Wann trocken nach Prostataentfernung

Inkontinent.... und wie gehts weiter???
Hier könnt ihr über eure Ängste, Sorgen und Nöte reden.

Moderatoren: Benjamin, MSN, Marco N., Georges

Wann trocken nach Prostataentfernung

Beitrag #1 von Gerhard » 17 Jan 2005 18:28


Vor 7Monaten wurde die Prostata entoskopisch entfernt. Die Operation war relativ harmlos, nach 2 Tagen konnte ich wieder laufen. Aber die Inkontinenz war schlimm. Noch nach 3Monaten verbrauchte ich 6-8 Volagen. Dann erhielt ich bei einer Anschlußheilbehandlung einen Sphinktertrainer. Nachdem ich nun 4Monate mit ihm Beckenbodentraining durchführe habe ich nur noch2Vorlagen nötig. Aber es sind seit der Operation 7 Monate vergangen.
Ob ich überhaupt Aussicht habe wieder alles in den Griff zu bekommen kann mir keiner sagen.
Vielleicht hat aber jemand ähnliches durchgemacht ?
Benutzeravatar
Gerhard
 
 

Beitrag #2 von eckhard11 » 18 Jan 2005 14:43


Hallo Gerhard,

Training mit dem Sphinkter
Eine kurze Entspannungsphase erleichtert den Einstieg für das Training mit dem Sphinkter Trainer.
Die Sonde kann besser eingeführt werden, und die Konzentration auf die bevorstehende Übung wird erhöht.
Es wird empfohlen, in der ersten Zeit nur eine Trainingssitzung pro Tag durchzuführen, um eine Überanstrengung der schnell ermüdbaren Beckenboden- und Schließmuskulatur zu vermeiden (Muskelkater).
Nach einer Gewöhnungsphase kann auch häufiger trainiert werden.
Trainingssitzungen dauern in der Regel 15 - 20 Minuten.
Sie bestehen aus mehreren Sätzen von Anspannungs- und Entspannungsphasen
(5 sec anspannen - 10 sec entspannen = 1 Phase).
Die Phasen werden 10 - 12 mal wiederholt, danach wird eine mehrminütige Pause eingelegt. Dann kann mit dem nächsten Satz begonnen werden.

Regelmäßiges Üben garantiert einen spürbaren Trainingserfolg


Sieben Monate sind schon sehr ungewöhnlich, selbst drei Monate nach der Prostatektomie sollte der Patient wieder kontinent sein, da der innere Schließmuskel erhalten bleibt.
Nur in seltenen Fällen kommt es bei dieser Operationsmethode noch zum Ausfall des inneren Schließmuskels.
Dies solltest Du vom Urologen überprüfen lassen !

Als ich im November 2004 in Bad Wildungen zur Kur war, ( wegen Beckenbodentraining, hat aber in meinem Fall - radikale Zystektomie mit Neoblase - nichts gebracht. Die konnten mir nix mehr beibringen....),
waren mindestens 80% der anwesenden Männer wegen einer Prostatektomie dort.
Bei den meisten war die OP erst ein - bis zwei Wochen vorüber.
Ein Sphinkter wurde während der Anwendungen gar nicht verwendet !!
Wenn Du nur mit dem Sphinkter ein Beckenbodentraining machst, wirst Du keinen durchschlagenden Erfolg haben.
Ein Sphinkter ist ein begleitendes Hilfsmittel, kann aber ein "richtiges" Beckenbodentraining nicht ersetzen. Wobei der Sphinkler für den inneren Schließmuskel eigentlich auch gar nicht geeignet ist.....

