Psyische Belastungen

Inkontinent.... und wie gehts weiter???
Hier könnt ihr über eure Ängste, Sorgen und Nöte reden.

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Psyische Belastungen

Beitrag #1 von Stutzer » 26 Feb 2004 09:17


Hallo an alle User

Ich würde gerne wissen wie sehr euch die Inkontinenz, egal welcher Form, psychisch belastet.

Ich finde das die Inkontinenz für meine Person einen ganz erheblichen Teil auf die Psyche einwirkt. Das möchte ich gerne an einem Beispiel festmachen.

Ich leide unter einer neuerogenen Blase, das heißt in meinem Fall das es einen Harndrang gibt, dieser ist aber im Zeitfenster so kurz vor der anschließenden Blasenentleerung das der Gang zum WC mehr als Hirnrissig ist.
Nun habe ich durch welche Ursache auch immer, Wasseransammlungen in den Beinen. Diese sind so heftig das ich dafür Diuretika nehmen muss. Der Erfolg ist so groß, das ich nun unter einem ständigen Harndrang leide und dazu dann auch noch mit einer Regelmäßigkeit auslaufe, das es einem fast die Luft zum Atmen nimmt.

Das Belastet mich so sehr das ich eigentlich schon davon ausgehe wieder auszulaufen, obwohl ich gerade gewechselt habe. Die normale Reaktion auf diese Gedanken sind ein ständiges Abtasten der Beckenregion um festzustellen ob oder ob nicht.
Es nimmt einen recht großen Stellenwert ein und nervt schon, nur kann ich mich dagegen nicht wehren, im Gegensatz dazu rege ich mich natürlich auch über diese Situation auf, ich empfinde es schon als lästig ständig wechseln zu müssen.

Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir dazu Tipps geben?

Ich danke euch schon jetzt und wünsche euch alles Gute
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
der Lutz
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Psyche

Beitrag #2 von Gerd » 26 Feb 2004 12:12


Hallo Lutz,

zu deiner Frage kann ich nicht konkret Antworten, aber vielleicht "tröstet" es dich zu wissen, dass andere ähnliche Situationen haben. In einem vorhergehenden Beitrag erwähnte ich, dass ich Bettnässer bin. Als Grundregel heisst es ganz allgemein, man soll vor dem zu Bett gehen nicht so viel oder nicht mehr trinken. Dummerweise leide ich an Nierenproblemen und ich soll 2 ... 3 Liter Flüssigkeit am Tag zu mir nehmen. Und das Zeug muss ja auch mal wieder raus und hält sich dann garantiert nicht an meinen Wachrhythmus. Wenn dann noch dazu meine Psyche `ne Runde spinnt, dann erwischt es mich in der Nacht. Nun ist das Problem nächtens sicher einfacher zu beherrschen als am Tag und in der Öffentlichkeit.
Vielleicht könnte dir autogenes Training weiterhelfen. Ich habe es mal vorrangig bekommen als ich mit der Scheiderei am Boden lag. Es hat mir gut getan und ich wurde ausgeglichener .
Für deinen konkreten Fall der Inkontinenz habe ich nicht unmittelbar Erfahrung, auch wenn ich meine Übungen weitermache, aber vielleicht kann jemand aus unserer Runde mehr dazu sagen.

Sei recht herzlich gegrüßt vom "Sachsen" Gerd
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Beitrag #3 von frosch » 26 Feb 2004 15:26


Hallo lieber Lutz, hallo lieber Gerd!
Es ist schön, dass hier den psychischen Aspekten immer mehr Raum gegeben wird. Ich glaube es gibt zwei Themenkreise: Einmal die psychische Belastung durch die Inkontinenz und zweitens die Inkontinenz als Folge psychischer Belastungen. Naja, und drittens gibt es dann wohl auch die Schnittmenge beider, in der sich das Teufelskarussel dann so richtig schnell dreht. Seit meiner Geburt bin ich Bettnässer und es gibt wohl so kaum eine Therapie, die ich nicht mitgemacht hätte: Wecken durch die Eltern, Erziehungsberatung, Bett selbst beziehen, Unterlagen, Klingelhose, als Medikament Tofranil und immer wieder Windeln um zumindest technischerseits dem Bettnässen entgegenzutreten. Meine frühe Kindeszeit war alles andere als unproblematisch. Meine leiblichen Eltern hatten fast nur Streit, was dazu führte, dass man mich mit 2 ¾ zu Pflegeeltern gab, die mich dann später adoptierten. Immer habe ich mich zurückgesetzt und abgewertet gefühlt. Das Bettnässen hat diese Abwertung zudem unterstützt. Ich glaube mein Nässen war ein Hilfeschrei, jedoch auch eine Möglichkeit unterbewusst Druck abzubauen, ich habe auch sehr lange Nägelgekaut. Dann führten permanente Nierenentzündungen zu einer genaueren Untersuchung und man machte mir Mut, nach einer Harnleiter-OP bei Antireflux und einer behandelten Niere bei Abgangsstenose vielleicht auch das ins Bett machen zur Vergangenheit werden zu lassen. Leider brachte es nicht den gewünschten Erfolg, genau wie alle anderen Therapieversuche. Es war lediglich jedes Mal ein neuer Anfang mit neuer Hoffnung. Durch das Nässen habe ich Probleme gehabt, an Klassenfahrten teilzunehmen, konnte nicht bei anderen Kindern übernachten und habe mich isoliert. Das wertete mich selbst noch weiter ab. Mal besser mal schlechter begleitete mich das Bettnässen. Schwer waren die ersten partnerschaftlichen Anbändelversuche. Ich war eher schüchtern und dann noch das Problem dazu. Irgendwann habe ich dann den Partnerinnen erklärt, warum ich lieber alleine übernachte usw. Von der Seite hatte ich jedes Mal wieder sehr viel Verständnis erfahren. Mit etwa 26 prägte sich bei mir nach und nach eine Angsterkrankung Panikattacken und Depressionen aus. Das Nässen wurde wieder schlimmer und trat teilweise auch am Tage auf. Ich hatte Phasen, da ging es mir so schlecht, dass ich nur überleben wollte. Klar-logisch! Da war die Inkontinenz das kleinste Problem. Jetzt geht es mir besser und besser und ich betrachte das Bettnässen jetzt so: Die schwierige Kinderzeit hat das Einnässen hervorgebracht und nach wie vor kompensiert meine Psyche unterbewusst manchmal ihre aktuellen Probleme mit dem Einnässen. Aber es tritt immer seltener auf. Ich stehe absolut zu meinem Problem und arrangiere mich. Viel Therapieerfahrung ermöglicht mir heute meine Psyche besser zu verstehen. Die größte Hilfe sind aber Menschen, die ihre Probleme ebenfalls offen ansprechen. Und von den guten Erfahrungen anderer zu profitieren.
Habt Euch wohl!
Euer René
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psychische Belastung und Belastung der Psyche

