Versorgung mit Inkontinenzmitteln, Inkontinente Patienten werden entmündigt, entwürdigt und erpresst

In diesem Forum geht es um Lieferanten (Leistungserbringer) für saugende und ableitende Inkontinenzhilfsmittel von gesetzlichen Krankenkassen und den Problemen von Versicherten mit Krankenkasse und deren Leistungsbringern.

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Versorgung mit Inkontinenzmitteln, Inkontinente Patienten werden entmündigt, entwürdigt und erpresst

Beitrag #1 von Argeo » 12 Feb 2018 20:34


Versorgung mit Inkontinenzmitteln,
Inkontinente Patienten werden entmündigt, entwürdigt und erpresst

Die Versorgung mit Inkontinenzmitteln, z.B. durch die DAK, ist ein einziges Desaster. Menschen, die auf Inkontinenzmittel (IKM) angewiesen sind, erhalten hochwertige, sachgerechte Produkte nur bei erheblicher Zuzahlung. Grund ist ein Geschäftsmodell von Krankenkassen und den von ihnen beauftragten Leistungserbringern, das man nur als sittenwidrig bezeichnen kann. Die Würde des Menschen bleibt dabei auf der Strecke.

Meine Erfahrungen mit dem Berliner Leistungserbringer M. der DAK haben mich als Nervenarzt und persönlich Betroffenen nach einer Operation veranlasst, die krankmachenden Auswirkungen des vertraglichen Geschäftsmodells der DAK mit dem Berliner Leistungserbringer zu recherchieren und seine vielfältigen Rechtswidrigkeiten zu analysieren. Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte in einem vierseitigen Artikel im Neurotransmitter 10-2017, dem offiziellen Organ der drei Berufsverbände, der Nervenärzte, der Psychiater und der Neurologen, auf den Seiten 12 bis 15 mit dem Titel

„Versorgung mit Inkontinenzmitteln,
Inkontinente Patienten werden entmündigt, entwürdigt und erpresst“

Dieser Artikel lässt sich kostenfrei einschließlich 40 Literaturstellen herunterladen unter

http://www.bvdn.de/home-bvdn/neurotrans ... er-10-2017

Nach langwieriger und zeitaufwendiger Durchsetzung meines Rechtsanspruchs unter Einschaltung des Bundesversicherungsamts (Friedrich-Ebert-Allee 38, 53113 Bonn) und des Patientenbeauftragten der Bundesregierung (11055 Berlin) erfolgte nach 1 Jahr und 2 MDK-Gutachten nach Aktenlage erstmals im Oktober 2017 eine adäquate Versorgung durch einen anderen Leistungserbringer der DAK in Fulda.

Während der Berliner Leistungserbringer seine monatliche Pauschale von der DAK in Höhe von ca. 14 Euro über eine erzwungene 2. Zuzahlung in die Gewinnzone auf Kosten von Betroffenen überführen will, verdient sich der neue Fuldaer Leistungserbringer mit einer Pauschale für die Versorgung mit der Produktnummer 15.25.30.5034 des Hilfsmittelverzeichnisses von monatlich brutto 66,06 Euro eine goldene Nase, wenn ein Betroffener nur 3 oder 4 Vorlagen pro Tag benötigt. Die DAK „beschenkt“ den Leistungserbringer ohne Gegenleistung im Individualfall bei täglich 3 IKM jährlich mit 273,42 Euro und bei täglich 4 IKM jährlich immer noch mit 126,98 Euro. Dieses von der DAK als Mischkalkulation verharmloste „Geschenk“ verletzt das gesetzlich vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsgebot und grenzt somit an eine Veruntreuung von Versicherungsbeiträgen! Erst ab 5 IKM pro Tag entspricht die jährliche Krankenkassenpauschale von 713,40 Euro der gelieferten Leistung von etwa 732,85 Euro, die bei einem freien Bezug in einer Apotheke zu zahlen wären (siehe Tabelle). Selbst in diesem Fall zahlt der Leistungserbringer nicht drauf, da in diesem Betrag bereits eine Gewinnspanne enthalten ist. Und Gewinnspannen beinhalten üblicherweise beim Kauf eines Produkts bereits eine Beratung von Kunden, so dass auch von daher eine Aufstockung von Krankenkassenpauschalen durch Krankenkassen nicht gerechtfertigt ist.