Du solltest dazu übergehen, auch ein richtiges Beckenbodentraining durchzuführen.
Dazu reicht es, wenn Du - auf dem Rücken liegend und entspannt - Deinen Beckenbodenmuskel jeweils 10 mal recht schnell stark anspannst ( dabei ausatmen ! ), die Muskelspannung ca 10 Sekunden hältst und dann langsam (!) wieder entspannst. Diese Übung nennt sich "Ozeanbrandung"
Du solltest diese Übung nicht häufiger als 5 mal durchführen. ( Muskelkatergefahr )
Danach die gleiche Übung schneller durchführen, nicht so stark anspannen, nur 5 Sekunden halten und langsam ( ca. 3 s ) lösen. ( Nordseebrandung )
Zu guter Letzt 100 mal den Beckenboden schnell und leicht anspannen und loslassen ( Schmetterlingsflügelschlag )

Nicht übernehmen, einmal täglich - max. zweimal täglich - reicht. Und in Ruhe durchführen. Nicht hektisch. Alle Übungen können natürlich auch im Sitzen oder Stehen durchgeführt werden. Beim Fernsehen, in der Tränke, im Bett, überall. Wie es gerade zupass ist.
Wichtig ist eines : DURCHHALTEN !!! Wenigstens 4 bis 6 Monate. Täglich üben.
Dein Beckenboden wird es Dir danken und der Erfolg macht stolz und glücklich und die Birne frei. Glaube es mir einfach.

Ich führe die Übungen vorzugsweise abends in der Badewanne aus. ( Obwohl mir mein Arzt gesagt hat, ich könnte auf keinen Fall durch das Beckenbodentraining nächtens kontinent werden, mache ich das Training weiter. Man kann ja nie wissen.... )
Ob Dir die Übungen in dieser Form helfen, kann ich natürlich nicht sagen, aber mir haben sie enorm geholfen !
Ich bin heuer in der Lage, tagsüber meinen Urin nur mit dem Beckenbodenmuskel zu halten, da - oder besser obwohl - ich keinen inneren Schließmuskel mehr habe.

Ich leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 

Beitrag #3 von Helmut » 20 Jan 2005 00:34


Hallo Gerhard,

Eckhard hat eigentlich schon alles wesentliche gesagt. In der Regel geht man davon aus, daß eine Inkontinenz nach einer solchen OP etwa bis 1,5 Jahre dauert, wobei in dieser Zeit eine deutliche Besserung der Inkontinenz zu spüren sein muß. Und wenn du zu Beginn noch 8 Vorlagen brauchtest und mittlerweile auf 2 Vorlagen herunter gekommen bist, dann ist es schon ein guter Fortschritt. Also hab noch etwas Geduld, es wird schon wieder werden.


@Eckhard

[...]
Ein Sphinkter wurde während der Anwendungen gar nicht verwendet !!
Wenn Du nur mit dem Sphinkter ein Beckenbodentraining machst, wirst Du keinen durchschlagenden Erfolg haben.
Ein Sphinkter ist ein begleitendes Hilfsmittel, kann aber ein "richtiges" Beckenbodentraining nicht ersetzen. Wobei der Sphinkler für den inneren Schließmuskel eigentlich auch gar nicht geeignet ist.....
[...]

Ein Sphinkter ist der Schließmuskel, du meinst warscheinlich einen Sphinktertrainer, also ein Elektrostimulationsgerät oder liege ich jetzt da falsch?
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
Benutzeravatar
Helmut
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 2002
Bilder: 7
Alter: 53
Registriert: 01 Dez 2002 01:59
Wohnort: Augsburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Harn und Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Attends Regular M10 Windelslips, Irrigation mit Irrimatic R

Beitrag #4 von eckhard11 » 20 Jan 2005 09:47


@ Helmut :

natürlich meine ich den Elektrostimulator, aber ich kenne den Sphinktertrainer halt nur als "Sphinkter", da er auf der Urologiestation im Krankenhaus ausschließlich so genannt wurde......
( Auch mein Urologe sprach vom "Sphinkter", als er mir das Ding zur Trainingsunterstützung vorschlug. Hatte ich aber abgelehnt ).

