DAK und MOHAGE

In diesem Forum geht es um Lieferanten (Leistungserbringer) für saugende und ableitende Inkontinenzhilfsmittel von gesetzlichen Krankenkassen und den Problemen von Versicherten mit Krankenkasse und deren Leistungsbringern.

Moderatoren: Helmut, Benjamin, MSN, Marco N.

DAK und MOHAGE

Beitrag #1 von Scar » 27 Feb 2015 20:31


Hallo Forum

Ich wurde erst vor kurzem mit diesem Problem konfrontiert und dachte zuerst wir wären ein Einzelfall. Das Internet offenbart mir aber nun die Ausmaße. Ich bin fassungslos! Das sich Krankenkassen mal quer stellen kennt man ja, aber derart mafiöse Zustände habe ich nicht erwartet.

Es geht nicht um mich sondern um meine behinderte Frau, die seit einigen Jahren ebenfalls mit Inkontinenz geschlagen ist. Ich schreibe hier an ihrer Stelle, da sie psychisch zu sehr angeschlagen, und nicht in der Lage ist sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Bislang wurden wir von der DAK noch über die Fa. Hartmann ausreichend und gut versorgt. Bis auf die gesetzliche Zuzahlung sind keine Kosten weiter angefallen. Nun ist die Fa. MOHAGE aus Berlin für die Belieferung unserer Region zuständig. Und plötzlich fangen Probleme an, für deren Bewältigung man eigentlich keine Kraft hat. Die Masche ist hier im Forum anscheinend nichts neues. Ich kann diese abgebrühte Dreistigkeit, die mir plötzlich entgegen schlug immer noch nicht fassen.
(Ich möchte den Mitarbeitern der Firmen mit denen ich gesprochen habe nichts unterstellen. Der Fisch stinkt von Kopf her. Allerdings stehen sie als Ansprechpartner stellvertretend für ihre Firmen und deren Geschäftsgebaren.)

Uns wurden also drei Muster geschickt, um zu sehen welche für uns paßt. Zunächst dachten wir uns nichts dabei. Muster 1 ist zu klein und nicht ausreichen, Muster 3 viel zu groß, und eher für bettlägerige Menschen gedacht. Meine Frau ist aber noch ein wenig mobil, und muss das auch bleiben. Dafür muss sie regelmäßig zur Krankengymnastik, was mit einem solchen Brett in der Hose wesentlich weniger effizient wäre. Außerdem wäre beim Toilettengang immer eine zweite Person nötig. ... Man kann es sich denken, diese beiden Muster wären aufzahlungsfrei.
Muster 2 würde am ehesten passen, und auch mit den bisherigen Artikeln der Fa. Hartmann zu vergleichen. Hierfür wäre aber eine private Aufzahlung zu leisten. Ab da habe ich mich gefragt was das soll.

Die Nachfrage bei der Fa. MOHAGE nach einem aufzahlungsfreiem Alternativ-Artikel zum Muster 2 ergab, das sie keinen anbieten. Das wurde mir am Telefon klar gesagt. Zudem werden Produkte mit Eigenanteil erst verschickt, sobald die unterschriebene Auftragsbestätigung eingegangen ist. Da wir das noch nicht getan haben sitzen wir auf dem Trockenen, bzw. im Nassen.

Denn in dieser Auftragsbestätigung ist die zu unterzeichnende Klausel zu lesen:
"Ich wurde über die Möglichkeit einer Versorgung ohne Eigenanteil informiert." ... was schlicht und einfach nicht wahr ist.

Wenn, wurde ich höchstens über das Fehlen dieser Möglichkeit informiert. Denn alles andere war für unsere Situation schlicht unbrauchbar weil NICHT ANGEMESSEN, und sogar nachteilig. Ich muss damit rechnen das sich dadurch die Krankheitssituation meiner Frau noch verschlechtert.

Das scheint aber weder DAK noch MOHAGE groß zu jucken. Für die ist anscheinend einzig ausschlaggebend das mehrere Produkte zur Wahl standen, und wir uns dann für das Aufzahlungspflichtige entschieden hätten. Und mit der Unterschrift auf dem Auftrag sollen wir quasi bestätigt, das diese Wahl freiwillig gewesen wäre. ... Eine Wahl zwischen unzureichender Versorgung, mit allen "feucht-fröhlichen" Folgen; Einschränkungen in der Mobilität und Selbstständigkeit und allesamt in der Lebensqualität; oder nichts von dem, dafür mit Zuzahlung.
Mein Rechtsempfinden kriegt da Schnappatmung. Sie hätten uns ebenso die "Wahl" zwischen einer Versorgung und einem Päckchen Papiertaschentücher geben können.

Natürlich habe ich bereits die hiesige DAK Filiale besucht. Dort will man einem das aber ebenfalls als glasklare, gängige und absolut legitime Handhabe verkaufen. Keine Spur von Einsicht. Kein Verständnis für die Situation. Nur ein, in herzige Eiseskälte getauchtes "Es tut mir Leid, aber da kann ich nichts machen."

