Gesetzliche Pflegeversicherung keine Vollversicherung

Pflegefall, was jetzt???
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Gesetzliche Pflegeversicherung keine Vollversicherung

Beitrag #1 von Matti » 06 Mai 2003 18:59


Seit der Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung 1995 ist die Finanziele Grundsicherung bei Pflegebedürftigkeit zumindest teilweise gesichert. Allerdings sind die Leistungen der Pflegekasse in vielen Fällen bei weiten nicht ausreichend. Bei Täglich nur 2 Pflegeeinsätzen durch einen Pflegedienst sind die 921 € die man z.B in der Pflegestufe 2 bekommt schnell aufgebraucht. Gerade in jungen Jahren reichen die Rentenansprüche bei Erwerbsunfähigkeit bei weiten nicht aus um die weiter anfallenden Kosten der Pflege oder im schlimmsten Fall der Stationären Pflege zu tragen. Dann bleibt oft nur die ergänzende Sozialhilfe. Nur damit ist das erst mal so ein ding. Es werden erst einmal die Persönlichen Vermögensverhältnisse geprüft z.B Sparguthaben, Immobilen aber auch das Einkommen der Eltern oder des Ehepartners werden herangezogen um die Kosten zu decken. Alles in allem kann da schon mal das geerbte Haus der Eltern bei draufgehen und zwar ziemlich schnell.
Deshalb empfilt es sich gerade in jungen Jahren einen zusätzlichen Schutz im Falle von Pflegebedürftigkeit abzuschliessen und zwar gerade bei Pflegebedürftigkeit durch Krankheit. Viele Sichern sich ab in dem sie Unfallversicherungen abschliessen aber das ist nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten ein Pflegefall zu werden. Zumindest empfilt es sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschliessen.
Die Berufunfähigkeitsversicherung ist meiner meinung nach die wichtigste Versicherung überhaupt, den wenn man z.B wie ich mit 30 Jahren ein Pflegefall wird dann hat man nicht mehr viele Möglichkeiten ein Vermögen anzusparen geschweige den ein halbwegs "Normales "Leben zu führen wo man sich nicht 2 mal überlegen muss ob man ins Kino kann oder sich doch lieber das Eis verkneift.

Lieben Gruss
Matti
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Beitrag #2 von mehlbox2001 » 01 Jun 2003 04:30


Dem ist nur zuzustimmern, Matti,

allerdings mit der Einschränkung, dass Personenversicherer (private Kranken- und Lebensversicherer, letztere bieten die Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland an, erstere die private Pflege-Zusatz-Versicherung) stets einen großen Katalog an Gesundheitsfragen bereit halten. Einige Versicherer verlangen darüber hinaus ein ärztliches Zeugnis -- ab bestimmten Versicherungssummen alle. Außerdem können alle Personenversicherer untereinander Daten austauschen, darin willigt man mit jedem Abschluss einer privaten Versicherung im Kleingedruckten ein.

Unwahre Angaben gefährden den Versicherungsschutz, allerdings verjährt selbst das Verschweigen von Vorerkrankungen nach einer Frist von drei bis zehn Jahren (üblicherweise zehn Jahre für eine verschwiegene HIV-Infektion). Da bei den meisten Gesellschaften lediglich "auf dem Papier" geprüft wird, "riskieren" immer mehr berufstätige Menschen mit Vorerkrankungen, ein paar Jahre praktisch keinen Versicherungsschutz zu genießen, um überhaupt noch versichert zu sein.

Das geht allerdings nur dann unproblematisch, wenn man vorher aus keiner privaten (!) Kranken-, Unfall-oder Pflegeversicherung Leistungen erhalten hat, sonst ist es ja im Datenaustausch unter den privaten Versicherern aktenkundig. Von Sozialversicherungsträgern (also gesetzlichen Krankenkassen) erhalten die Versicherungen keine Auskünfte. Herb ist es, wenn man an eine Gesellschaft gerät, die routinemäßig bei allen über 25 Jahre ein ärztliches Attest anfordert. Auch ein nicht zuende geführter Antrag wird nämlich registriert und kann später bei anderen Gesellschaften zu Grübeleien führen.

Dummerweise ist dies ja ein Forum für Menschen mit "Vorerkrankungen". Leute, die erstmal kein Versicherer haben will. Manchmal gibt es trotzdem Möglichkeiten, ich hoffe, der technische Kram oben hat weitergeholfen. Weitere Tipps geb ich gern privat, Kontakt durch meine anonyme "Mehlbox", sieheProfil.

Andreas
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Beitrag #3 von Helmut » 01 Jun 2003 16:56


Hallo Andreas,

ich freue mich, daß wir auch jemand unter uns haben, der aus der Versicherungsbranche kommt. Es gibt bestimmt immer wieder Fragen dazu und da ist dein Rat dann sicher eine Hilfe für uns alle hier.

Gruß Helmut :idee:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Korrektur zum Beitrag...

Beitrag #4 von Regenmacher » 02 Jun 2003 14:22


Hallo,

also ich kann aus Erfahrung sagen, daß private Krankenversicherungen sich bei unklaren Verhältnissen auch schon mal an die gesetzliche Krankenversicherung wenden. Das Einverständnis dazu hat man im Antrag gegeben.

In meinem Fall war es so, daß die gesetzliche Krankenversicherung die Unterlagen zu mir geschickt hat. Interessant war, daß dabei einige "Krankschreibungen" aufgetaucht sind, die mir selbst garnicht mehr in Erinnerung waren. Und weil die Erkrankung mit Zahlencode verschlüsselt wird, kann man dann mal voll daneben liegen.

