Ich kann mich einfach nicht damit abfinden

Inkontinent.... und wie gehts weiter???
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Ich kann mich einfach nicht damit abfinden

Beitrag #1 von tapdog2007 » 29 Dez 2006 22:09


Hallo,

vor etwa einem halben Jahr hatte ich einen schweren Motorradunfall mit mehreren Knochenbrüchen unter anderem Becckenbruch und einer Blasenruptur. Ich befinde mich noch immer in der Reha, leide seither an einer Reflexinkontinenz und muß seitdem Windeln tragen. Vieles ist besser geworden in der REHA aber für meine Inkontinenz haben mir die Ärzte wenig Hoffnungen gemacht. Es ist mir ein Graus in Windeln rumlaufen zu müssen. Ich schäme mich und will so nicht leben müssen, habe aber wohl keine andere Wahl. Mir wurde empfohlen mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen und so kam ich auf diese Seite.
Vielleicht kann mir mal jemand erzählen wie es bei Euch zur Inkontinenz gekommen ist und wie Ihr mit der Diagnose klar gekommen seit. Wie geht Ihr heute damit um - wie schränkt Euch die Krankheit ein?
Ich habe Angst vor der Zukunft. Wie komme ich im Job damit kalr und wird meine Frau, die im Moment meine größte Stütze ist, auch in zukunft damir klarkommen das ich auf Windeln angewiesen bin? Wird es auswirkungen auf unser Sexleben haben? Wie gehen die Kinder damit um?
Ihr seht, mein Kopf ist ein Rathaus und ich brauche dringend einen Mutmacher!

Michael
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Kopf Hoch

Beitrag #2 von Chris-001 » 30 Dez 2006 03:22


Hallo Michael,

ich bin seit mehr als zehn Jahren Inkontinent,auch durch einen Verkehrsunfall, jedoch nicht mit dem Motorrad. Am Anfang meiner Inkontinenz wurde ich erst mal nicht ernst genommen da bei dem Unfall scheinbar nichts groß passiert war, HWS usw. drei tage Krankenhaus sonst nichts... .
kurze zeit später begann mein Problem mit der Inkontinenz, ich kam wieder ins Krankenhaus es wude viel Untersucht, es tat Teilweise richtig weh, doch ohne jeglichen Befund. Keiner glaubte mir. Ich sollte mich an einen Psychologen wenden, mein Problem wäre von jener Natur... .
Nach etlichen Jahren kam dann mal mein Hausarzt auf die gute Idee wegen ewiger Rückenprobleme ein Kernspin durchführen zu lassen. Das war der "Erfolg"- eine aufnahmen reihe und ich war zumindest was die Psyche anging rehabilitiert und was alles weitere anging frustriert man kann da nicht soviel für mich tun. Glück im Unglück- meine Inko ist nicht sehr stark, will sagen es gibt Zeiten wo ich ganz normal leben kann ohne größeren Einsatz von Hilfsmitteln. Aber es gibt auch Zeiten wo ich ohne Windel das Haus nicht verlassen kann. Dies ist abhängig davon wie ich meinen Rücken belaste. Erkältungen, Blaseninfekte und höherer Biergenuss sowie Spargel sind auf jedenfall ein garant für "undichte" Zeiten.
Zur Partnerschaft- meine Frau hat mich mit Windeln kennengelernt und unabhängig von der Inko führen wir ein ganz normales Leben.Wobei körperliche Zuwendung auch mit Windel kein so großes Problem darstellt. Meine Kinder, ich habe zwei 6 und 8, bekommen nicht allzuviel davon mit es passiert jedoch schon mal das sie mich mit meiner "Superunterhosenmode" sehen. Bisher haben sie mich nirgendwo verraten-ich denke sie sehen das als normal an.
Du wirst sicher einige Zeit brauchen bis du damit klar kommst. Aber das Gefühl alle sehen Dir an das du Windeln trägst lässt mit der zeit nach. Es sieht keiner, es sei denn du kleidest dich so knapp das alles abmalt- das würden warscheinlich andere Betroffene schon mal sehen, da sie sich selbst(so ist es bei mir) im Spiegel von allen Seiten betrachten und somit einen guten blick für formale Unregelmäßigkeiten am Gesäß haben.
Ich wünsche dir alles Gute und sage dir an dieser Stelle das man mit einer Inkontinenz gut leben kann. ABER gib deine Hoffnung nie auf wieder ein normales leben zu führen. Mitunter legt sich das mit der Blase doch noch oder kann mit einer OP behoben werden.
Verliere nicht den Mut, es gibt immer etwas schlimmeres!!

Gruß Christoph
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Beitrag #3 von Tanita » 02 Jan 2007 19:24


Hallo Michael

Ich bin ebenfalls seit einem Motorradunfall vor ein paar Jahren inkontinent und weiss noch sehr genau wie schwer der Anfang war. Mittlerweile habe ich gelernt mein Leben wieder zu geniessen, fahre sogar wieder Motorrad. Habe immer versucht mir klar zu machen, dass ich froh sein kann bis auf die Inkontinenz wieder gesund zu sein. Habe gelernt damit zu leben. Hört sich hier jetzt sooo einfach ich weiss aber glaub mir mit Windel kannst alles fast genauso wie ohne. Eine erfüllende Sexualität ist genauso möglich wie Sommerurlaub, etc.