Bei diesem Geschäftsmodell mit dem Fuldaer Leistungserbringer wird ein Betroffener auch persönlich übervorteilt. Er wird auch in den Monaten zur gesetzlichen Zuzahlung herangezogen, in denen er keine IKM bezieht. Die gesetzliche Zuzahlung beträgt in 12 Monaten 79,32 Euro, egal ob er jährlich 6,52 Pakete a 168 IKM (3 IKM pro Tag) oder 8,69 Pakete (4 IKM pro Tag) bezieht. Der Bruttopreis für ein Paket beträgt in einer Apotheke 74,98 Euro. Beim Bezug über eine Apotheke wäre bei jeder Rezeptvorlage über ein Paket IKM nur die gesetzliche Zuzahlung von 10 % des Bruttopreises, also 7,50 Euro zu entrichten. Dies wäre bei täglich 3 IKM eine jährliche Zuzahlung von 48,89 Euro und bei 4 IKM von 65,16 Euro (siehe Tabelle). Diese gesetzlich zulässige, aber hinterlistige Aufstockung der gesetzlichen Zuzahlung auf 79,32 Euro zugunsten der Krankenkasse belastet Betroffene jährlich zusätzlich mit 30,43 Euro (bei 3 IKM täglich) bzw. 14,16 Euro (bei 4 IKM täglich).

Egal, von welcher Seite man diese Geschäftsmodelle betrachtet, viele Betroffene müssen sich als Gegner der Krankenkasse vorkommen. Neben regulären Beiträgen und Zusatzbeiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung müssen diese entweder noch eine versteckte erhöhte 1. Rezeptzuzahlung an die Krankenkasse leisten oder eine 2. Zuzahlung an den Leistungserbringer entrichten. Um diese erhöhten Zuzahlungen zu erzielen, werden gesetzwidrig wohnortferne Leistungserbringer eingesetzt, die den Zugang zu den Hilfsmitteln, insbesondere im Rahmen einer Erstversorgung, erschweren, also zu einem Zeitpunkt, an dem die Versorgung am dringendsten benötigt wird. In Verbindung mit einer miserablen Qualität von zuzahlungsfreien IKM und einer Vorenthaltung sämtlicher Rahmenbedingungen resultiert zwangsläufig ein Konflikt, der die Erkrankung im Regelfall verschlimmert.

Dies ist der Grund, dass sich eine gigantische Anzahl von Inkontinenten an Selbsthilfegruppen wenden. Über 14,5 Millionen Besucher allein auf der Webseite des Selbsthilfeverband-Inkontinenz seit dem Jahr 2002 liefern den Beweis einer katastrophalen medizinischen Versorgung von Inkontinenten, der in wesentlichem Umfang auf die desolate Versorgung mit IKM zurückgeführt werden muss. Und dieses Desaster hat wiederum seine Ursache in einer dem ursprünglichen Zweck des Krankenversicherungsgesetzes (SGB V) zuwiderlaufenden gesetzlichen Einführung eines Vertragsunwesens zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern, welches Inkontinenten den Zugang zu einer adäquaten Versorgung mit IKM schikanös erschwert statt erleichtert.

Sowohl das Bundesversicherungsamt als auch der Patientenbeauftragte verfügen über keine Instrumente, diese katastrophalen Versorgungsstrukturen weder im Individualfall, noch grundsätzlich abzustellen. Da hiervon die Mehrzahl aller Inkontinenten betroffen ist, schlage ich unter Berücksichtigung dieser aufgedeckten Missstände eine erneute Petition vor, da der Karren ohne eine gesetzliche Aufhebung des grundgesetzwidrigen entwürdigenden Vertragsunwesens nicht aus dem Sumpf gezogen werden kann. Der Gesetzgeber muss aufgeklärt werden, dass er bei Beibehaltung dieser Krankheit verschlimmernden und entwürdigenden Versorgung mit IKM den Boden der Sicherstellung einer menschenwürdigen Gesetzgebung verlässt.

Bei der Vertreterversammlung in Bad Blankenburg am 25. bis 26. Mai schlage ich vor, diese Thematik auf die Tagesordnung zu setzen.

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