Ich bin hin und her gerissen was ich jetzt tun soll. Der Zorn läßt mich fast aus der Haut fahren. Aber aus Rücksicht auf meine Frau versuche ich mich zu beherrschen. Sie sieht so schon wie sehr mich das aufreibt. Was sind das für mafiöse Methoden? Ich erwäge zur Polizei zu gehen und Anzeige wegen Nötigung zu erstatten.

Es gibt die Belastungsgrenze für Zuzahlungen nicht ohne Grund. Sie soll, durch ihre Erkrankung benachteiligte Menschen, entlasten. Hier wird der Leidensdruck von Erkrankten schamlos ausgenutzt um an dieser Grenze vorbei zu kassieren. Nicht von dubiosen, zwielichtigen Schattenfirmen. Sondern von unseren gesetzlichen Kassen! Ein für Deutschland unwürdiger Zustand!

Ob dieses "Geschäftsmodell" bereits in anderen Sparten Schule gemacht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Für unmöglich halte ich es jedoch nicht. Sollte hier mal ein Journalist vorbei schauen, wäre er dumm, wenn er diesen Skandal nicht an die Öffentlichkeit bringt.

Danke fürs lesen.
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Re: DAK und MOHAGE

Beitrag #2 von Helmut » 28 Feb 2015 01:11


Hallo Scar,

erst mal herzlich willkommen bei uns hier im Forum. :sm13:

Das was du da beschreibst, ist die aktuelle Taktik der DAK in Bezug auf die Versorgung mit saugenden Inkoprodukten, da bist du wirklich kein Einzelfall. Dabei ist der Sparzwang in diesem Bereich ja nur Augenwischerei, denn eine wirkliche Einsparung bei den Kosten der Kassen besteht dabei nicht. Führt man sich vor Augen dass die Versorgung mit saugenden Inkoprodukten von den Gesamtausgaben bei den Kassen etwa bei 0,3% liegt, dann macht die Einsparung durch diese Pauschalen gerade einmal etwa 0,01% aus. Wieviel das dann in Millionen ausmacht, da müsste man sich die Geschäftsberichte 2011, 2012 und 2013 mal anschauen.

Auf alle Fälle hast du schon mal Richtig gehandelt und nicht unterschrieben. Wichtig ist dass du möglichst alles nur auf schriftlichen Wege machst auch wenn es länger dauert, denn dann hast du was in der Hand wenn es zum Rechtsstreit kommen sollte. Ich kenne jetzt zwar den genauen Vertragstext nicht auswendig, aber ich meine da steht irgendwo drinnen dass der Leistungsbringer mindestens ein Produkt in ausreichender Größe und Saugstärke ohne wirtschaftliche Aufzahlung dir anbieten muss, denn es bestht ja immer noch das sogenannte Sachleistungsprinzip bei den GKV's. Du hast übrigens auch das Recht in die Verträge Einsicht zu nehmen, das darf dir die Kasse nicht verweigern. Unsere Themenseite zum "Windelrezept" kennst ja bestimmt schon, da stehen dann auch noch weitere nützliche Informationen drinnen.


Scar hat geschrieben:Ob dieses "Geschäftsmodell" bereits in anderen Sparten Schule gemacht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Für unmöglich halte ich es jedoch nicht. Sollte hier mal ein Journalist vorbei schauen, wäre er dumm, wenn er diesen Skandal nicht an die Öffentlichkeit bringt.

Da sind wir schon dran, es wird gerade zusammen mit dem SWR eine Sendung vorbereitet. Wir brauchen aber noch weitere Betroffene die auch bereit wären, sich dazu öffentlich zu äußern, du könntest das doch auch machen.

viewtopic.php?f=51&t=3230

und hier

viewtopic.php?f=51&t=3245

Außerdem wollen wir noch den weiteren Weg gehen und auch den DAK Vorstand in Kenntnis zu setzen, sowie das Thema in der Politik stärker anzusprechen. Dazu müsstest du einen Brief an den DAK Vorstand und einen an den Abgeordneten deines Wahlkreises schreiben, da sind wir gerade dabei, eine Mustervorlage zu erstellen.

Ich denke dass wir mit dieser Aktion schon etwas Gehör finden, auch wenn es die DAK nicht so gerne sieht, auch andere Kassen würden das bestimmt als Signal sehen dass jetzt die Spirale nach unten wohl einen Punkt erreicht hat wo die Schmerzgrenze bei den Betroffenen deutlich erreicht ist.

In diesem Sinne hoffe ich auf eine positive Antwort von dir ob du mit machst.

Viele Grüße Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Re: DAK und MOHAGE

Beitrag #3 von Scar » 01 Mär 2015 03:33


Hallo Helmut. Danke für die Antwort.