Ich leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 

Rückantwort

Beitrag #5 von Gerhard » 20 Jan 2005 10:52


Lieber Helmut, lieber Eckhard,
vielen Dank für eure Antworten.Es tut gut sich mit Leidgefährden auszutauschen.
Mit der Entnahme der Prostata ist der innere Schließmuskel weg und der äußere wieder an die Blase angenäht. Da das Karzinom den oberen Rand der Prostata erreicht hatte, hat der Operateur sicher den Schließmuskel mit beschädigen müssen. Das könnte der Grund sein, warum ich solange kämpfe.
Ein Trost ist, daß ich mit den Hilfsmitteln klarkomme. Wenn ich länger weg bin, benutze ich ein Kondomurinal. Aber immer geht das nicht, da man sich sonst überhaupt keine Mühe gibt normal zu urinieren. Also nehme ich überwiegend Vorlagen.
Wenn ich euch so höre, habe mit dem Sphinktertrainer bestimmt zu intensiv geübt. Wenn ich am Nachmittag nach dem Üben einen Marsch unternahm, konnte ich das Wasser überhaupt nicht halten.
Im übrigen habe ich nach der Operation noch 32 Bestrahlungen bekommen, da die Tumorzellen mi G3 sehr akresiv waren. Damit habe ich aber keine Probleme.

Herzlichst Gerhard, der sich nicht hinlegt.
Benutzeravatar
Gerhard
 
 

Beitrag #6 von eckhard11 » 20 Jan 2005 12:00


Hallo Günter,

Du solltest Dich aber hinlegen, vorzugsweise, um ein vernünftiges Beckenbodentraining durchzuführen..... :lol: :lol:

Ich darf Dich auf zwei URL´s aufmerksam machen, in welchen Hilfen bei Inkontinenz durch Prostatektomie recht gut beschrieben werden :

http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Inkontinenzbehandlung.pdf

http://www.prostatakrebse.de

Natürlich hast Du ein richtiges Problem, dicht zu werden, wenn Dir auch der innere Schließmuskel (( Sphincter internus (Blasenhals)) entfernt wurde.
Das Problem habe ich ebenfalls, wenn auch durch eine andere Krebsoperation....

Mir hat - wie schon erwähnt - das Beckenbodentraining ( ohne Sphinktertrainer ) unglaublich geholfen.

Ich wünsche Dir viel Erfolg
und leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 

Beitrag #7 von Gerhard » 20 Jan 2005 14:41


Vielen Dank Eckhard für die schnelle Antwort. Die beiden URL habe ich mir angesehen und sie waren sehr aufschlußreich. Egal für was man sich entscheidet, mit dem Implatieren von Hilfen ist immer die Infektionsgefahr verbunden. Dehalb kämpfe ich weiter mittels Beckenbodengymnastik trocken zu werden. Heute habe ich allerdings das erste Mal ausgesetzt. Ein Zuviel hat wieder einmal zu einem kleinem Rückschlag geführt. Deinem Rat mich hinzulegen habe ich befolgt und fühle mich schon besser. Heute Abend geht mit Kondomurinal zu Andre Rieu in Leipzig in die Arena. Da komme ich zum Glück einmal auf andere Gedanken
Tschüß Gerhard
Benutzeravatar
Gerhard
 
 

Beitrag #8 von Peter-Hamburg » 25 Feb 2005 06:31


Hallo Gerhard,

du schreibst von einer endoskopischen Prostataentfernung ??
Deiner Schilderung nach ist es aber nur eine Entfernung des Prostataadenoms, der gutartigen Vergrößerung der Prostata.
Eine radikale Entfernung der Prostat geht also daher nicht endoskopisch, sondern ist immer mit einem sehr langen Bauschnitt verbunden und dauert mehrere Stunden.
Diese Operation führt man auch nur bei histologisch gesichertem Prostatacarcinom durch.
Bei dieser Methode wird dann in den meisten Fällen der hintere Schlißmuskel mit entfernt, so dass der Schließmuskel, der unserem Willen unterworfen ist, dann diese Funktion mit übernehmen muss, was dann fast immer zur Stressinkontinenz führt.

Ich rate dir noch einmal einen Urologen aufzusuchen und noch mal eine Erfolgskontrolle, d.h. eine Restharnkonrolle und eine Urinuntersuchung zum Ausschluss oder Behandlung eines Harnwegsinfektes durchführen zu lassen.
Ich bin fast sicher, dass dein Problem damit gelöst werden kann.
Wenn nicht, melde dich gern mal wieder.
Gruß
Peter Runck
Benutzeravatar
Peter-Hamburg
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 17
Alter: 65
Registriert: 04 Mai 2003 01:59
Wohnort: Hamburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Dranginkontinenz


Zurück zu Ängste, Sorgen und Nöte

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron