Bräuchte dringend Tipp(s) bei Übernachtung

Inkontinent.... und wie gehts weiter???
Hier könnt ihr über eure Ängste, Sorgen und Nöte reden.

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Bräuchte dringend Tipp(s) bei Übernachtung

Beitrag #1 von Ghobi » 11 Sep 2006 19:36


Hallo zusammen!

Nach einigem Stöbern, und mitlesen melde ich mich nun auch an, gefällt mir nämlich ganz gut hier.
Hätt da auch gleich 2 Fragen: :oops:

Mein Problem ist ein Treffen (das gesamte WE), an dem ich mich nicht blamieren will, wenn mir (vor den anderen die ich zum größtenteil nicht kenne) ein "Missgeschick" (Harn nicht halten können tags wie nachts ) passiert.
Habt ihr da Erfahrungen???
Soll ich einfach mehr Wäsche anziehen bzw. auch mitnehmen??Und heimlich wechseln.
So hab ich es bisher bei Besuchen auch gemacht. Bzw. hab zwar Binden/Einlagen probiert, bin aber nicht so so ganz überzeugt von, geht doch immer was daneben.
Hab leider keine Ahnung wie auf dieser Hütte die Möglichkeiten sind.

2.Frage: Bei Windeln bzw. ich hab eher diese Pants, was für Tricks, Möglichkeiten/Erfahrungen habt/ kennt ihr
dass man diese im Gemeinschaftsschlafsaal nicht sieht/ auffällt beim tragen --
Bzw.der Wechsel/Entsorgung unentdeckt bleibt?

Wäre um Tipp(s) wirklich dankbar!!
Denn seit diesen Problemen war ich nicht mehr wirklich länger zum übernachten weg,also mit Fremden in einem Raum.

Vielen Dank im Voraus, Grüße Ghobi
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Beitrag #2 von Matti » 12 Sep 2006 18:45


Hallo Ghobi,

aus deinem Profil ist ersichtlich, dass du 24 Jahre alt bist.

Ich nehme einmal an das du bei deiner geplanten auswärts Übernachtung von erwachsenen Menschen umgeben bist, die ihr Hirn auch mit in den Urlaub nehmen.

Warum verschwendest du soviel Zeit und Engergie dafür diese ganze Sache geheim zu halten? Gibt es etwas wofür du dich Schämen müsstest?

Inkontinenz in deinem Alter stellt eine Behinderung da! Und lacht man über Behinderungen? Wohl eher nicht!

Warum genießt du nicht einfach die Tage und stellst dein Hilfsmittel einmal nicht in den Vordergrund deines Denkens. Wechsel deine Hilfsmittel einfach auf der Toilette, und gut ist!

Sollte jemand etwas von deiner Behinderung mitbekommen, sag ihm doch einfach das du Inkontinent bist und deshalb Hilfsmittel verwendest. Besorg dir in der Apotheke eine Informationsbroschüre über Inkontinenz, geb sie im oder ihr ganz fresch und sag: "Hier hast du eine Information über meine Krankeit, im übrigen geht es 8 Millionen Menschen so wie mir!"
Was glaubst du was die Person macht? Die nächste Lokalredaktion anrufen und eine Pressemitteilung herausgeben? Mit dem Finger auf dich zeigen und laut schreien. "IHHHH".

Was ich mit diesen Worten sagen möchte: Dieser verdammte Teufelkreis aus Verheimlichen und im schlimmsten Falle Isolation und Rückzug ist gar nicht notwendig.

Das Hauptproblem vieler Betroffener ist die Tatsache das sich Betroffene als Windelträger fühlen und teilweise auch selbst beschreiben.
Würdest du dich als Gipsarmträger bezeichnen, wenn du dir den Arm brichst?
Die Krankheit bzw. das Symptom was es notwendig macht, dass du Hilfsmittel verwenden musst ist die Inkontinenz.

Schon fast obligatorisch die Frage: Warst du schon beim Arzt?

Gruß

Matti
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Beitrag #3 von Elissa » 18 Nov 2006 23:56


Hallo Ghobi,

Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich selbst bin erst 21 und habe mein ganzes Leben damit verbracht, zu verheimlichen, dass ich unter Inkontinenz leide.

Ich bin mit offenem Rücken geboren und daher schon seit meiner Geburt intontinent. Währrend ich in der Kindheit und Grundschulzeit überhaupt nicht darüber nachgedacht habe, war die Pubertät für mich nicht einfach. Ich wollte immer sein wie alle anderen und war auch felsenfest davon überzeugt, dass das geht. Und ich sag dir, es geht!! Ich trage Windeln seit ich denken kann, und ziehe dennoch enge Jeans an, ohne dass jemand etwas merkt. Ich geh feiern, tanze die Nächte durch, fahre auf Klassen- und Abifahrten, mit meinem Freund in den Urlaub...

Im Gegensatz zu vielen hier in diesem Forum hab ich noch nicht die Kraft gefunden, öffentlich zu zeigen, dass ich diese Krankheit habe. Obwohl ich sicher wäre, dass meine Freundinnen mich deswegen nicht verlassen würden, habe ich noch nicht die Kraft gehabt...Sicher spielt da Angst und Scham eine große Rolle... Etwas, von den man sich irgendwann befreien sollte.
Aber obwohl ich noch nicht die courage hatte, mich zur Krankheit zu bekennen, bin ich stolz auf mich und darauf, wie ich lebe und wer ich bin. Schließlich bin ich nicht DIE DIE WINDELN TRÄGT.... das ist bloß eine ganz kleine unwichtige Nebensache.

So habe ich im Laufe meines Lebens tausende von kleinen Mechanismen angeeignet, die mir helfen, so zu leben wie alle anderen. Ich habe zum Beispiel immer größere Taschen dabei, wenn ich weg bin. Windeln wechseln mache ich auf der Toilette ebenso wie das Katherisieren. Es ist alles Routine... Ich trage enge Jeans, weil sie die Windel an meinen Körper anpassen. Ich plane meine Tage so, dass ich immer eine Möglichkeit habe, in Ruhe die Dinge zu tun, die eben nötig sind. Verheimlichen und Verschweigen heißt also nicht unbedingt, dass man sich zurückzieht oder depressiv wird!

Letztens war auch ich mit meinen Kommilitoninnen im Urlaub. Ich hatte verschiedene Tütchen dabei mit je 1 Windel und 1 Katheter... es ist niemandem aufgefallen, wenn ich zur Toilette gegangen bin. Umgezogen habe ich mich auf dort. Es geht wirklich!

Was ich dir auf jeden Fall sagen möchte: Ich verstehe sehr gut, dass du es noch nicht vor deinen Kolleginnen (?) aussprechen möchtest, gerade wenn du das Problem noch nicht lange hast. Nur Mut, es ist auch als Mensch mit Inkontinenz möglich, so zu leben wie die anderen. Man darf das Problem einfach nicht überbewerten. Mit etwas Selbstdiszplin und Vertrauen zueindander kann man sogar wunderschönen Sex haben und einfach vergessen, dass ja etwas daneben gehen könnte.... also viel Spaß bei deinem Wochenende!

Glaub an dich

Liebe Grüße

Elissa
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Beitrag #4 von walker » 19 Nov 2006 19:28


Hallo Elissa,

mir gefällt Deine liebe Antwort auf Ghobi's Frage.

Grüsse Walker

PS: Auch ich hatte bisher kein Outing vor Freunden und Bekannten - mir geht es da wie Dir.
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Beitrag #5 von Ghobi » 19 Nov 2006 19:58


Ja!Vielen dank für deine Antwort Elissa!

Alles Gute, und Viele Grüße Sarah
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Beitrag #6 von mehlbox2001 » 20 Nov 2006 05:03


Hallo Ghobi,

Matti hat schon Recht, niemand wir auf dich mit dem Finger zeigen ... Ein bisschen mehr Offenheit kann helfen ...

Aber wenn du über Diskretion nachdenkst: Kleidung kann helfen. Für Hotels, wo das Bad nicht im Zimmer ist, besitze ich zum Beispiel eines dieser gegen Ende der 90er Jahre modisch gewesenen Herren-Nachthemden von Schiesser, um über den Flur zu wardern ... Eigentlich nichts weiter als ein "längeres geringeltes T-Shirt" ... Sieht schon schief aus, wo's heutzutage nicht mehr in den Quelle-Katalogen ist ... Das hat zwar auch schon Anlass zur Heiterkeit gegeben, aber mit DER kann ich bei fremden Leuten nun wirklich leben ...

Andreas
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Beitrag #7 von Ghobi » 21 Nov 2006 11:02


Hallo Matti!

Hier zu Hause hab ich auch entweder Schlafanzug oder langes Nachthemd,.Aber die Idee mit dem langen T-Shirt, werd ich mir auch merken(der nächste Jugendherbergsaufenthalt kommt bestimmt :roll: )

Vielen Dank an euch alle, dass ihr mir Mut macht!Offenheit zu zeigen ist nämlich gar nicht so einfach ;-)

Viele Grüße Ghobi
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Beitrag #8 von mehlbox2001 » 22 Nov 2006 00:35


... hab grade mal bei http://www.quelle.de rumgeschaut ...

Gib in deren "Suche" einfach das Suchwort "Bigshirt" ein, dann weißt du, was ich mein ... Kenn mich bei Damenmode nicht sonderlich aus, aber gibt's bestimmt überall ...

Andreas
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Beitrag #9 von Chris00 » 22 Nov 2006 14:28


Hallo,

ich bin auch für brutal-offenes Outing. Ich bin auch seit Geburt inkontinent. Mit Hilfe einer unglaublichen Grundschullehrerin, habe ich es zunächst dort der ganzen Klasse in einer Schulstunde erklärt - und ich bin nie ausgelacht worden, es gab ja nichts mehr, was im Dunkeln lag - alle wussten Bescheid!

Und genauso mache ich es seit dem immer wieder. In der Uni wissen es alle, mit denen ich zu tun habe, meine Freunde sowieso, auch beim Sport und in der Band. Das negativste, an Reaktionen, was ich jemals bekam war, "Du bist doch bescheuert, nicht jede Operation zu versuchen, die Helfen könnte". Tjo, meine Entscheidung! Punkt! Und dann gab es dann natürlich die, die nichts mit mir zu tun haben wollten, aber ich werde nie wissen, aus welchen Gründen. Ich kann denen ja auch einfach unsympatisch gewesen sein, oder zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn... da sind die Windeln eher Nebensache.

Jetzt weiß ich aber auch, dass es jede Mengen Menschen gibt, die nicht so ein starkes (übergroßes?) Selbstbewußtsein haben. Es gibt genug, die nach Anerkennung und Zugehörigkeit dürsten, und selbst keinen eigenen Charakter aufbauen können. Diese Leute brauchen einen starken Freund, der sie dadurch bringt. Denn eins ist klar: Ständiges Geheimhalten und Verstecken ist das SCHLIMMSTE was man tun kann! Vorallem, wenn man noch jung ist: LEBE!
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