Lieferanten und Zuzahlung

In diesem Forum geht es um Lieferanten (Leistungserbringer) für saugende und ableitende Inkontinenzhilfsmittel von gesetzlichen Krankenkassen und den Problemen von Versicherten mit Krankenkasse und deren Leistungsbringern.

Moderatoren: Helmut, Marco N., Benjamin

Lieferanten und Zuzahlung

Beitrag #1 von Kelly » 23 Jul 2020 16:53


Hallo Ihr Lieben,

die meisten von Euch werden mich noch nicht kennen, hatte mich nur kurz im Vorstellungschat bemerkbar gemacht! :halloall:

Noch einmal kurz zu mir bzw. uns: Ich heiße Kerstin (hier: Kelly), bin fast 56 Jahre alt und (bisher) NICHT von Inkontinenz betroffen! Mit 33 hatte ich einen schweren Schlaganfall (komplette Halbseitenlähmung als Folge)! Das Ding hat sich 5 Tage nach unserer Rückkehr von der Delphintherapie in Miami mit unserem behinderten Sohn nachts im Schlaf ereignet. Glücklicherweise habe ich überlebt!
Hier angemeldet habe ich mich wegen meines Sohnes Glenn Ole (fast 29) , Pflegegrad 5 und Windelträger. Man findet bei Glenn Ole nichts, was uns Aufschluss über seine Behinderung geben könnte, also ist er einfach eine Laune der Natur! Da wir ja alle von den Menschenaffen abstammen, sind wir noch gar nicht so weit von den Tieren entfernt. Auch da gibt es öfter nicht überlebensfähige Jungtiere.
Bei Glenn Ole ist die gesamte Motorik gestört, er hat nur durch engmaschige KG (Bobath Therapie), Ergo, SI etc. sitzen, robben, krabbeln und laufen gelernt. Auf den Füßen war er mit 5,5 Jahren!
Bis heute spricht Glenn Ole nicht!
Bisher hatte ich mir schon viele Tipps von dieser Plattform geholt- einen großen Dank an alle Beteiligten (insbesondere an Stefan)! Auf jeden Fall haben mich Eure Tipps und Vorlagen, z.B. bzgl. Rezeptausstellung, ein gutes Stück weiter gebracht! Auch wir haben über die Jahre mit diversen Schikanen der TK zu kämpfen gehabt!

Nun möchte ich meinerseits einen Tipp an alle Beteiligten hier bzgl. der Zuzahlungen geben!

Natürlich wurden auch wir dazu aufgefordert. Ich habe dies immer kategorisch abgelehnt mit der Begründung:

Aids Patienten erhalten so teure Medikamente, die mehrere tausend Euro im Monat kosten. Also habe ich die TK Mitarbeiter gefragt, ob dieser Personenkreis ebenfalls nur mit einer Grundausstattung von z.B. Medis für 10 Tage ausgestattet werden und den Rest selber beschaffen müssten???
Darauf folgte natürlich Schweigen seitens der TK Mitarbeiter!
Also, habe ich den Leuten dann vorgehalten, dass alle Versicherten dem Gleichbehandlungsgrundsatz unterliegen und für Ole keine weiteren Zuzahlungen anfallen dürfen!
Natürlich bezahlt Glenn Ole Ende eines Jahres seine 1% Zuzahlung und erhält dann seine Zuzahlungsbefreiung für das Folgejahr, aber darüberhinaus zahlt er nichts! Vielleicht wäre diese Vorgehensweise auch etwas für Euch!?!
Als Tageswindel erhält Glenn Ole die Super Seni Trio in Größe M und als Nachtwindel die Better Dry in Größe M! Lasst Euch nicht beschwatzen!
Außerdem kann ich den Leute immer vorhalten, dass Ole mit einem Nettoverdienst von €132.-- in der Behindetenwerkstatt nichts dazu bezahlen kann! Ihr müsst natürlich standfest bleiben und nicht 1 mm von Eurer Linie abweichen!


Ich hoffe, dass hier nun einige Leute wieder besser schlafen können! Ich kenne das natürlich auch! Aber gemeinsam sind wir stark!

Herzliche Grüße sendet Euch Kelly mit Glenn Ole
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Re: Lieferanten und Zuzahlung

Beitrag #2 von Kelly » 23 Jul 2020 20:22


Noch ein kurzer Nachtrag:

Glenn Ole wird mit insgesamt etwa 100 Windeln im Monat versorgt- wie gesagt - ohne Zuzahlung!