In meinem Fall führte das zur Kündigung der Krankenversicherung, weil diese meinte, ich hätte etwas verschwiegen. Es handelte sich dabei um eine Krankschreibung von einem Tag, die schon drei Jahre vor Versicherungsbeginn lag. Meiner Meinung nach hat die Krankenkasse wegen der hohen Kosten nur nach einem Grund gesucht und ihn dann auch gefunden.

Aus eigener Erfahrung sprechend kann ich nur raten, die Fragen so genau wie nur möglich zu beantworten, um späteren Regress vorzubeugen. Denn es kommt nicht nur die Kündigung, sondern die Krankenkasse will dann auch Geld für die Leistungen zurück, die sie hätte nicht erbringen müssen, wenn sie von der Vorerkrankung gewußt hätte.

Gruß Marco
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BLOSS NICHT

Beitrag #5 von mehlbox2001 » 03 Jun 2003 02:39


Richtig, von einer privaten Krankenvollversicherung (und auch einem Antrag dazu) kann ich nur allen Betroffenen abraten. BLOSS NICHT :!: Die braucht man nämlich fortlaufend, im Gegensatz zu zusätzlichen Berufsunfähigkeitsversicherungen oder anderen Zusatzversicherungen. Auch bei dir sagt es nun bei der Frage in Antragsformularen "Bestehen oder bestanden private Kranken-, Pflege- oder Lebensversicherungen oder wurden solche beantragt" Bingo!

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich könnte manchem "lieben Kollegen" zur Furie werden, die aus Naivität, Unwissen oder Betriebsnudeligkeit versuchen, jeden potentiellen Kunden zu versichern, ohne vorher ein bisschen genauer nachgefragt zu haben. Damit verbauen Sie dem Kunden jede Chance auf späteren anderweitigen Versicherungsschutz. Übrigens: Sogar die private Unfallversicherung kennt im traditionellen Verfahren Gesundheitsfragen (zur Minimierung von erhöhten Folgekosten bei Unfällen), aber in dem Bereich liegt der Tipp fast auf der Hand -- ich hab da ein günstiges Online-Angebot vom ADAC genutzt, wo es in einem "vereinfachten Antragsverfahren" keine Gesundheitsfragen gab 8)

Zum Unterschied der Systeme: In der Gesetzlichen Krankenversicherung gibt es keinerlei "Risikoauslese", wohl aber bei privaten Versicherungsunternehmen. Dort sind die Tarife für "normale Risiken" berechnet, denn die Unternehmen stehen ja zueinander im Wettbewerb und wollen / müssen günstige Tarife anbieten, um weiter Kunden zu bekommen und zu halten. Darum wird bei versicherungstechnisch "höheren Risiken" stets um Zuschläge und / oder Leistungsausschlüsse verhandelt, oder auch immer wieder ein Antrag abgelehnt. Hier geht es um den Kauf von Versicherungsschutz von einem Unternehmen, nicht um eine Sozialversicherung, die allen per Gesetz zusteht, unabhängig von der gesundheitlichen Verfassung.

Übrigens: Für Leute, die sich selbstständig machen, ist es dringend erforderlich, als "freiwillig Pflichtversicherter" nahtlos in der gesetzlichen Rentenversicherung zu bleiben, auch wenn das recht kostspielig ist. Denn die kennt -- im Gegensatz zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung -- keine Gesundheitsfragen, darum leistet sie in jedem Fall, wenn's sein muss, ohne dass man abwarten müsste, dass eine "verschwiegene Vorerkrankung" nach den Bedingungen der Gesellschaft verjährt ist ... Achtung! Auch die gesetzlichen Rentenversicherungsträger haben inzwischen kapiert, dass fast nur noch gesundheitlich beeinträchtigte Menschen diesen Weg wählen, und prüfen gnadenlos, ob die Versicherungs- und Beitragszeiten wirklich nahtlos ineinander übergehen :!:

Liebe Grüße
Andreas

... der sich manchmal fragt, warum er sich mit so'nem Zeugs jahrelang die Birne vollgepulvert hat :-)
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Noch ein Tipp zur gesetzlichen KV

Beitrag #6 von Regenmacher » 03 Jun 2003 11:53


Hallo liebes Forum,

die "kostspielige" gesetzliche Krankenversicherung hat seit dem 1. April des Jahres, es scheint tatsächlich wie ein Aprilscherz, eine Lücke, die der Gesetzgeber geschaffen hat. Das Zauberwort heißt Minijob.

Also, von 0 bis 400 Euro ist das wie früher, Brutto für Netto und sonst keine Leistungen. Aber interessant wird es ab 401 Euro bis 800 Euro. Dort greift der Versicherungsschutz zu niedrigen Pauschalsätzen. Das bedeutet, daß man sich bei einem Freund oder Bekannten einen 401 Euro Minijob holt (kann man ja im Austausch machen oder man zahlt eben die Überschüsse selbst) und damit ist man: BINGO: Krankenversichert und das für einen Tarif von weniger als 100 Euro incl. Sozialversicherung, Rentenversicherung etc. Das ganze Paket.

Reicht natürlich nicht, um davon zu leben, aber für den Anfang der Selbständigkeit ist das doch ein sehr preiswerter Weg, eine nette Krankenversicherung zu bekommen: Einziger Nachteil: Wer Krankengeld will, der muß sich weiter teuer versichern, aber welcher Selbständige kann schon mehr als 43 Tage wirklich krank sein?

Gruß Marco
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Beitrag #7 von mehlbox2001 » 06 Jun 2003 01:41


... würde sagen, das ist eine Frage des Gesundheitszustandes und der Risikobereitschaft des Einzelnen. Vor Unfällen ist ja niemand gefeit ... Und dann gibt es bei Selbstständigen jedes Jahr die spannende Frage, ob die Krankenkasse den jährlichen Steuerbescheid anfordert. Dann kommt's halt drauf an, was da drin steht ...
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