Beitrag #4 von Stutzer » 26 Feb 2004 22:11


Hallo Gerd, Hallo Rene

Als erstes danke ich euch für eure offenen Worte. :o

Wenn ich das richtig sehe ist es also eine Art Kreislauf, aus dem es sich zu befreien gilt. Denn mal ehrlich, ich finde das es zwischen Bettnässen und Inkontinenz in Hinsicht auf die Psyche kaum Unterschiede gibt.
Das schließe ich aus euren Worten und den Erfahrungen die ich selber gemacht habe.
Ich war bis zu meinem 17. Lebensjahr selber Bettnässer, und dann eigentlich Froh das es einfach aufhörte. Erfahrungen die Bettnässer gemacht haben unterscheiden sich kaum.
Durch einen Unfall zog ich mir einen Massenvorfall der Bandscheiben L1 bis S1 zu. wurde dann operiert weil es zu Ausfallerscheinungen wie Harnverhalten und dann nächtliches Einnässen kam. Das einnässen ist zum Schluss übergeblieben, doch ein so geschädigter Rücken verleitet ja gerade zu Komplikationen. Ich wurde dann nochmals Operiert und habe dann das Bettnässen verloren. :mrgreen:
Ja es war weg, weil man es bei einer Kompletten Harninkontinenz nicht mehr heraus filtern konnte. :mrgreen:

Ich habe sehr darunter gelitten, das gebe ich mittlerweile auch offen zu. Ich habe immer noch Ereignis Depressionen und falle dann in ein Loch. Doch nun mache ich eine Therapie und bin recht zufrieden mit den Fortschritten die ich machen kann.

Was ich damit sagen möchte ist: Für mich gibt es keinen Unterschied ob die Psyche unter dem Bettnässen oder der Inkontinenz leidet, sie tut es auf jeden Fall und dadurch verstärkt sich die Situation immer wieder. Das merkt man daran das es Tage gibt an denen jeder Schutz für die Nacht nicht ausreichend ist.

Ich finde das es wichtig ist darüber zu reden, den es zeigt einem das man andere Qualitäten hat, und das ein Leben mit einer Inko auch weitergehen kann. Sicher passt man sich der Situation und der Krankheit an, aber genau da setzt bei mir immer die Vernunft aus und lässt mich denken das ich kein vollwertiger Mensch bin. Auch das ist aus der Ferne betrachtet Humbug, nur die Psyche die weiß das nicht.

Ich sage Danke und bleibt so wie ihr seid.
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
der Lutz
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Inko - Psyche

Beitrag #5 von Chris » 27 Feb 2004 13:41


Hallo Lutz, Hallo auch die Andern,

wie ihr ja wißt bin ich seit einen Unfall vor gut 3 Jahren voll inko. Die ersten Berührungen mit Inkoversorgung hatte ich aber schon früher - ein nervöser Dünndarm machte es nötig bei psychischer Belasung Vorsorge zu treffen, ganz nebenbei ging darüber auch meine Ehe zu Bruch - meine Frau kam mit der Situation nicht mehr klar. Ich habe damals eine Therapie gemacht - mit sehr gutem Erfolg - ich war so weit kontinent, dass ich ohne Windeln auskam, allerdings dauerte die Therapie auch fast 3 Jahre. Ein, maximal 2 mal proJahr konnte es vorkommen, das etwas passierte.

Als dann nach dem Unfall die Inko ständiger Begleiter wurde, da war das nicht so ganz einfach, aber durch die wunderbare Unterstützung durch meine Lebensgefährtin bin ich mitlerweile gut darüber hinweg.

Ein Zusammenhang zwischen der psychischen Belastung einer Situation und der Inkontinez ist für mich sicher. Aber es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten sich zu wapnen und vorzubeugen. Zum einen wie gesagt die Therapie, dann gibt es aber auch noch die Akupunktur - bei Harninko wirkt sie - je nach Ursache gut bis sehr gut, bei Stuhlinko mäßig bis nicht, aber auch die häufig in Begleitung zur Inko auftretenden Errektionsprobleme können mit Akupunktur sehr gut gebessert werden.

Für weitergehende Fragen stehe ich gern per message zur Verfügung

Allen ein schönes sonniges Wochenende

Chris
Kinder sind uns als Lehen gegeben, wir müssen sie sorgfältig behandeln
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