Das Pauschalensystem wurde vom Verband der Sanitätshäuser den Krankenkassen (GKV) angetragen. Die Pauschale basiert auf einer Mischkalkulation. So erhalten die Lieferanten auch die Pauschale, wenn sie einen Versicherten mit lediglich 5 Vorlagen im Monat versorgen müssen. Bei diesem System haben sie nur den Faktor Mensch (die Gier) "vergessen". So will sich jeder Lieferant lediglich die Rosinen herauspicken, die vielen Versicherten, die mit 100 Windeln pro Monat versorgt werden müssen, will keiner "haben"!
Und auf diese Art und Weise wurden die inkontinenten Versicherten zu Versicherten 2. Klasse degradiert! Dürfen sich als Bittsteller andienen, werden schikaniert, um sie los zu werden etc. Ihr kennt diese Spielchen auch alle!

Ich schreibe gerade ein Buch darüber, welche Auswirkungen der regide Sparkurs der Regierung im vergangenen Jahrzehnt auf die behinderten Menschen hatte.

Ich werde auch die Windelversorgung mit aufnehmen! Wer mag, kann mir dazu gerne seine Sicht der Dinge bzw. die wichtigsten Themen darlegen!

Deutschland wurde schon ein Stück weit kaputt gespart!

Ich freue mich auf Eure Beiträge,

herzliche Grüße Kelly
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Re: Lieferanten und Zuzahlung

Beitrag #3 von Helmut » 26 Jul 2020 12:11


Hallo Kelly,

erst mal herzlich willkommen bei uns hier im Forum. :sm13:

Es ist schön zu hören dass du dich bei deiner GKV durchsetzen konntest, Hartnäckigkeit zahlt sich meistens immer aus. Leider sind es aber noch viel zu wenige Patienten, welche ihre Rechte gegenüber ihrer GKV durchzusetzen versuchen, sie zahlen dann lieber drauf weil sie oft den Aufwand scheuen.

Es stimmt schon, dass es eine Mischkalkulation für den Leistungsbringer ist. Aber wenn die Pauschalen eine gewisse Untergrenze erreichen, dann geht das System nicht mehr auf und der Leistungsbringer zahlt immer drauf. Das wissen auch die GKV's und drücken trotzdem die Pauschalen immer weiter herunter. Es gab vor einigen Jahren sogar eine interne Studie des Bundesrechnungshofes zu den Pauschalen. Dabei kam heraus, dass je nach schwere der Inkontinenz eine Pauschal zwischen 32 und 51 Euro liegen sollte, damit der Patient gut Versorgt ist und auch der Leistungsbringer noch etwas daran verdient. Schaut man sich aber die Pauschalen einmal an, dann wird schnell klar, dass gerade bei den Niedrig-Pauschalen von gerade einmal etwas über 11 € eine brauchbare Versorgung nicht sichergestellt werden kann. Selbst bei einer leichten Inkontinenz würde hier der Leistungsbringer noch Draufzahlen und das geht immer zu Lasten der Versorgungsqualität.

Gerade bei der DAK, KKH, Barmer, einigen AOK's und der TK bekommen wir die meisten Rückmeldungen über Probleme mit der Hilfsmittelversorgung bei Inkontinenz, vor allem wenn die monatlichen Pauschalen sehr niedrig sind. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die GKV's und einige Leistungsbringer die gesetzlichen Vorgaben bewusst missachten und erst bei einer Beschwerde einlenken. Dabei kann es wohl nicht der Spardruck sein, welcher den Kassen von Seiten der Regierung auferlegt wird, da aufsaugende Inkontinenz-Hilfsmittel gerade einmal etwa 0,3-0,5% von den Gesamtausgaben der GKV's ausmachen und sich die Einsparungen hier im Promille-Bereich befinden, auch wenn sie die Kosten deutlich senken konnten wie sie in ihren Jahresberichten immer so schön darstellen. Würden die Kassen den gleichen Prozentsatz aber in anderen Bereichen wie der Verwaltung einsparen, dann könnte man von einer echten Kostensenkung sprechen.

Ich hoffe für dich dass es so bleibt und du weiterhin die nötigen Windeln von deiner TK bekommst.

Viele Grüße Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Re: Lieferanten und Zuzahlung

Beitrag #4 von Kelly » 26 Jul 2020 19:27


Lieber Helmut,

vielen Dank für Deine Ausführungen!

Man sollte sich auch daran erinnern, dass die gesetzlichen Kassen seit Jahren Überschüsse anhäufen, welche auf dem Rücken der Versicherten erwirtschaftet wurden!

Das ist schlimm! :zorn:

Dafür unternehmen einzelne KKs Lustreisen- muss man doch verstehen- sie arbeiten wirklich hart für ihre 15 Gehälter! :sm5:

Einen schönen Sonntag Abend...
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Kelly
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