Partnerschaft und Kinder das geht auch mit Windel - du wurdest ja vor dem Unfall nicht geliebt weil du keine Windel trägst sondern weil du bist wie du bist und nach dem Unfall bist immer noch derselbe Mensch ausser dass du ein Hilfsmittel verwenden musst. Mein Mann und mein Sohn lieben mich auch mit Windeln

Du darfst gerne per Mail mit mir in Kontakt treten wenn Du mehr wissen möchtest oder auch wenn Du nur reden möchtest

Kopf hoch und liebe Grüsse
Tanja
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Beitrag #4 von Matti » 02 Jan 2007 19:39


Hallo,

siehst du, genau wegen solcher Berichte wie deinem existieren mittlweile einige Selbsthilfevereine.

Deine Rehaeinrichtung hat gelinde gesagt versagt.
Inkontinent zu sein ist nicht gleichbedeutend damit, dass du auf Windeln angewiesen bist.

So könntest du z.B. auf andere Hilfsmittel ausweichen. Ein Kondomurinal ist diskret und sicher zu tragen und hat ganz viele Vorteile gegenüber einer Windel, in der du ja immer im Nassen bist.
Intermittierender Selbstkatheterismus könnte eine weitere Möglichkeit sein, oder wenn dies nicht möglich ist die Anlage eines Subrapubischen Katheters.

Mit Botox könnte man deine Blase soweit ruhigstellen, dass es zu keinen Urinverlusten mehr kommt.
Ein künstlicher Schließmuskel könnte dich völlig von deinen Problemen befreien. Evtl. kommt auch ein Sakralnervenstimulator in betracht.

Wahrscheinlich bist du über diese ganzen Alternativen aber gar nicht informiert worden. Und deshalb ist es gut, wenn sich betroffene in diesem oder anderen Foren über ihre Probleme austauschen können.

Der Besuch einer Selbsthilfegruppe könnte dir zudem hilfreich sein. Dort sitzen schon seit langen nicht mehr ausschließlich Menschen jenseits der 80.

Dieser Verein hat 2 (oder 3) Selbsthilfegruppen, die Deutsche Kontinenz Gesellschaft an die 80 und der Inkontinenz Selbsthilfe e.V. mittlerweile vier Gruppen.
Allen gemeinsam ist eines, die Hilfe zur Selbsthilfe soll im Vordergrund stehen.

Wünsch dir alles gute und hoffe dir einige Alternativen aufgezeigt zu haben.


Laß den Kopf nicht hängen, den selbst mit einer Windel kann man ein ganz normales Leben führen.

Gruß

Matti
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Nur Mut, das Leben geht weiter...

Beitrag #5 von Struppi » 09 Jan 2007 19:20


Hallo tapdog2007,
hallo an alle anderen Schreiber!

Zunächst wünsche ich allen ein frohes neues Jahr!

Zu Deinen Sorgen, Tapdog...

Ich bin seit vielen Jahren inko, hatte aber am Anfang die gleichen Sorgen wie Du, war genau so hilflos und fühlte mich ausgeliefert, alleingelassen und ausgegrenzt. Ich habe unsagbar viel Energie darauf verschwendet, meine Inko geheim zu halten, habe mich viel zu lange niemandem anvertraut, nicht mal meinen Freunden und meiner Familie.

Nach den ersten OP's (hatte einen Tumor an der Wirbelsäule, ein s.g. Osteosarkom) und den entsprechenden weiterführenden Untersuchungen war klar, dass die Inkontinenz irreversibel war, ich damit leben musste - und dies unter keinen Umständen wollte! Das Wort "Inkontinenz" war für mich in der ersten Sekunde erschreckender als die Tatsache, dass ich Querschittgelähmt war - klingt schräg, ich weiß, aber zurückblickend erinnere ich mich so... Ich lehnte Besuche meiner Freunde ab, wollte niemanden sehen. Auch nicht, als ich aus der folgenden Reha entlassen wurde. Ich fühlte mich in meiner Menschenwürde herabgesetzt und gedemütigt.

Wie Matti schon bemerkte: Auch bei meiner Reha hatte mich niemand darüber aufgeklärt, welche Alternativen es zu Windeln gibt - ein klares Versagen der mich behandelnden Therapeuten und Ärzte!!!

Versuche, mit Deinen Therapeuten in der Reha über die von Matti angesprochenen anderen Methoden (Katheter, Blasenfistel, Kondomurinal etc.) zu reden! Die meisten Reha-Einrichtugen bieten auch eine spezielle Kontinenz-Therapie an. Versuche jeden Weg, verzweifle aber nicht, wenn es nicht funktionieren sollte... Inkontinenz ist nicht das Ende der Welt - auch, wenn sich das hier jetzt so lax anhört.