Was da abläuft ist Unrecht. Natürlich muss das öffentlich gemacht werden, aber das kann nicht der einzige Weg sein. Ich glaube wir sind keine Leute fürs TV.
Ich bin immer noch am überlegen zur Polizei zu gehen. Hat das schon mal jemand gemacht? Der Vertragsbruch der hier m.E. begangen wird, ist vermutlich Zivilrecht. Aber Nötigung ist ein Straftatbestand. Denn wir fühlen uns genötigt! Und wenn das keine ist weiß ich auch nicht. Aber ich weiß nicht ob ich für sowas die Kraft aufbringen kann. Kraft die ich für meine Frau bräuchte. Ich weiß so schon nicht wie ich das schaffen soll.

Wir führen ein einfaches und durch die Krankheit zurückgezogenes Leben. Von einer "Normalität" wie sie andere Menschen für unverzichtbar halten, sind wir unerreichbar weit entfernt. Träume und Wünsche haben sich längst in Luft aufgelöst. Alles was wir möchten ist halbwegs menschenwürdig über die Runden kommen. Wir wollen nur was wir dafür brauchen und uns auch zusteht.

Das ist es was mich so erschüttert. Nicht nur unsertwegen. Die Mitglieder zahlen ihre Beiträge, und werden dann so hinterlistig, skrupel.- und respektlos über den Tisch gezogen. Bei einer Erkrankung die so leicht in die Depression und Isolation treiben kann. Die Menschen die dadurch noch psychisch erkranken werden meiner Meinung nach als Kollateralschaden billigend in Kauf genommen. Ich bin mir sicher der Vorstand weiß ganz genau was da los ist.
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Re: DAK und MOHAGE

Beitrag #4 von Oldie » 01 Mär 2015 10:00


Hallo Scar,

Du hast mit Deinen Ausführungen völlig "den Nagel auf den Kopf" getroffen. Über meinen - noch andauernden Ärger - mit der mir zugewiesenen Fa. HAUSCHILD habe ich schon in einem eigenen Thread hier berichtet. Dazu werde ich noch weiter berichten....

Und was die DAK betrifft, so ist das auch unglaublich. Ein sog. Hilfsmittelzentrum, wo sich am Tel. nur eine inkompetente Stimme meldet bis hin zu Mails, die nicht oder erst nach erneuten Mahnungen beantwortet werden - und dann auch nur mit BLA-BLA, indem auf konkrete Umstände nicht eingegangen wird.

Irgendwas muss sich in der oberen Etage o.ä. da geändert haben, man hat die Vorlagenversorgung gebietsweise an den billigsten Bieter abgegeben und lässt uns mit deren Unvermögen allein "im Regen" stehen.

Halt den Kopf hoch! Es muss sich was tun!!!

Gruß!
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Re: DAK und MOHAGE

Beitrag #5 von apjk » 10 Mär 2015 18:08


Hallo Scar,

auch wir sind betroffen. Kann deine Ausführungen nur bestätigen. Wir kommen aus Niedersachsen und für uns ist die Firma ADM aus Fulda neuer Vertragspartner der DAK. Eine Katastrophe. Man kann keine Mitarbeiter erreichen und die benötigten Windeln haben Sie auch nicht ohne Zuzahlung. Die DAK kümmert sich gar nicht. Ab April sind wir auch ohne Versorgung oder nur mit Zuzahlung mit über 40 Euro im Monat, bei einem Einkommen von 400 Euro Grundsicherung sind das ganze 10%. Eine Frechheit. Habe bereits einen Brief per Einschreiben an die DAK in Hamburg geschrieben und um ausreichende Versorgung mit den notwendigen Inkontinenzprodukten gebeten. Begründung und Attest und Rezept habe ich gleich mitgeschickt. Bis heute hat sich die DAK nicht gemeldet. Sollte sie sich in den nächsten 2 Wochen nicht melden und die Versorgung bis dahin nicht sicherstellen, werden wir einen Anwalt einschalten.
Solche Zustände habe ich in 23 Jahren in denen wir auf Hilfe angewiesen sind noch nicht erlebt.
Es muss sich unbedingt etwas tun. Werde weiter berichten wie es bei uns weitergeht.
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Re: DAK und MOHAGE

Beitrag #6 von Gulliam » 11 Mär 2015 12:32


Darf man mal fragen, was da so an Zuzahlung in Frage kommt. Ich bin bei der Actimonda, und werde beliefert von der Firma Attends,mit Attends 4, bin mit den Produkt zufrieden, bekomme 4 Vorlagen pro Tag und habe eine Zuzahlung von 2,85 Pro Sendung. Eine Sendung sind 210 Vorlagen.
Ich finde diese Zuzahlung in Ordnung, und würde dafür auch keinen Aufstand machen.

Ps: Nachsatz, habe zu früh geschrieben, 40 € ist ja schon hapig, da würde ich schon die Krankenkasse wechseln, wie gesagt, bei mir ist die Zuzahlung Peanuts, würde dir empfehlen, mal Muster von der Firma Attends schicken lassen, vielleicht übernimmt deine KK diese Firma eben auch zu mneinen Konditionen.
Viele Grüsse
Gulliam
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Re: DAK und MOHAGE

Beitrag #7 von Scar » 17 Mär 2015 05:37


Die 2,85€ hören sich nur nach der gesetzlichen Zuzahlung an. Die ist ja außerdem zu leisten.
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