Macht Inkontinenz einsam?

Inkontinent.... und wie gehts weiter???
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Macht Inkontinenz einsam?

Beitrag #1 von Stutzer » 12 Feb 2004 23:24


Hallo an alle hier

Ich möchte mal wissen ob einen Inkontinenz einsam macht?

Meine Erfahrungen haben mir gezeigt das es sehr wohl sein kann, nur möchte ich diese nicht als allgemein gültig stehen lassen.
Also belehrt mich eines Besseren.

Auf Antworten wartend
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
der Lutz
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Beitrag #2 von frosch » 28 Feb 2004 20:20


Hallo lieber Lutz!

Meine Erfahrung ist, dass man genau so einsam ist wie man sich von der Krankheit belästigen läßt. Ich gehe offen mit dem Thema um, ohne es jedem auf die Nase zu binden. Es ist ein Stück ärgerliche Normalität geworden. Nicht mehr und nicht weniger.

Lieber Gruß, René
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Wie?

Beitrag #3 von Stutzer » 29 Feb 2004 13:17


Hallo Frosch

Wenn ich deine Worte richtig deute dann ist ein inkontinenter Mensch nur dann einsam, wenn er es nicht schafft mit dem Leiden fertig zu werden?

Also ich denke, (also bin ich) das ich mich anfangs wegen der Inko recht stark selbst eingeschränkt habe. Und das zu den normalen Einschränkungen dazu.

Nun gehe ich offen mit der Thematik um und stelle immer wieder fest wie sehr die Menschen einen Inkontinenten bewundern können. Antworten wie "Ich würde damit nie klar kommen" und "Ich hätte mich wohl nie mehr aus dem Haus getraut" zeigen mir das du mit deinem Satz wohl recht hast. Aber mal ehrlich, hattest du anfangs nicht auch gewissen Konflikte mit deinem Selbstwertgefühl?
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
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Beitrag #4 von walker » 29 Feb 2004 14:35


Hallo zusammen,

ich glaube man sollte den Begriff einsam im Sinne von nicht Teilnahme am aktiven Gesellschaftlichen Leben (der Ausdruck kommt Euch bekannt vor?) und im Sinne von innere Einsamkeit differenzieren.
(Aktivität und Geist)

Den Gedanken zum Selbstwertgefühl möchte ich noch den Begriff Selbstbewustsein hinzufügen.

Gruß Walker
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Wortwechsel

Beitrag #5 von Stutzer » 01 Mär 2004 08:44


Hallo Walker

Ich danke dir für deine Worte, denn manchmal ist man echt Betriebsblind. :D

Ich meinte eigentlich die Tatsache das aufgrund der Scharm, der Angst entdeckt zu werden, den Gedanken des unvollkommenen, und der Tatsache das man immer ein Wechsel in Betracht ziehen muss die innere Vereinsamung. Da gebe ich dir recht.

Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sehe ich als Tatsachen an die nicht ohne einander auskommen. Will meinen das ein Verlust oder die Minderung des Selbstwertgefühles in direktem Zusammenhang mit dem Selbstbewusstsein stehen. Funktioniert das eine Falsch so kommt am Ergebnis etwas anderes Raus.

Ja es stimmt das mein Selbstwertgefühl gelitten hat, und dadurch mein Selbstbewusstsein arg in den Keller gewandelt ist. Aus dieser Tatsache heraus kam ich immer wieder zu dem Entschluss nicht das Haus zu verlassen, den schließlich konnte ja jeder sehen das ich Windeln trug.

Heute weis ich das es Humbug war, niemand der es nicht kennt erahnt auch nur im geringsten das aussehen oder den Zwecke deiner Unterwäsche, und somit gehe ich heute selbstverständlich aus dem Haus und nehme für längere Unternehmungen einen Daypack mit.

Bis dahin immer wieder gerne
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
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Beitrag #6 von frosch » 01 Mär 2004 10:11


Lieber Lutz!

Natürlich hat mein Selbstwertgefühl auch wegen des Einnässens gelitten. Weißt Du, durch andere Erkrankungen wie meine ganz hinterhältige Angststörung mit den damit verbundenen somatoformen (körperlichen) Störungen war ich zeitweise so gut wie gar nicht lebensfähig. Öffentlicher Personennahverkehr war für mich unmöglich. Wegen meiner Panikattacken habe ich mich nicht mehr getraut, längere Strecken zu fahren. Autobahnen waren absolut tabu. Manchmal riss mich die Panik aus dem Schlaf und mit Herzrasen fuhr ich zur nächsten Notaufnahme. Ich habe gelernt, dass ich mein vegetatives Nervensystem durch psychischen Druck zu sehr belastet hatte. Über drei Jahre habe ich es geschafft, mir nach und nach in kleinen Schritten wieder Lebensqualität zuteil werden zu lassen. Heute weiß ich wie vielen anderen Menschen es wegen körperlicher und/oder psychischen Problemen schlecht geht. Sie alle wünschen sich eine Reduzierung ihres persönlichen Leids. Ob mit Inko, Angst, Depression, mangelndem Selbstwert, Krebs usw. usw., völlig egal, es soll nur besser gehen und man möchte in der Öffentlichkeit nicht wie ein Aussätziger behandelt werden. Haben wir einfach mehr Mut zu unseren Schwächen zu stehen. Glaube mir, es hilft ganz gewaltig.
Lieber Gruß, René
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Beitrag #7 von walker » 01 Mär 2004 11:32


Hallo Lutz,

ich kann Dir nur zustimmen, so ging's mir auch (und so geht's mir teilweise immer noch).

Gruss Walker
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Beitrag #8 von frosch » 01 Mär 2004 12:16


Das Selbstbewußtsein ist die dem Menschen mögliche Reflexion über sich selbst. Wir sind uns bewußt, dass wir (da)sind. Der Selbstwert definiert sich aus unzähligen Einflussfaktoren. Umwelt, Millieu, Gedächtnis, Vergangenheit, Erfolgserlebnisse, Erfahrungen usw.
Der Selbstwert ist in keinsterweise statisch, sondern ist einer Vielzahl von Schwankungen ausgesetzt. Gut wenn das Bewusstsein und der objektive Selbstwert in Raum und Ebene übereinstimmen.
Wie schon geschildert ist mein Bettnässen seit der Einnahme von Trimipramin rückläufig, die Depressionen quälen nicht mehr so stark und meine Ängste sind geschwunden. Und trotzdem ist nicht alles toll. Blöd, dass die Medikation eben andere Nebenwirkungen einschleust. Ich bin zur Zeit sehr belastet, da die Antidepressiva Potenz- und Orgasmusstörungen mit sich bringen. Darüber zu reden fiel mir wieder sehr schwer. Da war wieder das Schämen, das Gefühl nicht gut zu sein und als Versager eingestuft zu werden, eben wie das Unvermögen rechtzeitig aufs Klo zu kommen und Windeln tragen zu müssen. Glücklicherweise habe ich bei diesem Thema auch wieder offen mit meiner Partnerin reden können. Wir sind beide der Meinung, dass die Stabilität der psychischen Befindlichkeit absoluten Vorrang hat. Und alles andere wird sich wieder finden.
Ich hoffe das Forum verträgt meine schonungslose Offenheit.

Lieber Gruß, René
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Hallo?

Beitrag #9 von Stutzer » 04 Mär 2004 08:42


Hallo Freunde

Ich kann euch beiden eigentlich nur beipflichten.

Die eigentliche Krankheit bringt immer eine Einschränkung in der objektiven Selbstbewertung mit sich, sofern diese überhaupt objektiv sein kann. Durch diese Einschränkungen wird dem erkrankten auch durch sich selbst oftmals das eine oder andere einsuggeriert. Das wird sich erst dann ändern wenn der Organismus Mensch die Entwicklungsstufe "Perfekt" erreicht hat, :mrgreen:

Das Medikamente immer eine Wirkung haben und auch Nebenwirkungen mit sich bringen ist auch eine der Tatsachen die sich kaum ändern lassen, und dadurch ist es möglich das die eigentliche Erkrankung ganz schnell durch andere wie z.B. Depressionen, Angstzustände, Existenzängste und der gleichen verdeckt werden.
Wir sind uns ja dahin gehen einig das wir alle mit der Inko ein Problem haben, die Versorgung des einzelnen ist so individuell wie die Inko an sich, daraus resultierend haben wir alles das Problem mit den effektiv auftretenden Nebenwirkungen klar zu kommen.


Das durch ein Medikament die Potenz geschwächt oder gar ausgesetzt wird ist wohl als Kompromiss einzustufen, anders lagert sich der Fall wenn die Impotenz durch die persitierende Krankheit eintritt. das wäre dann wohl ebenso einscheidend wie die eigentliche Krankheit.

In diesem Sinne nie den Kopf hängen lassen, denn wior wissen das wir mit der Inko umzugehen lernen und das dann an andere weitergeben können.

Bis dahin alles erdenklich Gute
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Beitrag #10 von Mone » 09 Mär 2004 12:27


Moin Moin..
da ich "nur" Partner bin kann ich vielleicht etwas zur anderen Seite sagen.
Ich glaube als Mitbetroffene ist man nur ausgeschlossen wenn man sich dem Thema verschließt. Es ist für mich weder Scham noch Wut oder gar Ekel vorhanden..eher nur Trauer wenn ich nicht einbezogen werde und nicht zur Seite stehen darf.Helfen hat in diesem Fall nichts mit Mitleid oder ähnlichem zu tun sondern einfach nur das Bedürfnis für den/die Partner da zu sein.Ist das zu viel gewünscht?
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