Ich musste einen langen und schmerzhaften Prozess durchlaufen um zu erkennen, dass die Inko mein gerinstes Problem war. Ich hatte mich in der Zeit selbst isoliert, war verbittert und einfach ungenießbar. Mach nicht den selben Fehler!

Mit den heute zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln kann man ein ausgezeichnetes, freies Leben führen.

Auch die Angst, jemand könnte es merken und entsetzt aufschreien oder in hysterisches Gelächter ausbrechen ist (im Regelfall) unbegründet. Diese "Schulhofängste" solltest Du gar nicht erst in Dir aufkommen lassen. Es ist eine Erkrankung, nicht weniger aber schon gar nicht mehr. Über Brillen wird ja im Erwachsenenalter auch nicht mehr gelästert.

Okay, nun mag der eine oder andere sagen: Brille und Windel sind wohl kaum miteinander vergleichbar... Warum eigentlich nicht? Es sind lediglich Hilfsmittel, die ein bestehendes körperliches Hadykap regulieren... - so betrachte ich die Angelegenheit inzwischen.

Was Inkontinenz in der Beziehung und Sexualität angeht: Bei mir war das - nachdem ich meine unbegründete Menschenscheu endlich abgelegt hatte - kein Problem. Der Mensch wird geliebt, nicht seine körperlichen Eigenschaften. Klingt blöde, aber auch in dieser Beziehung solltet Du ruhig die Hilfe eines Theapeuten evtl. auch einer Paartherapie in Anspruch nehmen.

Kopf hoch und mach Dich nicht verrückt, warte erst mal ab, wie sich Dein Krankheitsbild weiter entwickelt.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie jedenfalls alles Gute und falls Du weiteren Kontakt möchtest oder Fragen hast, dann poste hier oder schreibe mir eine Mail.

Mit den besten Wünschen

Struppi
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Beitrag #6 von Willi » 19 Mai 2007 22:55


Hallo alle miteinander,

habe gerade diese Inhalte gelesen und bin erstmal erschlagen! Da ergeht es einem genauso und ich hatte keine Möglichkeit gefunden mit jemandem darüber zu sprechen. Selbst in der, nach langem suchen, gefundenen Selbsth.-gruppe konnte ich nicht das erreichen, was ich dringend gebraucht hätte! Übrigens mit 3 Personen besetzt, wurde die Gruppe kurz darauf geschlossen! Bei der jetzigen Gruppe im anderen Ort, erging es mir ebenso. Und wieder: weil zu wenige Mitbetroffene kamen! Und selbst in der Gruppe wurde nicht über diese Themen gesprochen ! (Warum dann Selbsthilfegruppe?) Ich war somit immer mit meinem Problem alleine und selbst meine Frau tat sich anfangs schwer, mich in Windeln zu sehen. Mittlerweile bin ich gute 10-Jahre mit Windeln konfrontiert und es fällt mir immer noch schwer damit umzugehen. Dieses Forum habe ich schon sehr lange immer mal wieder besucht, habe mich bis dahin aber nicht getraut, mal mitzumachen. Weil es mir, bis auf ein paar Abweichungen genauso geht wie denen hier im Posting, bin ich jetzt erstmal wieder in ein tiefes Loch gefallen und muß dieses erstmal verarbeiten. Ich melde mich hier bald wieder, um einiges von mir noch zu berichten. Es hat mir ersteinmal sehr geholfen und gutgetan, "hier bei Euch" sein zu dürfen, um mich mit Euch austauschen zu können!
*Danke* (ich glaube es fast nicht)

LG
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Beitrag #7 von eric » 29 Mai 2007 10:57


Hallo Michael,

ich bin seit kurzem in diesem Forum, da ich unter Harninkontinenz leide und von einem Kumpel darauf aufmerksam gemacht wurde.
Vor etwa 3 jahren hatte auch ich einen schweren Motorradunfall mit etlichen Brüchen, auch beckenbruch, und Blasenruptur. Seitdem bin ich inkontinent und trage Windeln. Das erste Jahr war grausam, denn ich musste mich erst mit der situation abfinden. Ich hatte Angst, dass Nässe nach aussen dringt und es richt. So trug ich auch nur Lederhosen zu meiner Windel, weil ich mich so sicherer fühlte. Doch dann kam der Mut zurück. Ich ging zu einer selbsthilfegruppe, bin immer noch dabei und lernte dort einen Kumpel kennen, der mir viel half, mit der Situation zurechtzukommen. Jetzt trage ich sogar wieder Jeans zu meiner Windel und fühle mich absolut sicher. An das ständige Windelntragen habe ich mich voll gewöhnt und möchte diese auch nicht mehr missen, so dass ich auch andere Hilfsmittel nicht nutzen möchte. Seit diesem Jahr fahre ich auch wieder Motorrad, wobei es mit Windeln unter der Lederkombi ein sicheres Gefühl ist.
Nur Mut, Du wirst schon zurecht kommen.

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