Wohin bewegt sich unser Pflegeverständnis?!

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Wohin bewegt sich unser Pflegeverständnis?!

Beitrag #1 von Struppi » 16 Mär 2007 20:52


Hallo!

Vor nicht mal einer Stunde bekam ich den Anruf einer Bekannten meiner Freundin. Es handelt sich bei der Bekannten um eine alte Frau, die vor gut einem Jahr mit ihrem stark pflegebedürftigen Mann in ein „renommiertes“ Alten- und Pflegeheim gezogen ist (ich möchte ganz bewusst Namen, Ort o.ä. weglassen zum Schutz der Betroffenen).

Eigentlich wollte die gute Frau meine Freundin sprechen, da diese aber noch auf der Arbeit ist und sie dringend reden musste, erzählte sie mir folgendes:

Ihr Mann ist aufgrund einiger Schlaganfälle zum einen und einer massiven Demenz stark pflegebedürftig (sie selbst hat ebenfalls so manches Altersgebrechen und ist daher nicht in der Lage, die Pflege ihres Mannes selbst zu bewerkstelligen, so gerne sie dies auch täte).

Der Mann leidet an einer schweren Demenz – das möchte ich hier noch einmal betonen. Dass er verbal ausfallend wird und unkooperativ ist, ist Zeichen seiner Erkrankung. Trotzdem weigert sich das – großteils nicht deutschsprachige – Personal ihn zu versorgen. Er wird dort weder gewaschen - von sonstigen katastrophalen Hygienemängeln mal abgesehen - noch achtet jemand auf ausreichend Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Ergebnis dieser mangelhaften Pflege ist das, was jeden Tag in huderten anderer Fälle auch passiert: Er ist dehydriert, unterernährt, wundgelegen und mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Was soll ich einer alten Frau raten, die mich anfleht: „Hannes, was soll ich jetzt machen? Ich wohne da doch noch... ich kann die doch nicht verklagen?!“

Die beiden haben keine Kinder, sind allein auf weiter Flur...

Obwohl ich im Moment (in mehrfacher Hinsicht) an meine Grenzen stoße, werde ich mich selbstverständlich um eine andere Unterbringung für die beiden (? – ich hoffe sehr, ihr Mann übersteht seinen Krankenhausaufenthalt) bemühen; danach kann eine zivil- und strafrechtliche Verfolgung der Angelegenheit erfolgen... – Trotzdem: Hier die Distanz zu wahren fällt mir immer schwerer, mir ist einfach nur zum Heulen...!!!

Wie kann so etwas jeden Tag in unseren Heimen geschehen?! „Was du nicht willst, das man dir tue, das füg’ auch niemand andrem zu...“ So oder ähnlich haben wir es alle als Kinder gelernt. Warum fällt es uns so schwer, diese simple Lehre auch auf unseren Umgang mit Alten und Kranken zu projizieren?

Wie möchte ich im Alter oder bei Krankheit/Behinderung versorgt werden? – und so sollte ich meine Vorstellungen in meinen Beruf einbringen – wenn ich mich denn für einen pflegenden Beruf entschieden habe. Dabei will ich gar nicht auf das unrealistische Zeitpensum für die Pflege, aufgeblähte Verwaltungsarbeiten und die z.T. schlechten Arbeitsbedingungen eingehen. Das ist alles unbestritten, hat aber in meinen Augen nichts mit der Weigerung zu tun, einen in Obhut gegebenen Menschen zu versorgen.

Je mehr ich mich engagiere, so häufiger habe ich den Eindruck, ich kämpfe gegen Windmühlen... manchmal bin ich soooo müde...

Eventuell kennt ja jemand hier im Forum ein Heim, dass speziell auf die Bedürfnisse von Demenz-Erkrankten zurecht geschnitten ist? Ich nehme alle Hinweise auf Heime, die deutschlandweit einen guten Ruf haben! Gerne auch, wenn ein Forenmitglied dort selbst mal "reingeschnuppert" hat. - bislang hatte ich es immer nur mit Hospizbetreuung oder Ambulanter Pflege zu tun. Für Hinweise wäre ich daher wirklich dankbar!!!

Es grüßt alle - ein aufgewühlter -

Hannes
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Struppi
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Beitrag #2 von andi72 » 17 Mär 2007 12:15


Hallo! Du solltest überlegen den Medzinischen Dienst der Krankversicherung www.mdk.de einzuschalten, wenn alles andere nichts hilft. Die haben schisslich eine Aufsichtsfunktin über die Heime.
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andi72
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