Expertenstandart Förderung der Harnkontinenz

Pflegefall, was jetzt???
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Expertenstandart Förderung der Harnkontinenz

Beitrag #1 von femi » 04 Aug 2008 18:29


Hallo,
hat jemand Erfahrung mit amb. Pflegediensten oder Pflegeeinrichtungen?
Wird hier nach dem Expertenstandart gearbeitet?
Wie mir bekannt ist, haben viele Einrichtungen und amb. Dienste Probleme mit der Umsetzung. Jeder denkt an seinen Verdienst. Wenn Betroffene statt Pampers oder Vorlagen zu einem Blasen- und/oder Toilettentraining angeleitet werden, und wieder selbst die Toilette aufsuchen können, verdienen die amb. Dienste, und Einrichtungen weniger, wenn der MDK die Pflegestufe überprüft.
Aber jeder muß sich an die Expertenstandarts halten!! Tun die meisten aber nicht.

Liebe Grüße
Femi
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femi
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Beitrag #2 von Struppi » 05 Aug 2008 19:01


Hallo Femi,

ich kann Dir nur meine Erfahrung als "Betroffener" bzw. Kunde eines Pflegedienstes mitteilen.

Ich will auch nicht über meinen PD herziehen (habe ein gutes, fast freundschaftliches Verhältnis zu den meisten Mitarbeitern dort), aber es kann durchaus vorkommen, dass man mir Mitarbeiter schickt, die nicht mal über meine Grunderkrankung (Querschnittlähmung + chron. Schmerzsyndrom) informiert sind. Zumeist handelt es sich dabei um Aushilfen (sprich: Studenten, die auf 400,00-Euro-Basis arbeiten), die eine Urlaubs-/Krankheitsvertretung machen, aber auch examiniertes Personal hat z.T. keine Ahnung von ihrem "Arbeitsmaterial".

Klar sitzen dort die grundpflegerischen Dinge, aber es kann durchaus vorkommen, dass man mich fragt, was denn z.B. meine Irrigationspumpe für ein Ding sei, und wofür man selbiges Ding denn brauchen würde...( :shock: ).

Im Moment ist z.B. "Urlaubs-Saison", mindestens 1 x die Woche muss ich einem Mitarbeiter einfachste Handgriffe erklären und ihn quasi "einarbeiten", was eigentlich Aufgabe seiner "Firma" wäre bzw. er hätte sich im Vorfelde mal informieren und meine Akte lesen können (seeehr anstrengend und mühsam, gerade, wenn es mir nicht so gut geht...).

Und natürlich hast Du vollkommen Recht, wenn Du sagst, dass es für eine Einrichtung/Ambulanten Pflegedienst keine Veranlassung gibt, etwas an der Inkontinenz ihrer Kunden zu ändern, denn dann gibt es weniger zu tun und entsprechend kann weniger abgerechnet werden.

Wir brauchen uns nichts vorzumachen, je höher die Pflegestufe, desto besser der Verdienst - dabei macht es keinen Unterschied, ob hier ambulante Dienste oder Einrichtungen am Werk sind. - Und wer bitte soll denn kontrollieren, ob der hochgerühmte Expertenstandard umgesetzt wird oder nicht? In der Theorie der MDK aber praktisch sieht die Realität leider anders aus...

Hier krankt das System - denn schlechte Pflege wird belohnt, gute hingegen mit weniger Geld "abgestraft"...

Grüße

Struppi
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Beitrag #3 von Helmut » 10 Aug 2008 18:58


Hallo femi,

der Expertenstandart Harninkontinenz ist ja ganz toll gemacht, nur leider sehr einseitig. Hier wird zwar sehr schön auf viele Aspekte der Harninkontinenz und der Kontinenzförderung eingegangen, aber dabei wird die Stuhlinkontinenz völlig ignoriert. Daher ist der Expertenstandart in meinen Augen auch nur bedingt einsetzbar und sollte nur als Anhaltspunkt genommen werden. Übrigens muss sich keiner an den Expertenstandart halten, das sind nur Richtlinien zur Orientierung.

Wie Struppi schon sagte, ist die Pflege praktisch nur am Gewinn interessiert, die Belange der Betroffenen bleiben dabei oft auf der Strecke. Wenn der Pflegedienst für jemand die höchste Pflegestufe abrechnen kann, dann sind die bestimmt nicht daran interessiert, dass der Patient seine Inkontinenz wieder los wird, sondern dass der Stand der Pflegebedürftigkeit beibehalten wird. Klar ist es nicht überall so, aber in den meisten Fällen schon. Abhilfe schaft hier nur eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen in der Form, dass eine gute Pflege und die Mobilisierung der Patienten besser belohnt werden als die dauernde Pflege.

Gruß Helmut :wink:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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