sie nicht in die Räder einer medizinischen Prozedur kommen lassen. Ich bin nicht gegen die Schulmedizin eingestellt, aber gegen manche Vorgehens- und Denkweisen habe ich einfach was.
Der Arzt hat sich sehr lange mit meiner Tochter und mir unterhalten (so etwas habe ich noch nie erlebt) und schließlich willigte meine Tochter ein. Hätte sie es nicht getan - ich hätte es nicht! Ihr wurde alles erklärt und sie hat selbst entschieden, was gemacht oder nicht gemacht wird.

Zwei Tage später war es dann so weit. Es wurde sehr viel unternommen, dass es so wenig schmerzhaft, wie möglich, für sie ist. Absolut alle in der Klinik (vom Pfleger über Schwestern, Ärzte und Anästhesisten) waren sehr nett und kümmerten sich klasse um sie. Sie erkundigten sich immer wieder nach ihrem Befinden. Kurz vor dem 1. Eingriff (Miktionszysturethrographie) bekam sie dann doch kalte Füße und fing an zu weinen. Alle trösteten sie und das ehrlich (es war nichts gezwungenes). Glücklicherweise konnte ich die ganze Zeit dabei sein. Mit einem Bleikittel "verschönt" stand ich daneben und erklärte meiner Tochter alles. Sei es die Röntgenbilder, die Geräte, Braunülen und Mandrine, etc. So war sie wenigstens abgelenkt. Nachdem sie die Miktionszysturethrographie überstanden hatte, war auch schon das schlimmste vorbei. Den Zugang hat sie zwar registriert, aber dank Emla-Salbe nicht sonderlich stark gemerkt. Die Ausscheidungsurographie war dann nicht mehr schlimm und zur Zys wurde sie dann narkotisiert.

Und was brachte das ganze? Nichts! Es ist organisch nichts festzustellen. Es wird jetzt nochmal eine Uroflowmetrie durchgeführt, um die Muskelkontraktionen bei der Miktion zu überprüfen. Das wurde zwar bereits 2x beim Urologen und 2x im Krankenhaus gemacht. Nachdem es beim Urologen gemacht wurde, hatte ich ja hier gepostet und von einer Funktionsstörung gesprochen. Im Krankenhaus war die Uroflowmetrie nicht aussagekräftig, da das Gerät nicht ganz o.k. war.
Beim Urologen musste sie sich über einen Trichter hocken. Allerdings nicht komplett in der Hocke, sondern im stehenden Zustand nur leicht hockend. Wenn ich so wasserlassen müsste, würde ich auch krampfen. Im Krankenhaus konnte sie sich bequem auf einen Stuhl setzen (worunter sich der Trichter befand) und es dort einfach laufen lassen. So hatte sie keine Verkrampfung. Aber, wie gesagt, das wird noch einmal wiederholt.

Und nun? Organisch ist alles in Ordnung und ich bin so weit wie vorher. Anfangs war ich etwas erleichtert über die Funktionsstörung. Nicht, dass das so toll war, sondern so hatte ich etwas greifbares. Jetzt denke ich einfach nur noch nach.

Ein Arzt deutete ein Medikamenteneinnahme an. Aber genau das möchte ich nicht. Ich möchte nicht einen kleinen Körper mit Medis vollstopfen "nur" damit sie nachts trocken bleibt.

Ich weiß im Moment einfach nicht weiter...
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